Apollinaris erschließt neue Quelle in Lüneburg

Investitionen in den Abfüllstandort Bad Neuenahr sollen Voraussetzungen für Expansion schaffen

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Seit gut acht Wochen leitet der gebürtige Essener Georg Gocke den Mineralbrunnen Apollinaris, der seit Mai 2006 zum US-Konzern Coca-Cola gehört.

Einen grundlegenden Kurswechsel werde es unter der neuen Führungsspitze allerdings nicht geben, betonte der Geschäftsführer am Dienstag in Bad Neuenahr, dem traditionellen Quell- und Abfüllstandort des Unternehmens, dessen Hauptsitz seit 1991 in Hamburg ist.

Das "starke Investitionsprogramm" dieses Jahres solle auch 2008 fortgeführt werden, kündigte der 41-Jährige an. Insgesamt seien rund sieben Millionen Euro in das Unternehmen investiert worden. Zu den Investitionen zähle unter anderem die seit einigen Monaten laufende Fernsehwerbung. "Zuvor gab es sieben Jahre lang keine TV-Spots mehr", berichtete er. Das Marketingbudget sei daher im laufenden Jahr verdoppelt worden.

Neue Marktchancen erhofft sich Gocke auch von dem im Mai dieses Jahres neu eingeführten stillen Wasser Vio, das bisher ausschließlich im Außer-Haus-Bereich angeboten wird, etwa bei der Bäckereikette Kamps und den Fluggesellschaften Lufthansa und Tuifly. Ab dem Frühjahr soll Vio dann auch im Einzelhandel zu finden sein. "Die Listungsgespräche mit dem Handel laufen gut", berichtet Gocke.

Mit Vio wendet der 1852 gegründete Mineralbrunnen allerdings erstmals in seiner Geschichte der hauseigenen Quelle in Bad Neuenahr den Rücken zu: Das stille Wasser stammt aus einer Quelle in Lüneburg auf dem Gelände des Coca-Cola Abfüllbetriebes Nord-Zentra.

Der Grund: Das Wasser der Ahr-Quelle sei zu mineralisch für ein stilles Wasser, so Gocke. Dies sei auch der Grund dafür, dass das in Bad Neuenahr produzierte Mineralwasser Apollinaris Silence "leicht karbonisiert sei", also etwas Kohlensäure enthalte.

Gleichwohl müssen sich die 330 Mitarbeiter an der Ahr keine Sorgen machen, dass ihr Quellwasser ins Hintertreffen gerät. Für alle Apollinaris-Varianten mit Kohlensäure sei die Quelle, die vor über 150 Jahren von dem Winzer Georg Kreuzberg entdeckt wurde, optimal geeignet, sagte Gocke.

Zur Standortsicherung dient auch eine weitere Großinvestition des Jahres 2007: 3,6 Millionen Euro kostete eine neue Anlage zur Herstellung von PET-Flaschen - die die Voraussetzungen für die weitere Expansion schaffen soll. Ihre Besonderheit: Mit der Anlage lassen sich sowohl Einweg- als auch Mehrwegflaschen produzieren.

"Dies ist die weltweit größte Anlage dieser Art", erläuterte Werksleiter Albert Kallfelz. 36 000 Einwegflaschen oder 18 000 der aufwendiger zu produzierenden Mehrwegflaschen spuckt die Flaschenblasmaschine pro Stunde aus. "Damit können wir den eigenen Bedarf abdecken und geben den Rest an den Cola-Verbund ab", so Kallfelz.

Die Eigenproduktion sei kostengünstiger als der Zukauf, und Apollinaris könne flexibel auf die Nachfrage reagieren - etwa wenn sie in heißen Sommern sprunghaft ansteigt.

Und die Nachfrage nach PET ist ungebrochen: In Glasflaschen wird nur noch knapp 20 Prozent des Mineralwassers abgefüllt. Außerdem gibt es das Wasser inzwischen auch im Tetrapak - insgesamt werden an der Ahr 15 verschiedene Gebinde befüllt.