Chronos Richardson meldet Insolvenz an

Beim Hennefer Traditionsunternehmen für Wäge- und Dosieranlagen wackeln über 100 Arbeitsplätze - Insolvenzverwalter will Geschäftsbetrieb zunächst fortführen

Hennef. Für die mehr als hundert Beschäftigten der Hennefer Chronos Richardson gab es kurz vor Weihnachten eine schlechte Nachricht: Am Mittwoch erfuhren sie in einer Betriebsversammlung, dass ihr Arbeitgeber pleite ist. Das Hennefer Traditionsunternehmen hatte zuvor beim Amtsgericht Bonn Insolvenz beantragt.

Allerdings konnte Sebastian Henneke, der vom Gericht bestellte vorläufige Insolvenzverwalter, den Arbeitnehmern sagen, dass er den Geschäftsbetrieb fortführen wird. "Die Beschäftigten bekommen somit zumindest bis Ende Februar Insolvenzgeld", sagte Christoph Schulze, Mitarbeiter von Rechtsanwalt Henneke, am Donnerstag auf Anfrage.

Chronos Richardson gehört zum kanadischen Konzern Premier Tech, einer an der Börse in Toronto notierten Unternehmensgruppe. Premier Tech teilte am Donnerstag mit, nicht länger in das Hennefer Unternehmen investieren zu wollen, weil es nicht möglich gewesen sei, den Betrieb rentabel zu führen. Eine Auskunft über den Umsatz des Unternehmens war am Donnerstag von der Geschäftsleitung nicht zu bekommen.

Chronos Richardson ist seit mehr als 120 Jahren als Spezialunternehmen für Wäge-, Sachverpackungs- und Palettiersysteme bekannt. In Hennef wurde auch die erste eichfähige Waage in der verarbeitenden Industrie von Nahrungsmitteln, Tierfutter, chemischen Produkten, Kunststoff, Kunstdünger, Getreide, Milchpulver und Mehl erfunden.

Chronos Richardson blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Die Maschinenfabrik wurde 1881 als "Hennefer Maschinenfabrik Reuther und Reisert" gegründet. 1950 erfolgte die Umbenennung in "Chronos-Werk Reuther und Reisert". Anfang der 70er Jahre tat sich das ehemalige Chronoswerk mit dem anglo-amerikanischen Unternehmen Richardson zusammen. Das Geschäftsvolumen vervielfachte sich.

Ende der 80er Jahre wurde für die Zukunft mit Jahresumsätzen von rund 50 Millionen Euro gerechnet. 1990 wurden die Hennefer von der Staveley Industries übernommen und in den Firmenverbund "Weighing & Systems Group" mit den Unternehmen Salter und Weigh-Tronix eingegliedert.

Dem größten und damit einem der wichtigsten Arbeitgeber in Hennef ging es gut. Die Produktion wurde 1991 in das Gewerbegebiet an der Reuther-Straße ausgelagert. Dort entstanden modernste Produktionshallen, großzügige Technik und ein funktionales Verwaltungsgebäude. Der Industriebetrieb feiert drei Tage lang das neue Domizil mit offenen Türen. 30 000 Quadratmeter umfasst das Gelände, auf dem Chronos seine selbsttätigen Waagen für Schüttgüter seither herstellt.

Im später so genannten Quartier Chronos, der alten Produktionsstätte mitten in der Stadt, wurden erst nach fast zehn Jahren die alten Sheddach-Hallen saniert und total renoviert. Heute befinden sich dort ein Fitness-Studio und Wohnungen.

Um Chronos Richardson wurde turbulent, als die Unternehmensleitung einige Jahres später mitteilte, rund 100 der damals 240 Arbeitsplätze abzubauen und den gesamten Produktionsbereich in Hennef stillzulegen und ins mittelenglischen Notthingham zu verlegen. Die Verhandlungen zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat endeten in einer Sackgasse, die Einigungsstelle in Siegburg nahm ihre Arbeit auf.

1998 übernahmen dann einige Manager und leitende Angestellte die Firma Chronos Richardson. Sie blätterten bei dem so genannten Management-Buyout damals umgerechnet 15 Millionen Mark auf den Tisch des britischen Mutterkonzern Staveley Industries. Der Firmenname blieb von der Übernahme unberührt, gab Chronos Richardson damals bekannt.

Anfang des neuen Jahrtausends übernahmen dann die Kanadier das Hennefer Traditionsunternehmen. Die Insolvenz bildet nun vorerst das letzte Glied in einer langen Kette von betrieblichen Veränderungen.