Ernährung

Bonner Kunden zieht's wieder zur Frischetheke

Metzger Volker Haupt verkauft seinen Kunden frisches Fleisch aus der Region.

BONN. Aufschnitt isst Julia Dreistein so ziemlich jeden Tag, außerdem zwei- bis dreimal in der Woche mittags Fleisch. Die Biologie-Doktorandin isst das gerne und ist kein Beispiel für den Trend zu weniger Fleischverzehr, den der aktuelle Fleischreport in der letzten Woche verkündet hat.

Aber ihr Fleisch kauft sie selten im Supermarkt: Wenn, dann müsse es auch hochwertig sein. Deshalb holt sie sich ihr Mittagessen gerne bei der Metzgerei Sarter in Poppelsdorf.

Dort hat man keinen Rückgang verspürt: "Über Weihnachten haben wir gedacht, es würde weniger werden, aber die Leute haben so viel Fleisch gekauft wie immer", sagt Sarter-Mitarbeiterin Therese Schwarz. Sie sehe aber eine Tendenz zu mehr Frischware.

Dass die Menschen weniger Fleisch essen, liege auch an den Negativschlagzeilen, findet Volker Haupt, der die Produkte in seiner Altstadt-Metzgerei noch fast komplett selbst herstellt: Fleischskandale, Massentierhaltung und das Abholzen von Regenwäldern für die Rinderzucht schreckten viele ab. "Dieses Tor schließt sich die Industrie selbst." Deshalb bietet er Ware von Bauern aus der Region an und kann das auch nachweisen.

"Der Stellenwert der Nahrungsmittel lässt in Deutschland zu wünschen übrig", findet Haupt, der auch Mitglied im Vorstand der Fleischerinnung Bonn-Rhein-Sieg ist. In anderen Ländern werde das Essen mehr zelebriert, wogegen es in Deutschland eher eine beiläufige Sache, eine Notwendigkeit geworden sei. Man müsse ein stärkeres Bewusstsein für gesunde Ernährung schaffen.

Lieber weniger Fleisch essen, dafür hochwertigeres, rät Adalbert Wolf, Obermeister der Fleischerinnung Bonn-Rhein-Sieg. Fleisch in Maßen sei gesund, reguliere den Eiweiß- und Fetthaushalt. Schweinefleisch etwa sei der beste Vitamin-B-Lieferant. Wolf sieht einen Trend wieder zurück zu Fachgeschäften. "Der Kunde legt mehr Wert auf das, was er isst." Das gehe eher weg vom Verpackten.

Bei Edeka Bachem in Poppelsdorf sieht man eine andere Tendenz: Dort lässt Inhaber Werner Bachem in diesem Jahr die Frischtheke zurückbauen und gibt dem abgepackten Fleisch mehr Raum. Das habe mit der Struktur der Kundschaft zu tun: Je jünger, desto mehr Affinität zur Selbstbedienungsware gebe es.

"Die jungen Leute essen tendenziell weniger Fleisch." Er zieht im Poppelsdorfer Markt die Konsequenz und ändert das Angebot, dafür wird im März der Markt für eine Woche geschlossen. In seiner Dransdorfer Filiale sehe das aber ganz anders aus: Da habe die Frischetheke großen Zulauf.

Dreistein schätzt, dass sie in der Woche auf gut ein Kilo Fleisch kommt. Damit liegt sie laut Ernährungsfachfrau Antje Gahl im deutschen Durchschnitt - was den Fleischkonsum von Männern anbelangt. Frauen lägen dagegen im Schnitt im Bereich dessen, was sie empfehlen würde: "300 bis 600 Gramm Fleisch- und Wurstware pro Woche sind gesund", so die Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, die ihren Sitz in Bonn hat.

"Die hätte ich mittwochs schon erreicht", schätzt Rolf Hiller, Wirt im Sudhaus. Dort wird rheinische Küche serviert, deftig und fleischlastig. Das Gasthaus bietet aber auch vegetarische Gerichte an. Als stellvertretender Fachgruppenleiter Gastronomie in der Bonner Ortsgruppe des Hotel- und Gaststättenverbandes weiß er: "Fleischlos ist Trend." Und der werde sich halten, darauf müsse sich die Gastronomie einstellen.

Auch beim Brauhaus Bönnsch stehen immer auch vegetarische Gerichte auf der Wochenkarte. "Das wird auch gut angenommen", sagt Geschäftsführer Roman Faab. Die Gäste sollen die Wahl haben.

Im Endenicher Gasthaus Nolden geht man das anders an: Menüs ohne Fleisch findet man da nicht, aber laut Hans Nolden geht man immer auf Sonderwünsche der Gäste ein. Die Vorratshaltung für rein vegetarische Mahlzeiten lohne sich nicht. Und einen Rückgang an Fleischkonsum sieht man dort auch nicht.