Experiment der Uni Bonn

Broschüre hilft Arbeitslosen bei Jobsuche

BONN. Erhalten Arbeitssuchende wissenschaftlich fundierte Informationen zur Jobsuche, erhöht sich ihr Erfolg auf dem Arbeitsmarkt spürbar. Das belegt ein Experiment der Universität Bon.

In einem Experiment hatten von Langzeitarbeitslosigkeit bedrohte Menschen, die gezielt über Erkenntnisse aus der Arbeitsmarkt- und Verhaltensforschung informiert wurden, nach einem Jahr rund 450 Euro mehr verdient und waren länger beschäftigt als eine Kontrollgruppe, die diese Informationen nicht erhalten hatte. Das hat ein internationales Forscherteam unter Beteiligung der Universität Bonn in einer vom Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) veröffentlichten Studie herausgefunden.

Wissenschaftliche Studien belegen, dass sich mit jedem Monat der Arbeitslosigkeit die Chance verringert, einen neuen Job zu finden. "Die Daten zeigen außerdem, dass aktive Stellensuche ein Schlüssel zum Erfolg ist. Leider unterschätzen viele Menschen aber das Ausmaß dieser Effekte", sagt Wirtschaftsprofessor Armin Falk von der Universität Bonn. Gemeinsam mit einem internationalen Forscherteam erarbeitete Falk deshalb eine Broschüre, die Arbeitssuchende in knappen und motivierenden Worten über aktuelle Erkenntnisse aus der Arbeitsmarktforschung und Verhaltensökonomik informiert.

"Bei vielen Menschen ohne Arbeit gibt es noch große Informationslücken zur Jobsuche", berichtet Florian Zimmermann von der Universität Zürich. In einem Feldversuch untersuchten die Forscher, wie sich die Bereitstellung von Informationen durch die Broschüre auf den Arbeitsmarkterfolg der Teilnehmer auswirkt.

Das Forscherteam nutzte die offiziellen Daten der Sozialversicherungsträger von etwa 54 000 Jobsuchenden in Deutschland. Ein Viertel bekam die Broschüre kurz nach Eintritt in die Arbeitslosigkeit zugeschickt. Die Wissenschaftler verglichen anschließend, wie sich die Arbeitsmarktchancen jener Erwerbslosen, die die Broschüre erhalten hatten, gegenüber denjenigen veränderten, die diese Informationen nicht bekommen hatten. "Die Daten zeigen einen moderaten positiven Einfluss der Broschüre auf den Arbeitsmarkterfolg", sagt Simon Jäger von der Harvard Universität.