Unternehmen aus Bonn-Holzlar

Bei Kautex Maschinenbau werden Stellen gestrichen

Geschäftsführer Olaf Weiland in der Produktion von Kautex Maschinenbau.

Geschäftsführer Olaf Weiland in der Produktion von Kautex Maschinenbau.

Bonn. Das Holzlarer Unternehmen Kautex Maschinenbau erwartet einen Umsatzeinbruch und kündigt Stellenstreichungen an. Die Geschäftsführung schließt auch Kündigungen nicht aus.

Nach mehreren Jahren mit starkem Wachstum und hohen Investitionen am Standort Holzlar zieht Kautex Maschinenbau jetzt die Reißleine: Wegen eines Auftragseinbruchs hat sich das Unternehmen ein Effizienzprogramm verordnet und will Stellen streichen. Die genaue Zahl und der Zeitplan stünden noch nicht fest, mit dem Betriebsrat liefen Verhandlungen über einen Interessenausgleich, sagte Geschäftsführer Olaf Weiland am Donnerstag dem General-Anzeiger. Auch wenn möglichst viele Stellen durch Fluktuation wie Renteneintritte und das Auslaufen befristeter Verträge abgebaut werden sollen, könne er betriebsbedingte Kündigungen nicht ausschließen. Eine Weiterbildungsgesellschaft solle den Abbau möglichst sozialverträglich gestalten.

Der Stellenabbau trifft vor allem den Hauptsitz in Bonn-Holzlar, an dem derzeit rund 550 von 750 Beschäftigten des Unternehmens arbeiten. Der Umsatz aus dem Verkauf der weitgehend dort gefertigten Maschinen werde in diesem Jahr voraussichtlich um 20 bis 25 Prozent zurückgehen, erklärte Weiland. Insgesamt erwarte Kautex Maschinenbau, dass etwa ein Viertel seines Geschäftes mit Servicedienstleistungen bestreitet, im laufenden Jahr einen Umsatzrückgang um rund 20 Millionen Euro auf 120 Millionen Euro im laufenden Jahr.

Verschiedene Gründe für den Einbruch

Einen Grund für den Einbruch sieht Kautex Maschinenbau in der abflauenden Weltkonjunktur: „Seit einigen Monaten sorgen globale Risiken wie der Brexit, die US-Handelspolitik und die Dieselkrise für eine Abkühlung“, hieß es. Unsicherheit sorge dafür, dass sich Kunden bei Investitionsgütern wie den Kunststoffverarbeitungsmaschinen aus Holzlar zurückhielten, so Weiland. Kautex Maschinenbau merke deutlich die Krise der Automobilbranche, an die das Unternehmen etwa die Hälfte seiner Maschinen liefert.

Überkapazitäten der Industrie in China hätten die Lage weiter verschlimmert. „Teilweise stehen dort die Maschinen still“, so die Geschäftsführung. 90 Prozent ihres Umsatzes erwirtschaftet Kautex Maschinenbau im Ausland und ist deshalb stark von internationalen Entwicklungen abhängig.

Hallenneubau in 2017

Kautex hatte erst 2017 einen Hallenneubau mit einem Investitionsvolumen von rund acht Millionen Euro in Holzlar in Betrieb genommen. „Diese Fläche ist noch nicht so ausgelastet wie wir es gerne hätten“, sagte Weiland.

Im Zuge der Erweiterung auf dem Betriebsgelände hat das Unternehmen auch sein Personal deutlich aufgestockt: In den vergangenen drei Jahren hat Kautex Maschinenbau nach eigenen Angaben rund 130 neue Mitarbeiter eingestellt. Im vergangenen Jahr hatte die österreichische Beteiligungsgesellschaft Plastech das Bonner Unternehmen zu 75 Prozent übernommen. Die restlichen Anteile gehören Kautex-Managern und -Mitarbeitern.

Weiland will das Unternehmen nun unter anderem mit einer Neuausrichtung des Vertriebs wieder auf Spur bringen. Dieser soll stärker getrennt auf die zwei Sparten Automotive und Verpackungen ausgerichtet werden. Außerdem arbeite Kautex Maschinenbau an neuen Lösungen für den Einsatz von Recycling-Kunststoff, hieß es weiter. Auf den Maschinen aus Holzlar werden unter anderem Sohlen für Joggingschuhe, Paddelboote oder Shampooflaschen aus Kunststoff hergestellt.