"Family Day" des Bonner High-Tech- Gründerfonds (HTGF)

Bonner Kameha-Hotel: "Klima für Start-ups hat sich verbessert"

Der Troisdorfer Unternehmer Mathias Kunz vertreibt Faserkeramik, die unter anderem in der Raumfahrt eingesetzt wird.

Der Troisdorfer Unternehmer Mathias Kunz vertreibt Faserkeramik, die unter anderem in der Raumfahrt eingesetzt wird.

BONN. Mathias Kunz trägt weder Turnschuhe zum Anzug noch einen schicken Hipster-Vollbart. Er betreibt keinen Online-Shop und programmiert keine App. Unter den knapp 250 Existenzgründern, die sich gestern im Bonner Kameha-Hotel zum alljährlichen "Family Day" des Bonner High-Tech- Gründerfonds (HTGF) versammelten, zählt der Troisdorfer Unternehmer zu den Ausnahmen.

Aber: "Unsere Firma WPX Faserkeramik GmbH entwickelt sich traumhaft nach Plan", sagt der 52-Jährige zufrieden. "Auch wenn wir für ganz traditionelle Anwendungen in der Industrie arbeiten."

Kunz ist nicht zu dem Branchentreffen der deutschen Start-up-Szene gekommen, um neue Geldgeber zu suchen. Die Anschlussfinanzierung für den Keramikwerkstoff, den er mit seinen Geschäftspartnern vertreibt und in Troisdorf herstellt, sei vorerst gesichert, sagt er, große Automobilzulieferer als Kunden akquiriert. "Hier geht es in erster Linie um den Austausch mit anderen Gründern", so der Physiker.

Vor anderthalb Jahren wagten Kunz und seine Geschäftspartner mit Hilfe einer Startfinanzierung des Bonner Fonds den Schritt in die Selbstständigkeit. Kunz' Kollegen hatten beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) eine Faserkeramik entwickelt, die im Gegensatz zu herkömmlicher Keramik starke Temperaturschwankungen aushält und selbst dann nicht splittert, wenn man einen Nagel einschlägt.

Ursprünglich wurde mit dem Material die Blackbox eines Raumtransporters verkleidet. Heute laufen auf dem Material von WPX unter anderem Uhrengehäuse zur Härtung durch den Ofen.

Offenbar haben die Gründer einen günstigen Zeitpunkt erwischt. "Das Klima in Deutschland für Start-ups hat sich in den zehn Jahren seit Gründung des Fonds deutlich verbessert", zog HTGF-Geschäftsführer Michael Brandkamp gestern Bilanz.

Für die Finanzierung junger Technologieunternehmen stehe "eine große Anzahl von privaten, institutionellen und auch staatlichen Töpfen bereit". In vielen Branchen mangele es allerdings an Gründern. "Wir sehen noch viel zu wenige Start-ups etwa im Bereich der Energiespeicherung oder bei Technologien für Finanzdienstleister."

Offenbar wird es für Gründer schwieriger, sobald sie die Anfangsphase überstanden haben und Geld für weiteres Wachstum brauchen. "Für diesen Schritt sind deutsche Gründer weitgehend auf Investoren aus dem Ausland angewiesen", sagte Thomas Bachem vom Bundesverband deutscher Start-ups.

Auch an den deutschen Börsen sei es für Gründer schwierig, Geld einzusammeln. Er fordert daher gesetzliche Lockerungen, die es etwa Versicherungen ermöglichen, einen Teil ihres Geldes in diese riskanten Investments zu stecken.

Auch Unternehmer Frank Thelen, Jurymitglied in der TV-Gründer-Show "Höhle des Löwen", kritisierte mangelnde Risikobereitschaft deutscher Kapitalgeber, die seiner Meinung nach zu viel Wert auf schnelle Rendite und zu wenig auf Wachstum legen.

"In Facebook oder Whatsapp hätte nie ein deutscher Fonds investiert", meint Thelen. Dabei sei die Währung im Internet-Zeitalter nicht mehr Euro und Dollar, sondern "die Zahl der Leute, die Dein Produkt benutzen".

Physiker Kunz sieht dagegen die handfesten Vorteile seiner Geschäftsidee: "Wir haben im Gegensatz zu vielen Internetfirmen immerhin bereits Kunden, die für unser Produkt auch Geld bezahlen."