Investor will weiter zukaufen

Bonnfinanz AG plant einen Neustart

Die Bonnfinanz AG beschäftigt 32 Mitarbeiter an der Rabinstraße. FOTO: BARBARA FROMMANN

Die Bonnfinanz AG beschäftigt 32 Mitarbeiter an der Rabinstraße. FOTO: BARBARA FROMMANN

Bonn. Der Finanzinvestor Blackfin sucht nach der Übernahme der Bonnfinanz AG von der Zurich Gruppe weitere Kandidaten. Innerhalb der nächsten drei Jahre soll die Zahl der Vertriebspartner von 511 auf 600 steigern.

Einen „Befreiungsschlag“ nennt Martin Lütkehaus, Vorstandsvorsitzender der Bonnfinanz AG die Trennung des Unternehmens von der Zurich Versicherungsgruppe (der GA berichtete ). Nachdem Geschäft und Beraterzahl des Bonner Allfinanz-Vertriebs jahrelang zurückgingen, soll das Unternehmen nach dem Eigentümerwechsel wieder wachsen.

Innerhalb von etwa drei Jahren wollen die Bonner die Zahl ihrer Vertriebspartner von derzeit 511 auf 600 steigern. Auch ein Wachstum über weitere Zukäufe in der Branche schloss der neue Eigentümer, Finanzinvestor Blackfin Capital Partners nicht aus. „Wir rechnen mit einer Konsolidierung bei den Allfinanzvertrieben“, sagte Blackfin-Manager Kai Wilhelm Franzmeyer am Mittwoch in Bonn. Im vergangenen Jahr hat die Bonnfinanz ihre Provisionserlöse mit 60,7 Millionen Euro ganz leicht gesteigert. Der Jahresüberschuss stieg auf 3,7 Millionen Euro nach 2,9 Millionen 2017.

Bonnfinanz: Ältester Allfinanzvertrieb Deutschlands

Die Bonnfinanz AG bietet ihren Kunden über Vertriebspartner bundesweit unterschiedliche Finanzprodukte von Lebens-, Sach- und Krankenversicherungen über Finanzierungen bis hin zu Investmentfonds an. Das 1970 gegründete Unternehmen gehörte seit 1992 zur damaligen Bonner Versicherung Deutscher Herold und ging mit dem Herold 2002 in die Zurich Versicherungsgruppe über. Als Teil des Konzerns konzentrierte sich Bonnfinanz vorwiegend auf den Vertrieb von Zurich-Versicherungen.

Nach dem Besitzerwechsel zu Blackfin zum Jahreswechsel wollen die Bonner ihr Portfolio ausbauen. „Wir engagieren uns künftig stärker in der Vermögensverwaltung und bei Finanzierungen, auch ein Einstieg ins Immobiliengeschäft wird derzeit geprüft“, sagte Lütkehaus. Dafür sollen jetzt vom ehemaligen Mutterkonzern Zurich unabhängige IT und Prozessmanagement aufgebaut werden. Trotz der Investitionen in die Digitalisierung setzt Bonnfinanz nach eigenen Angaben weiter auf eine persönliche Kundenansprache, will „erster Ansprechpartner in ländlichen Regionen“ werden.

Der Bonner Finanzvertrieb profitiere davon, dass Banken und Sparkassen sich zunehmend aus der Fläche zurückziehen, sagte Lütkehaus. Vertreter der Bonnfinanz seien an diesen Orten oft vertreten und böten ihre Dienstleistungen an. Der Markt wächst, ist sich Blackfin-Manager Franzmeyer sicher. Die „Finanzbedürfnisse von Privatpersonen“ stiegen jedes Jahr um fünf Prozent. Die französische Investmentgesellschaft hat sich auf Finanzdienstleister spezialisiert und hält ihre Beteiligungen im Schnitt fünf bis sieben Jahre.