Vom Loser zum Löwen Bonner Investor Frank Thelen veröffentlicht Biografie

Der Bonner Investor Frank Thelen ist ab dem 4. September wieder im Fernsehen in der Gründer-Sendung „Die Höhle der Löwen“ zu sehen.

Bonn. Der Investor Frank Thelen erklärt in seiner jetzt veröffentlichten Biografie auch, warum er nicht auswandern will: „In Bonn bin ich ein Champion, im Silicon Valley würde ich in der Kreisklasse anfangen.“ Aber auch hier war der Weg zum Millionär steinig für ihn.

Eigentlich liegt auf dem Tisch ein ziemliches normales Buch: Hardcover-Umschlag, 288 Seiten aus Papier, innen ein Inhaltsverzeichnis und einzelne Kapitel. Doch wenn Frank Thelen über seine Biografie spricht, klingt es, als hätte er gerade eine neue App entwickelt. „Der Buchmarkt ist kaputt“, sagt der Bonner, der seit Jahren in Start-ups investiert, aber einem breiteren Publikum wohl erst durch die Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“ (Vox) bekannt wurde.

Die Verlage würden keine Innovationen entwickeln, es fehle die Leidenschaft, das Geld ginge nicht in das Produkt, sondern versickere in der Bürokratie. Also hat Thelen es selbst gemacht. In seinem Bonner Büro direkt am Rhein zeigt der Investor große Hochglanz-Druckfahnen des Covers. Mehrere Schreiber und zwei Designer hätten gemeinsam mit ihm an dem Buch gearbeitet, sagt er, „wie ein Orchester“. Gemeinsam hätten sie jedes Symbol, jede Seite komplett durchdesignt. Anderthalb Jahre habe man an dem Buch gearbeitet, das nun pünktlich zum Start der neuen Staffel seiner Fernsehshow auf den Markt kommen soll. Wobei: Eigentlich, sagt Thelen, sei das ja gar kein richtiges Buch: „Es ist kein Printprodukt.“

Denn genau wie klassische Verlage bringt auch Thelen, der für seine Biografie mit dem Hamburger Murmann-Verlag zusammenarbeitet, parallel ein Hörbuch und ein E-Book auf den Markt. Vom Erfolg ist er so überzeugt, dass die Erstauflage bei 100.000 Stück liegt.

Im Grunde ist Thelens Plan größenwahnsinnig, das wird schnell klar, wenn man sich die Verkaufszahlen anderer Biografien anguckt: Die erste Auflage der deutschen Fassung der Biografie über Tesla-Chef Elon Musk lag bei 5000 Exemplaren. Weil sie sich jedoch als Erfolgsgeschichte entpuppte, ist sie inzwischen in 16. Auflage erschienen. Doch selbst dieser Bestseller wurde in den vergangenen Jahren insgesamt „nur“ 200.000 Mal verkauft. Schaut man sich die Verkaufszahlen deutscher Prominenter an, werden Thelens Ambitionen noch deutlicher: „Das Leben ist kein Spiel“ des Ex-Tennisspielers Boris Becker lag bei 20.000 Verkäufen und die Biografie „Herbstblond“ von Thomas Gottschalk, eines der erfolgreichsten Bücher in diesem Segment, kam auf 160.000 Stück. Doch Gottschalk ist quasi ein Volksheld, mit „Wetten, dass“ erreichte er in seinen besten Zeiten ein zweistelliges Millionenpublikum am Samstagabend. Gottschalk kennen alle – aber wie viele kennen Frank Thelen?

Abgebrochenes Studium und schwere Pleite

Doch all das ficht ihn nicht an. Es wäre nicht das erste Mal, dass der Bonner all die Skeptiker widerlegt. Denn Thelen hat ja auch deswegen ein Buch geschrieben, weil er eine spannende Geschichte zu erzählen hat – seine eigene. Und die klingt ein bisschen nach dem amerikanischen Traum, wobei Thelen nie Tellerwäscher war, bevor er Millionär wurde. Es ist eine Geschichte voller Rückschläge, denn Thelen flog vom Gymnasium, brach später sein Studium ab und legte mit seinem ersten Unternehmen eine schmerzhafte Pleite hin, die ihm Schulden in Millionenhöhe bescherte. Es ist aber auch eine Geschichte voller Höhepunkte, denn nach der Pleite gründete Thelen erneut, verkaufte seine Foto-Software für viel Geld nach Japan, investierte unter anderem in die Start-ups Mytaxi und Wunderlist, die später von Daimler beziehungsweise Microsoft aufgekauft wurden, wurde Fernseh-Star und durfte in der Bundesversammlung das deutsche Staatsoberhaupt wählen.

Seiner Heimatstadt Bonn ist Thelen immer treu geblieben. Als er angefangen habe, habe es Berlin als Start-up-Zentrum noch nicht gegeben, sagt er. Heute käme ein Umzug nicht mehr infrage, immerhin sei seine Frau hier auch mit ihrer kieferorthopädischen Praxis ansässig. „Außerdem mag ich das Rheinland“, sagt Thelen: „Wir haben hier mit Telekom und Post, dem Hightech-Gründerfonds und dem Digihub gute Bausteine, um die alte mit der neuen Welt zu verknüpfen.“ Und auch ein Umzug ins Tech-Mekka in Kalifornien kam für ihn nie infrage: „In Bonn bin ich ein Champion, im Silicon Valley würde ich in der Kreisklasse anfangen.“ Doch natürlich beobachtet er genau, welche Themen sich im Tech-Mekka entwickeln, welche Trends es gibt – und welche Chancen sich daraus ergeben. Der Rest des Buchs ist deshalb auch dem gewidmet, was Thelen bei einem Treffen in Bonn, die „wichtigsten Themen der nächsten zehn Jahre nennt“. Es geht um Begriffe wie Blockchain, die Thelen entschlüsselt und so erklärt, „dass auch meine Mutter es versteht“.

„Ich habe immer viel Kraft daraus gezogen, die Geschichten von anderen Gründern zu hören“, sagt Thelen. Er hat habe die Biografie über Elon Musk gelesen oder die von Jack Welch, den langjährigen Chef des US-Konzerns General Electric. Nun hofft er: „Es wäre schön, wenn die Leute auch in meinem Buch Inspiration und Mut finden.“ Auch in Hamburg hoffen sie, dass Thelens Plan aufgeht. Dort hat der im Jahr 2004 gegründete Murmann Verlag seinen Sitz, der das Buch des Bonners herausbringt. Der Verlag ist auf Digital- und Innovationsthemen spezialisiert, eher Nischen- als Massenanbieter. Thelen ist Murmanns große Chance. „Mit Frank Thelen konnten wir einen Autor gewinnen, der sich für Themen stark macht, die mir auch in meiner Rolle als Verleger am Herzen liegen“, sagt Murmann.

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