Start-up will sich vom Online-Verkauf abheben Bonner Modelabel Von Floerke setzt auf neue Ladengeschäfte

Mit Fliege: Firmengründer David Schirrmacher vom Start-up Von Floerke.

Bonn. Das Bonner Modeunternehmen Von Floerke will bis 2020 15 Filialen eröffnet haben. Bekannt wurde das Start-up 2015 in der zweiten Staffel der Vox-Gründershow "Die Höhle der Löwen".

Tukane oder Wassermelonen zieren die Einstecktücher, auf der Fliege tummeln sich kleine Fische, und die lilafarbenen Socken haben orangefarbene Punkte – die Herren-Accessoires des Bonner Unternehmens Von Floerke sind nichts für Modemuffel.

Gründer David Schirrmacher will seine klassische Herrenmode mit einem modernen Dreh als neue Marke auf dem hart umkämpften Bekleidungsmarkt etablieren.

Nur vier Jahre nach Firmengründung hat der 26-Jährige es mit seinen Produkten nicht nur in die Herrenabteilungen großer Ketten wie Kaufhof, Sinn und Breuninger geschafft, sondern betreibt auch drei eigene Läden (Köln, Düsseldorf, Münster) und ein Outlet (Stadtlohn).

Eine vierte Filiale in Hamburg soll in Kürze öffnen – die erste im Franchise-System. Am Unternehmensstandort Bonn gibt es noch keinen Von-Floerke-Laden. Der Grund: Die Mieten in der Innenstadt seien zu hoch, sagt Schirrmacher.

Von Floerke räumte in "Höhle der Löwen" ab

Trotz seines eigenen Onlineshops setzt der Jungunternehmer weiter auf klassische Ladengeschäfte. Sein Ziel: Bis zum Jahr 2020 sollen es 15 Filialen werden. Um sich vom Geschäft im Netz abzuheben, bietet Von Floerke in seinen Läden Maßgeschneidertes an und lockt die Kundschaft mit Drinks und Live-Musik. „Man muss in den Innenstädten mehr Anreize bieten“, ist der Betriebswirt überzeugt.

Bisher geht sein Konzept nach eigener Schilderung auf: Seit drei Jahren schreibe Von Floerke schwarze Zahlen, sagt Schirrmacher. Bei 45 Mitarbeitern setze das Unternehmen dieses Jahr voraussichtlich fünf Millionen Euro um. Noch wird hauptsächlich in Fernost produziert, aber vor allem die Accessoires will Von Floerke bald im münsterländischen Stadtlohn nähen lassen.

Die Finanzierung des Modelabels, für dessen Design Schirrmachers Frau Johanna verantwortlich ist, sammelte der gebürtige Bonner an verschiedenen Stellen ein. Nach einem Auftritt in der TV-Gründer-Show „Höhle der Löwen“ im Jahr 2015 stieg der Bonner Unternehmer und Investor Frank Thelen mit 150.000 Euro bei Von Floerke ein. „Die Sendung war unser Durchbruch“, erinnert sich Schirrmacher. Aber auch über Crowdfunding fand der Unternehmer Unterstützer. Derzeit halten Schirrmacher und seine Frau rund 70 Prozent an dem Unternehmen.

Der neue Trend zum edlen Zwirn

Die Geschäftsidee hatte der Unternehmer schon während seines BWL-Studiums. Für eine Abendveranstaltung mit Smokingpflicht suchte er im Netz nach einer Fliege zum Selberbinden. „Zu einem vernünftigen Preis wurde ich nur in England fündig“, erinnert sich Schirrmacher. Wenig später gab er die Produktion von 1000 Fliegen in China in Auftrag und verkaufte sie in Deutschland über das Internet. „Am Ende hatte ich 6000 Euro übrig“, sagt er, „und einen Plan für ein Start-up“.

Dass vor allem die deutschen Männer als Modemuffel gelten – sie geben nach Untersuchungen des Statistischen Bundesamtes mit im Schnitt 276 Euro im Jahr nur knapp halb so viel wie Frauen für Kleidung aus – bringt Schirrmacher nicht aus dem Konzept. Er sieht, gerade bei jungen Männern, einen neuen Trend zum edlen Zwirn. Und das nicht nur bei den immer aufwendigeren Abibällen, wo manchmal sogar die Farbe von Fliege und Einstecktuch auf das Kleid der Freundin abgestimmt werde.

In Zeiten, wo selbst Daimler-Boss Dieter Zetsche in Turnschuhen und ohne Krawatte in der Öffentlichkeit auftrete, wollten sich junge Leute bewusst vom Lässig-Look ihrer Elterngeneration absetzen, meint Schirrmacher. „Der Anzug von der Stange ist vielen einfach zu langweilig.“

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