Versicherung kommt per App

Bonner Zurich setzt auf Sprachassistent "Alexa"

Dialog mit „Alexa“: Zurich-Chef Marcus Nagel unterhält sich in Köln mit Amazons Helfer.

Dialog mit „Alexa“: Zurich-Chef Marcus Nagel unterhält sich in Köln mit Amazons Helfer.

Bonn. Bonner Zurich berät zukünftig auch per Sprachassistenten. "Alexa" ermittelt den Preis für Versicherungen und sendet das Angebot per App auf das Smartphone. Zurich-Chef Nagel sieht die Branche vor tiefgreifenden Veränderungen.

„Alexa“ lässt sich nicht lange bitten. Amazons Sprachassistent braucht Antworten auf zwei Fragen, bis er einen Preis für eine Hausrat- oder Gebäudeversicherung angibt: Quadratmeter- und Postleitzahl. Das Angebot kommt per App auf das Smartphone. Dann kann die Versicherung bei einem Vertreter der Zurich Versicherung, den Alexa ebenfalls auf Wunsch nennt, oder online abgeschlossen werden.

Angebot auch für "Siri"

Demnächst zumindest. Ende des Jahres soll die Amazon-App verfügbar sein, so Marcus Nagel, Vorstandschef der Zurich Deutschland. Entsprechende Angebote soll es auch über Apples Siri oder weitere Assistenten geben. Und auch die Zahl der Versicherungen, die so angeboten werden, soll steigen.

Wenige Angaben für ein Angebot ist ein Ziel von Zurich. Demnächst reicht auch ein Foto, damit sich die Kunden Versicherungen rund um das Produkt empfehlen lassen können, um sie dann online abzuschließen. „Kundenorientierung, Innovation und Simplifizierung sind die drei zentralen Handlungsfelder, auf die wir uns konzentrieren“, sagte Nagel. Neben einfachem Zugang nennt er Transparenz bei den Kosten oder Rückvergütungen sowie die Integration von passiv gemanagten ETFs bei der fondsgebundenen Lebensversicherung, auf die Zurich setzt.

Bautrockung durch Wärmewellen

Punkten will der Versicherer auch mit neuen Services im Schadensfall wie der Bautrocknung durch Wärmewellen nach einem Wasserschaden, die das Aufstemmen der Wände ersparen, und Produkten wie Drohnen- oder Hochzeitsversicherung.

Die Versicherungen stehen für Nagel vor großen Veränderungen durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz. Organisatorische Voraussetzungen habe das Unternehmen geschaffen, um das zu meistern. 50 000 Geschäftsvorfälle werden schon vollautomatisch abgewickelt.

Innovations-Exkursion für die Mitarbeiter

Für eine neue Unternehmenskultur gehen Mitarbeiter etwa auf Innovations-Exkursion nach Berlin oder sollen Ideen und neuen Kundenblick in internen Start-ups entwickeln. Es gibt auch ein Büro im Kölner Startplatz, wo zwei bis drei Mitarbeiter Büro an Büro mit innovativen Jung-unternehmen sitzen.

Auch neue, offene Raumkonzepte sollen an den neuen Zurich-Standorten Dialog und Austausch fördern. Ab Ende März ziehen die Mitarbeiter im Rhein-Main-Gebiet in einen Büroturm in Frankfurt. Ab Ende 2019 werden die Standorte Bonn und Köln in der Kölner Messe-City konzentriert.

Stellenabbau im Plan

Zurich sieht sich auf Kurs. Der Umsatz im ersten Halbjahr lag auf dem Niveau der Vorjahresperiode, der operative Gewinn verdoppelte sich auf rund 216 Millionen Euro. Auch der Konzernumbau laufe nach Plan. Die Hälfte der 859 Stellen, die bis Ende 2018 in Deutschland abgebaut werden sollen, seien gestrichen, so Nagel. Ob es danach weitere Streichungen infolge der Digitalisierung gebe, sei schwer abzuschätzen. Bei Standardarbeiten würden weniger Mitarbeiter gebraucht, bei der Beratung aber mehr.