Skepsis gegenüber Zahlungsdiensten

Bonner Wirtschaftstalk spricht über digitale Währungen

Moderatorin Nathalie Bergdoll im Gespräch mit Bernd Heitzer, Präsident der Hochschule der Sparkassen-Finanzgruppe und Sandra Ficht, Vice President & Head of Digital Banking der Capgemini Invent.

Moderatorin Nathalie Bergdoll im Gespräch mit Bernd Heitzer, Präsident der Hochschule der Sparkassen-Finanzgruppe und Sandra Ficht, Vice President & Head of Digital Banking der Capgemini Invent.

Bonn. Beim 39. Wirtschaftstalk in Bonn stand die künftige Rolle der Banken auf der Agenda. Facebook könnte mit Libra zum größten Gläubiger von Staaten aufsteigen.

Mit ihren Plänen für weltweite umfassende Zahlungsdienste setzen Tech-Unternehmen wie Apple und Facebook die Kreditwirtschaft erkennbar unter Handlungsdruck. Das wurde am Mittwochabend auch beim 39. Bonner Wirtschaftstalk der Sparkasse Köln-Bonn, der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/ Rhein-Sieg und der Stadtwerke Bonn in der Bundeskunsthalle deutlich. Eine Frage dabei ist, welche Rolle Banken und Sparkassen künftig noch übernehmen können. Sparkassen-Vorstandsmitglied Nicole Handschuher setzt auf das Vertrauen der Kunden. Mit ausgereiften Systemen schütze man diese etwa vor Betrugsversuchen. Auch Christian Buhr, Direktor für Unternehmensfinanzierung, Gründung und Bildung bei der KfW-Bankengruppe, sprach Facebook das nötige Vertrauen ab.

Der Praxistest für die geplante Digitalwährung Libra stehe noch aus. Bernd Heitzer, Präsident der Sparkassenhochschule in Bonn, verwies zudem auf die großen Einflussmöglichkeiten des Unternehmens, wenn Facebook aufgrund seiner Marktmacht mit seinen geplanten Käufen von Staatsanleihen zum größten Gläubiger der Staaten aufsteigen könnte. Auch wenn das Konzept womöglich nicht Realität werde, warnte indessen Sandra Ficht, Vize-Präsidentin und Leiterin des Digitalgeschäftes der Capgemini Invent, vor Untätigkeit. Sie sah in der Idee „Ansätze, die irgendwann funktionieren werden“. In der aus Sicht einiger Zuhörer offenbar zu konfliktfreien Diskussion sahen alle Teilnehmer längst einen Schulterschluss zwischen der Kreditwirtschaft und aufstrebenden FinTech-Unternehmen. Diese könnten Speziallösungen zum Digitalbanking beitragen. Nur müsse, betonte Heitzer, die Bank stets den Kontakt zum Kunden behalten, selbst wenn sie Produkte Dritter anbiete.

Eine zwangsweise Abschaffung des Bargelds propagierten die Experten auf dem Podium nicht. Wer Kinder zum Brötchenholen schicke, sei mit abgezähltem Bargeld noch immer am sichersten dran, erklärte Ficht. Trotz aller Angebote werden in Deutschland noch drei Viertel aller Zahlvorgänge mit Bargeld getätigt, erklärte Heitzer.

Dass die Einschränkung des Bargelds künftig auch die Durchsetzung von Negativ-Zinsen durch die Notenbanken erleichtern würde, schwang hingegen nur mit. Heitzer erklärte dagegen, er müsse lange nachdenken, um seinen Studenten überhaupt eine stichhaltige Begründung für Negativzinsen zu liefern.