Softwareentwickler Anima Res

Bonner im Fokus von Apple und Microsoft

Gruppenbild mit virtuellem Körper, den die Handy-App in den Raum platziert: Pablo (links) und Rodrigo Olmos bauen 3-D-Modelle.

Gruppenbild mit virtuellem Körper, den die Handy-App in den Raum platziert: Pablo (links) und Rodrigo Olmos bauen 3-D-Modelle.

Bonn. Die Bonner Brüder Pablo und Rodrigo Olmos entwickeln mit Anima Res 3-D-Animationen des menschlichen Körpers. Ihre Apps werden von Medizinstudenten und Tech-Konzernen nachgefragt.

Herzinfarkt! Die Pumpbewegungen des Organs werden unregelmäßig. Täuschend echt dreht sich das dreidimensionale Objekt auf dem Smartphone-Bildschirm, damit dem Betrachter keine Kontraktion des menschlichen Muskels entgeht. Das Handy vibriert dabei im Takt des Herzschlags.

Mit ihrer App „Insight Heart“ haben die Bonner Entwickler Rodrigo und Pablo Olmos kein geringeres Ziel als „die Demokratisierung der Lerninhalte“. Für wenige Euro können Medizinstudenten die Funktionen des Organs über eine virtuelle Projektion an einem beliebigen Ort aufrufen. Die Brüder und Gründer des Unternehmens Anima Res sind überzeugt: „Menschen können Lerninhalte über aktive Erfahrungen besser aufnehmen als durch passive Vermittlung.“ Dazu kommt: Das interaktive Begreifen des menschlichen Köpers soll Spaß machen. Dafür nutzen die Entwickler die Erfahrungen, die sie jahrelang im Design von Computerspielen und Spezialeffekten für Film und Fernsehen gesammelt haben.

Für ihre virtuellen Körper wurden die Bonner unter anderem mit dem „German Design Award 2019“ ausgezeichnet, die Technologie-Giganten Apple, Google und Microsoft haben sie zur Mitarbeit an ihren Projekten zu Virtuellen Realitäten (siehe Infokasten) eingeladen. Auch wenn die Brüder weltweit bei den Branchengiganten aus- und eingehen: Das Unternehmen steckt mit 16 Mitarbeitern und einem Umsatz in einstelliger Millionenhöhe auch Jahre nach seiner Gründung 2005, damals noch als Spieleentwickler, in der Aufbauphase. „Unsere Kunden sind vor allem Pharmafirmen, Krankenhäuser und Universitäten“, sagt Pablo Olmos.

Zuletzt hat das Unternehmen einen Kooperationsvertrag mit der Universität Bonn unterzeichnet. Mit Anima Res habe die Fakultät einen der innovativsten Partner im Bereich der medizinischen Visualisierung gewinnen können, teilte Bernd Weber, Prodekan der Medizinischen Fakultät mit. Starten soll die Zusammenarbeit im Bereich der Cardio- und Neurophysiologie, um dort komplexe Phänomene, wie die Erregungsausbreitung im Herzen, für die Studierenden anschaulicher zu machen.Aber auch Pharmafirmen beauftragen die Bonner mit der Entwicklung von 3-D-Modellen, die Ärzten etwa die Wirkung von Medikamenten im Körper erklären sollen.

In Poppelsdorf aufgewachsen

Die in Poppelsdorf aufgewachsenen Brüder erwarten eine weitere rasante Entwicklung im Feld der Virtuellen Realitäten. Schon in zwei bis drei Jahren könnten sich die Anwendungen im Alltagsleben der Verbraucher durchgesetzt haben, meint Pablo Olmos. Spätestens dann hätten sich die heute noch meist mehrere tausend Euro teuren und klobigen Spezialbrillen für die Mixed Reality zu deutlich günstigeren Modellen entwickelt, die sich von einer herkömmlichen Sonnenbrille kaum unterscheiden. Auch an Kontaktlinsen mit virtuellen Funktionen werde weiter geforscht, sagt Olmos. „Gerade in Zeiten des Ärztemangels werden virtuelle Anwendungen in der Medizin eine wachsende Rolle spielen“, sagt Pablo Olmos. So könnten etwa Übungen gegen orthopädische Probleme mit einer dreidimensionalen virtuellen Animation dem Patienten gut per Telemedizin übermittelt werden. Auch Trainer von Leistungssportlern interessierten sich für ihre Software, um Potenziale ihrer Schützlinge besser bewerten zu können, so Olmos weiter. „Zuletzt war der Sprinttrainer der US-Olympiamannschaft bei uns in Bonn.“

An den möglichst lebensechten Modellen arbeiten 16 Beschäftigte für Anima Res im Bonner Sadtteil Dottendorf. Die hoch spezialisierten Software-Entwickler stammen aus aller Welt von Spanien über Indien bis Mexiko – „im Büro reden wir hauptsächlich Englisch“, sagt Rodrigo Olmos. Gerade habe er Gespräche mit Bewerbern aus Russland und Pakistan geführt. Die 45 und 47 Jahre alten Brüder haben sich medizinische Grundkenntnisse nach eigenen Angaben im Laufe ihrer Spezialisierung selber angeeignet. Beide sind ausgebildete Designer beziehungsweise Spieleentwickler. Seine Tätigkeit beschreibt Pablo Olmos als die eines Übersetzers – so entstehen aus medizinischen Fakten visuelle Gebilde.