High-Tech-Gründer

Bonner Fonds sieht Trendwende in Deutschland

Nicht jedes Unternehmen überlebt: Das Freiburger Biotech-Startup Awenydd war 2006 das erste, das in Baden-Württemberg vom High-Tech Gründerfonds gefördert wurde. Doch es scheiterte.

BONN. Ein Navigationssystem für Ärzte bei Operationen, Sensoren, die den Innendruck von Pflanzenzellen messen, um die Bewässerung besser zu steuern, ein Rollstuhl mit beweglicher Sitzfläche, der die Muskulatur stärkt und Wundsitzen verhindert - das sind nur drei von Hunderten Geschäftsideen, die der High-Tech Gründerfonds von Bonn aus fördert.

War der Markt für Risikokapital sowohl für Gründer als auch für Investoren in den vergangenen Jahren eher schwierig, hat sich der Wind inzwischen gedreht. "In Deutschland herrscht eine tolle Aufbruchstimmung in der Gründerszene", berichtet Michael Brandkamp, der beim Gründerfonds die Geschäfte führt.

Als größter deutscher Risikokapitalfonds für deutsche Unternehmen in der Gründerphase finanziert ihn vor allem das Bundeswirtschaftsministerium, aber auch Industrieunternehmen wie Post, Telekom, BASF oder Daimler. Fast 600 Millionen Euro stehen zur Verfügung, stecken zu etwas mehr als der Hälfte in aktuell 348 jungen Firmen.

Nachdem in den vergangenen Jahren unter den Bundesländern Bayern die meisten jungen High-Tech-Firmen generierte, hat sich die Lage inzwischen auch geografisch verändert: "Die Startup-Szene sitzt in Berlin, und das sind wirklich gute Leute", sagt Brandkamp. Bestes Indiz dafür: Von den 40 bis 50 Firmen, an denen sich der Gründerfonds jährlich mit meist 500 000 Euro beteiligt, kam zuletzt ein Drittel aus der Bundeshauptstadt.

Das liegt Brandkamp zufolge auch daran, dass Konzerne wie die Deutsche Telekom ihre eigenen Startup-Aktivitäten dort angesiedelt haben. Der Gründerfonds beteiligt sich nur an ganz jungen Firmen, die meist noch gar kein vermarktungsfähiges Produkt haben, sondern nur eine Geschäftsidee.

"Das von uns zur Verfügung gestellte Startkapital soll bis zu anderthalb Jahre reichen, danach geht es für die Firmen dann um eine Anschlussfinanzierung", erläutert Brandkamp. Der Gründerfonds sei wichtig, weil es nach wie vor zu wenig Investoren für die Gründungsphase gebe. Allerdings wachse das Interesse bei vermögenden Privatleuten, junge Firmen zu unterstützen, nicht nur mit Geld, sondern häufig auch mit eigenem Wissen. Aufgabe des Gründerfonds ist es, Investoren und Firmen zusammenzubringen.

Das Geschäft ist allerdings hochriskant, jede dritte Startup-Firma scheitert. Brandkamp: "Wir haben seit dem Start des Gründerfonds vor acht Jahren 72 Totalverluste." Häufigste Schwierigkeiten seien Probleme im Management oder dass die neue Technik dann doch nicht funktioniere. Sind die Unternehmen hingegen erfolgreich, kann der Gründerfonds seine Anteile mit Gewinn verkaufen.

Der Gründerfonds fördert auch zwei Bonner Unternehmen: Bomedus hat eine Bandage gegen Rückenschmerzen entwickelt und steht damit laut Brandkamp kurz vor der Markteinführung. SAW Instruments stellt Biosensoren für die Pharmaindustrie her, die ähnlich wie Mikrowaagen funktionieren.