Pilotprojekt der Deutschen Post DHL

Bonner Händler über Aus von Allyouneed City enttäuscht

Das Onlineportal der Deutschen Post sollte auch neue Kunden in die Bonner Geschäfte locken.

Das Onlineportal der Deutschen Post sollte auch neue Kunden in die Bonner Geschäfte locken.

Bonn. Das Pilotprojekt der Deutschen Post DHL, Allyouneed City, wird zum Jahresende hin auslaufen. Der Bonner Einzelhandel reagiert darauf mit Enttäuschung.

Der Bonner Einzelhandel hat mit Enttäuschung auf die Ankündigung der Deutschen Post DHL reagiert, das örtliche Onlineportal Allyouneed City zum Jahresende einzustellen. „Wir bedauern das als Verband sehr, weil wir die Aktion als sehr gut empfanden und darin eine Chance sahen“, erklärte Jannis Vassilliou, der Vorsitzende des Einzelhandelsverbandes Bonn/Rhein-Sieg/Euskirchen am Dienstag auf Nachfrage des General-Anzeigers. „Das ist ein bisschen frustrierend, weil wir schließlich Mitarbeiter geschult haben“, sagte Metzgereiinhaber Ludger Schmitz.

Der Post-Konzern hatte die 167 beteiligten Händler am Freitag per E-Mail informiert, dass das im vergangenen Herbst gestartete Pilotprojekt zum Jahresende auslaufen werde. Im GA-Interview hatte das Unternehmen die Entscheidung damit begründet, dass man sich als Logistikdienstleister auf dieses Geschäft konzentrieren wolle und dauerhaft kein Anbieter von Internetshops sei.

„Wir sind erst seit knapp einem halben Jahr dabei. Es hat uns überrascht, dass die Entscheidung so früh fällt“, erklärte Geschäftsführer Peter Iven vom Herrenbekleidungsgeschäft Leyendeckers in Bad Godesberg. „So ein Angebot braucht schließlich auch Zeit, um es bekannt zu machen.“

„Es ist schleppend angelaufen, aber mit unseren Paketen für Grill-events wurden Kunden auf uns aufmerksam“, berichtete Schmitz. „Maximal acht Kunden haben sie an einem Tag bestellt.“ Die Sendung habe neben dem Fleisch auch Salat, Baguette und Getränke umfasst.

Möglichkeit der Expresszustellung "hervorragend"

Als „hervorragend“ bewertet wurde die Möglichkeit der Expresszustellung innerhalb von zwei Stunden in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis. In diesem Nahbereich muss die Ware dann auch nicht aufwendig verpackt werden, sondern es reichen Tüten mit Adressaufklebern. Alternativ liefert die Post am Bestelltag in einem Zeitfenster am Abend, zu einem Wunschtermin am Folgetag oder in ein bis drei Tagen im Bundesgebiet. Ein Händler berichtete, dass die Post im Rahmen des Pilotprojekts attraktive Versandpreise gemacht habe.

Manfred Stühlen, Verkaufsleiter bei Bang & Olufsen, erklärte, dass die Post die Versandkosten sogar komplett übernommen habe. „Wir haben eben ein hochpreisiges Produkt“, so Stühlen zu den High-End-Elektronikgeräten aus Dänemark. Erst ab Februar 2019 hätte man für die Zustellung zahlen sollen. Er bewertete Allyouneed City als „relativ okay“. Das Wichtigste sei gewesen, mit 14 Produkten, darunter Kopfhörer, in Online-Vergleichsportale zu kommen. Bisher habe man über das Internet zwei Dutzend Bestellungen gehabt, die seien aber alle nach Nord- und Süddeutschland gegangen.

Aufwand mit Präsentation der Waren

Unzufrieden äußerten sich die Händler über den Aufwand, den sie mit der Präsentation ihrer Waren auf dem Portal hätten. Verbandschef Vassilliou berichtete vor allem von technischen Problemen, es habe an Schnittstellen gemangelt. Dadurch hätten die Produkte nicht so einfach auf das Allyouneed-Portal hochgeladen werden können. Vassilliou sagte, von seinen 4000 Produkten, die er in seinem Juweliergeschäft anbiete, seien nur rund 35 online gewesen. Iven von Leyendeckers berichtete: „Wir haben das alles mit eigener Manpower auf das Portal eingestellt“, es habe einen monatelangen Vorlauf gegeben. „Für uns hat es sich nicht gerechnet.“

Ein Post-Sprecher sagte dazu, IT-Probleme seien nur bei einer kleinen Gruppe von Händlern aufgetreten. Das passiere nun einmal, wenn verschiedene Softwaresysteme miteinander kommunizieren sollten. Bis zum Auslaufen des Projekts sollen keine neuen Händler mehr auf das Onlineportal aufgenommen werden. In der E-Mail vom Freitag betonte die Post, dass auch nach Schließung des Marktplatzes alle Transaktionen unter Berücksichtigung von Retouren und Stornos ordnungsgemäß abgewickelt würden.

Der Knauber-Freizeitmarkt schrieb dem GA: „Auch wenn die Kooperation zu keinem nennenswerten Neukundengewinn für uns geführt hat, fanden wir die Zeit jedoch sehr spannend. Wir testen gerne Innovationen aus.“