Sozialplan für die Umstrukturierung Bonn bleibt zentraler Standort bei T-Systems

Systemadministrator Benjamin Fischer in Serverraum im Rechenzentrum von T-Systems in Biere.

Bonn. Der Interessenausgleich bei T-Systems für die Umstrukturierung sieht vor, dass Mitarbeiter sich auf die Stellen neu bewerben müssen. 400 Stellen in Deutschland wurden bereits abgebaut.

Die Umstrukturierungen bei T-Systems nehmen Formen an. Für die Geschäftskundensäule der Deutschen Telekom haben sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter auf einen Interessenausgleich und einen Sozialplan geeinigt. Das ist eine wesentliche Stellschraube dafür, dass die von T-Systems-Chef Adel Al-Saleh angestrebte Neuorganisation zum 1. Januar 2019 umgesetzt werden kann, die auf umfangreiche Kostenreduzierungen abzielt. Dafür will Al-Saleh in der Verwaltung und im Management einsparen und die Zahl der Führungsebenen von derzeit acht auf drei bis fünf senken. Rund 10 000 von 37 000 Stellen will Al-Saleh weltweit streichen, davon 6000 in Deutschland. Um 2000 Stellen geht es noch in diesem Jahr.

Im Interessenausgleich ist jetzt eine Stellenreduzierung um 5600 Stellen in Deutschland festgeschrieben worden, erläuterte Georg Pepping, Personalgeschäftsführer und Arbeitsdirektor von T-Systems, in einem Blog.

400 Stellen seien bereits über Altersteilzeit, Vorruhestand und Abfindungen reduziert worden, erläuterte Telekom-Sprecher Stefan König. Derzeit hat T-Systems 17 800 Stellen in Deutschland.

T-Systems steckt seit Jahren in der Krise, weil klassische Geschäftsfelder wie die Übernahme von ausgelagerten IT-Abteilungen großer Konzerne, sich in starkem Wandel befinden. Die Gewinnspannen sind gering, das Unternehmen macht Verluste. Stellenabbau hat es bereits mehrfach gegeben.

Al-Saleh will das Unternehmen schnell als führenden Anbieter von digitalen Lösungen neu aufstellen. Von renditeschwachen Geschäftsfeldern will er sich verabschieden. Das Unternehmen soll künftig nach so genannten Portfolios organisiert sein. Sie konzentrieren sich beispielsweise auf digitale Lösungen, öffentliche Cloud-Angebote oder Straßenbenutzungsgebühren. Über die Portfolio-Organisation soll die Kostensituation einzelner Einheiten deutlicher werden. Vereinbart ist, die Kosten über drei Jahre um 600 Millionen Euro zu senken und davon die Hälfte in Wachstumsfelder zu investieren. „Die eingesparten Kosten sollen zur Hälfte Investitionen in neue Wachstumsbereiche wie Cloud, Internet der Dinge und Sicherheit finanzieren“, erläuterte Pepping. Sie dienten auch marktfähigen Preisen und damit der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens.

Altersteilzeit, Vorruhestand und Abfindungen

„Wir wollen den Umbau möglichst sozialverträglich gestalten“, schreibt Pepping. Dafür stünden Instrumente wie Altersteilzeit, Vorruhestand und Abfindungen zur Verfügung. Wie König erläutert, sollen sich im Herbst Mitarbeiter auf die neu ausgeschriebenen Stellen intern bewerben. Mitarbeiter ohne Stelle in der neuen Organisation sollen in einer Überhang-Einheit aufgefangen werden, die betroffene Mitarbeiter in neue Beschäftigung innerhalb und außerhalb der Deutschen Telekom vermittelt. „Betriebsbedingte Kündigungen wollen wir nach Möglichkeit vermeiden“, schreibt Pepping.

Im Zuge der Umstrukturierung soll die Zahl der Standorte in Deutschland drastisch reduziert werden. 230 Bürostandorte in über 100 Städten gibt es derzeit. Eine solche Struktur erschwere die Zusammenarbeit. Künftig soll es nur noch Standorte in 25 Städten geben. Darin enthalten seien bis zu fünf rein kundenbedingte Standorte. Wo genau die Standorte sind, istin den Verhandlungen noch nicht bestimmt worden. Fest steht, dass Querschnittsfunktionen bei Finanzen, Personal und Kommunikation zum 1. Juli 2019 an den zentralen Standorten Hamburg, Berlin, Bonn, Darmstadt, Frankfurt am Main, Leinfelden und München gebündelt werden sollen. In den kommenden Jahren sollen bei T-Systems auch verstärkt Stellen in Ausland verlagert werden. Im Zentrum stehen Verlagerungen in die Slowakei, nach Ungarn und in Indien.

Gleichzeitig soll die Unternehmensstruktur flexibler werden: „Mitarbeiter sind nicht mehr starren Hierarchien zugeordnet, sondern können flexibler themen- und projektbezogen eingesetzt werden“, erläutert der Personalgeschäftsführer. Damit gehe ein geändertes, stärker auf Eigenverantwortung und Coaching der Mitarbeiter setzendes Führungsverständnis und eine Stärkung fachlicher Karrieren einher.

Die Gewerkschaft Verdi zeigte sich mit den Ergebnissen von Interessenausgleich und Sozialplan unzufrieden. „Das ist nicht das Gelbe vom Ei“, sagte IT-Bundesfachgruppenleiter Michael Jäkel. Die Betriebsräte hätten bei den Verhandlungen über die Umstrukturierungspläne, die sie von vorneherein abgelehnt haben, die Wahl zwischen Pest und Cholera gehabt. Parallel finden auch Tarifverhandlungen für T-Systems statt. Die vierte Tarifrunde ist für den 3. und 4. September in Hannover geplant.

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