Neue GA-Serie Lehrstellen-Check

Auszubildende in Bonn und der Region dringend gesucht

Die durchschnittliche Bezahlung für Azubis erhöhte sich nur um 2,6 Prozent auf 876 Euro pro Monat.

Symbolbild

Bonn/Region. Die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis steigt. In vielen Bereichen fehlen Nachwuchskräfte.

Zu den aktuellen Zahlen des Ausbildungsmarktes für die Region hat Jürgen Hindenberg, Geschäftsführer des Bereichs „Berufsbildung und Fachkräftesicherung“ der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg, eine klare Meinung. „Wir haben ein El Dorado für Lehrstellensuchende“, sagt er mit Blick auf die derzeit 2785 unbesetzten Ausbildungsstellen (Stand: 31. Mai 2018). Damit gibt es 15 Prozent mehr offene Ausbildungsstellen als zur gleichen Zeit vor einem Jahr. „Daher empfiehlt es sich jetzt, sich auf die vielen unbesetzten Ausbildungsplätze zu bewerben“, rät Hindenberg.

Im Handwerk sind aktuell 30 freie Ausbildungsplätze in Bonn und 142 im Rhein-Sieg-Kreis gemeldet, so die Handwerkskammer Köln (HWK). „Es ist heute verhältnismäßig einfach, eine Ausbildungsstelle zu finden, weil das Angebot der Betriebe die Nachfrage der jungen Menschen übertrifft“, sagt Markus Eickhoff, stellvertretender Geschäftsführer der HWK. Allerdings: „Das gilt natürlich nicht in jedem Beruf.“

Das spiegeln auch die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit wider. So gibt es für den Beruf des Einzelhandelskaufmanns seit Oktober 2017 321 Bewerber, allerdings sind bislang nur 232 Ausbildungsstellen gemeldet worden. Weitere Berufe, in denen es bislang mehr Bewerber als Stellen gibt, sind kaufmännischer Natur, vom Büromanagement (450 Bewerber auf knapp 340 Stellen) bis zur Industrie (mehr als 170 Bewerber auf gut 100 Stellen), aber auch Verkäufer (knapp 260 Bewerber auf gut 240 Stellen) oder medizinische Fachangestellte (256 Bewerber auf 200 Stellen).

Doch nicht jeder Bereich kann sich über so großes Interesse von potenziellen Angestellten freuen. Probleme gebe es „im gesamten Lebensmittelbereich“, erklärt Hindenberg. In Zahlen bedeutet das: In der Gastronomie gibt es seit Oktober bislang mehr als viermal so viele Ausbildungsstellen (117) wie Bewerber (25). Im Bereich Verkauf von Lebensmitteln (ebenfalls viermal so viele Stellen wie Bewerber) und Speisenzubereitung (rund doppelt so viele Stellen wie Bewerber) sieht es ähnlich aus.

Auch das Lebensmittelhandwerk, vor allem Fleischer und Bäcker, leidet seit einigen Jahren unter einem „Nachwuchskräfteengpass“, so die HWK. So haben sich 2008 in Nordrhein-Westfalen noch 345 Männer und Frauen für eine Fleischer- und 822 für eine Bäckerlehre entschieden; acht Jahre später waren es 105 beziehungsweise 300 Personen weniger, wie aus Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) hervorgeht.

Geeignete Bewerber zu finden, sei der HWK zufolge seit einigen Jahren auch für immer mehr Bauhandwerke schwierig, „insbesondere Dachdecker“. Lag die Zahl der Neuabschlüsse laut BIBB in NRW in diesem Beruf im Jahr 2008 bei 1248 und 2015 noch bei 1128, gab es 2016 nur noch 219 Neuabschlüsse. Bei den Friseuren verringerte sich die Zahl der Neuabschlüsse zwischen 2008 und 2016 um mehr als 40 Prozent auf knapp 2300 Azubis. Dabei gehört das Friseurhandwerk zu den Berufen mit den höchsten Bewerberzahlen, nur für sieben andere Berufe haben sich seit Oktober 2017 mehr Bewerber bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet (siehe Grafik oben).

Doch nicht nur in den Berufen mit sinkenden Azubi-Zahlen gibt es einen Nachwuchsmangel. Zwar verzeichnen die medizinischen Gesundheitsberufe im Jahresvergleich 2008/2016 gut 360 Neuabschlüsse mehr. Allerdings ist der Bedarf an Pflegekräften aktuell besonders hoch. Mehr als 35 000 Pflegestellen sind laut Bundesregierung deutschlandweit derzeit nicht besetzt.

Der Fokus der Serie „Job oder Flop – Lehrstellen-Check“ gilt eben jenen Berufen, in denen Nachwuchskräfte fehlen. Der GA blickt in den Arbeitsalltag und sucht nach möglichen Gründen für den Azubi-Mangel. 1464 neu eingetragene Ausbildungsverträge zählt die IHK zum 1. August und 1. September dieses Jahres bislang. „Ich hoffe, die Zahl steigt noch“, so Hindenberg.