Bonner Dialog für Cybersicherheit

Beim Datenschutz fehlt es an Sorgfalt

Symbolbild

Symbolbild

BONN. Beim 12. Bonner Dialog für Cybersicherheit diskutieren Experten über Datendiebstahl. Ein Befund: Internet-Nutzer gehen zu leichtfertig mit ihren Daten um.

Datendiebstahl ist eine der größten Gefahren im Zeitalter des Internets – und Kernthema des 12. Bonner Dialogs für Cybersicherheit des Fraunhofer-Instituts FKIE. Am Donnerstagabend trafen sich am Campus Poppelsdorf der Universität Bonn Experten zum Thema mit Bürgern für eine Podiumsdiskussion unter dem Motto: „Datendiebstahl, Doxing & Leaks – Wie erlangen wir die Kontrolle über unsere Daten zurück?“

Zu Beginn entwirft der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber ein düsteres Szenario: Jeder zweite Mediennutzer sei schon mal von Cyberkriminalität betroffen gewesen. Dabei seien gezielte Angriffe nur ein Teil des Problems. Ebenso gefährlich sind die „Datenkraken“, große und kleinere Unternehmen, die detaillierte Profile ihrer Kunden erstellen. „Jeder große Satz von Daten ist wie ein Honigtopf, der Kriminelle anzieht“, so Kelber. Sicherheitslecks ermöglichten Betrug und Identitätsdiebstahl. Laut Kelber mangelt es an Sorgfalt im Datenschutz im Sinne der Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung und des Bundeskartellamts. Demnach dürfte etwa Facebook von seinen Kunden nicht verlangen, der Erfassung sämtlicher Daten zuzustimmen, um die Plattform zu nutzen.

Statt immer neuen Gesetzen wünscht sich Kelber eine bessere Ausstattung der Aufsichtsbehörden, um Cyberstraftaten effektiv verfolgen zu können. Bonns Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa sieht das ähnlich. In der Aufklärung von Straftaten hinke die Polizei den technischen Möglichkeiten hinterher, ihr fehlen kluge Köpfe mit IT-Kompetenz. Überhaupt sind sich die Podiumsteilnehmer einig über die Maßnahmen für mehr Sicherheit: Bildungsangebote ab dem Grundschulalter, Sicherheitszertifikate für Hersteller von Hard- und Software, mehr Kooperation auf EU-Ebene, aber auch mehr Bewusstsein für Sicherheitsprobleme in der Bevölkerung.

„Gesunder Menschenverstand ist eine tolle erste Schutzmaßnahme“, sagt Kelber. „Ohne digitale Kompetenz kann man sich in der digitalen Welt nicht selbstbestimmt bewegen.“ Dazu gehört, keine Anhänge von unbekannten E-Mail-Absendern zu öffnen. Ebenso gefährlich sei es, die eigene Urlaubsreise öffentlich in sozialen Medien anzukündigen, denn Einbrecher halten gezielt nach solchen Informationen Ausschau. Viele Menschen seien hier zu unvorsichtig. Louisa Specht-Riemenschneider lehrt Datenrecht an der Uni Bonn und spricht vom „Privacy Paradox“. Demnach sei den meisten Menschen der Schutz ihrer Daten zwar theoretisch wichtig, konkret täten sie aber wenig dafür. Die führt das auf ein Gefühl der Machtlosigkeit zurück, das auch in der Publikumsdiskussion durchscheint. Teilnehmer fühlen sich verunsichert von der komplizierten Gesetzeslage, sie wünschen sich mehr Beratung. Ein Teilnehmer formuliert es so: Es gebe viel Expertise für IT-Sicherheit in Bonn, aber sie komme nicht bei den Bürgern an.

Tipp: Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik bietet Informationen und Workshops zur Cybersicherheit. Mehr unter www.bsi.de