Solarkonzern in der Krise

Bonner Solarworld sieht Lösung in US-Streit

Der Vorstandsvorsitzende von Solarworld, Frank Asbeck.

Der Vorstandsvorsitzende von Solarworld, Frank Asbeck.

BONN. Firmenchef Frank Asbeck hofft auf „freundschaftliche Einigung“ im Millionenkonflikt mit Lieferant Hemlock. Ein strikter Sparkurs soll bis 2019 zurück in die schwarzen Zahlen führen.

Der angeschlagene Bonner Fotovoltaik-Konzern Solarworld AG kommt in seinem Rechtsstreit mit dem US-Siliziumlieferanten Hemlock offenbar einer außergerichtlichen Einigung näher. „Wir sind uns einig, dass wir eine freundschaftliche Lösung herbeiführen werden“, sagte Solarworld-Chef Frank Asbeck am Mittwoch in Bonn. Erst am Freitag habe er „sehr konkret“ mit dem früheren Lieferanten gesprochen. Ein US-Gericht hatte Solarworld zur Zahlung von umgerechnet rund 720 Millionen Euro an Hemlock für nicht erfüllte Lieferverträge in erster Instanz verurteilt. Eine Zahlung in dieser Höhe wäre für das Bonner Unternehmen nicht verkraftbar. Solarworld hat für die Schadenersatzzahlung keine Rückstellungen gebildet, da es sie nach europäischen Recht für nicht durchsetzbar hält.

Asbeck bekräftige sein Ziel, durch ein striktes Sparprogramm und eine neue Produktstrategie 2019 wieder die Gewinnzone zu erreichen. Der Konzern hatte bereits im Februar angekündigt, bis zum Jahr 2019 rund 400 seiner insgesamt 3300 Stellen zu streichen. Wie die Konzernzentrale in Bonn von den Kürzungen betroffen ist, blieb auch am Mittwoch unklar. Von den rund 300 Jobs in Bonn würden voraussichtlich „ein paar Dutzend“ wegfallen, sagte Asbeck auf Anfrage. In Bonn gebe es „keine nennenswerten Einschnitte“.

Im vergangenen Jahr hat Solarworld tiefrote Zahlen erwirtschaftet. Als Konzernergebnis mussten die Bonner einen Verlust von rund 92 Millionen Euro ausweisen. Asbeck machte für die schlechte Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte einen weltweiten Preiseinbruch für Solarmodule durch chinesische Billigangebote verantwortlich. Er warnte davor, dass nach und nach alle Bereiche der europäischen Industrie von China „systematisch ausgeplündert“ würden und forderte erneut eine stärkere Abschottung der Märkte gegen Importe aus Asien zum „Dumpingpreisen“.

Von einer drohenden Pleite will der Firmenchef trotz einer Warnung in der vergangenen Woche wegen stark geschrumpften Eigenkapitals nichts wissen: „Es ist noch genug Geld im Konzern“, sagte er. Die Pflichtmeldung habe nichts mit dem Fortbestand der Solarworld AG zu tun.