Monsanto ist Geschichte

Bayer schließt Übernahme von Monsanto ab

Verschiedene Arten von Unkraut wachsen in einem Gewächshaus des Konzerns Monsanto. FOTO: DPA

Verschiedene Arten von Unkraut wachsen in einem Gewächshaus des Konzerns Monsanto. FOTO: DPA

Köln. Der Leverkusener Pharmakonzern Bayer schließt die gigantische Übernahme des US-Unternehmens ab – und steht vor zahlreichen neuen Aufgaben. Der Deal ist nach wie vor umstritten.

Monsanto ist Geschichte. Bayer hat die Übernahme des US-Konzerns abgeschlossen, Monsanto-Aktien werden nicht mehr an der New Yorker Börse gehandelt. Bayer ist jetzt der weltgrößte Agrochemie-Konzern und muss zeigen, dass es Monsanto integrieren und ein besseres Angebot für Landwirte bieten kann.

Die Integration: Vor der Integration steht der von Wettbewerbsbehörden verlangte Verkauf von Geschäften mit einem Umsatz von 2,2 Milliarden Euro an BASF: Saatgut, ein Unkrautvernichter und das Digital-Farming-Geschäft. Nach Abschluss dieser Geschäfte kann Bayer in zwei Monaten Monsanto integrieren. 13 000 Mitarbeiter bekommt Bayer dazu, während 1800 den Konzern durch die Verkäufe Bayer verlassen. Chef der neuen Sparte wird Liam Condon, der bislang schon Bayer CropScience führte. Das Saatgutgeschäft und die Geschäfte in Nordamerika werden von St. Louis, dem bisherigen Firmensitz von Monsanto, aus gesteuert, der Bereich Pflanzenschutz sowie die gesamte Division von Monheim aus, dem Sitz von Crop Science. 1,2 Milliarden Dollar an Synergie will Bayer ab 2022 erzielen. Wie das geschehen soll und ob Stellen gestrichen werden, hat Bayer bislang nicht mitgeteilt.

Der Schuldenabbau: Neben Eigenkapital, auch aus Kapitalerhöhungen, finanziert Bayer den Zukauf durch Kredite. Das ruft Ratingagenturen auf den Plan. Standard & Poor´s bewertet die Bayer-Bonität jetzt mit BBB statt zuvor A-. Ein schlechteres Rating verteuert künftige Kredite. Deshalb will Bayer schnell Schulden tilgen und das Rating wieder verbessern.

Das Image: Gentechnik, der umstrittene Unkrautvernichter Glyphosat, ein manchmal ruppiger Umgang mit Kleinbauern – Monsanto ist der Lieblingsgegner der Umweltschützer. Gestern kritisiert auch das katholische Hilfswerk Misereor die endgültige Fusion als „reine Gewinnmaximierung“. Da muss Bayer aufpassen, dass die eigene Marke nicht durch den Zukauf beschädigt wird. Und es wird nicht reichen, dass der Name Monsanto schon bald verschwindet. Bayer-Chef Baumann betont immer wieder, dass Bayer Bayer bleiben wird, und sich seinen Werten verpflichtet fühlt. Auch Transparenz verspricht er, und muss sich beim Wort nehmen lassen.

Die Chance: Eine wachsende Weltbevölkerung verlangt nach höheren Erträgen in der Landwirtschaft. Das bietet Chancen in der Agrochemie, die Bayer nutzen will. Pflanzen müssten nicht nur vor Schädlingen geschützt, sie müssten auch widerstandsfähiger gegen Trockenheit oder Überflutungen gemacht werden. Krankheiten der Pflanze könnten auch mit der Gen-Schere CRISPR bekämpft werden, die einzelne Bausteine im Erbgut umschreiben oder verändern kann.

Digitale Landwirtschaft: Außerdem soll der Acker digital werden. Satelliten oder Drohnen beobachten die Äcker und liefern Daten über Bodenbeschaffenheit oder Zustand der Pflanzen. Unterstützt werden sie von Bodensensoren, die Wasser- und Nährstoffgehalt melden, oder Traktoren, die mit zahlreichen Sensoren ausgestattet sind. So kann der Bauer Saatgut, Dünger und Pflanzenschutz gezielter Einsetzen. Auf digitale Landwirtschaft hat besonders Monsanto viel Mühe verwendet. Ausgemacht ist aber nicht, dass Bayer auf dem Gebiet dominieren wird. Auch IT- oder Maschinenbauunternehmen tummeln sich auf dem Feld.

Der neue Konzern: Im neuen Konzern entfallen etwa 44 Prozent der Umsätze auf die Agrochemie. Bayer nennt das Portfolio jetzt ausbalanciert. Es stehe genug Geld zur Verfügung, um auch das Pharmageschäft weiterzuentwickeln. Hier laufen in wenigen Jahren einige Patente für wichtige Medikamente aus.