Flexible Jobmodelle gefragt

Anforderungen an Jobs haben sich verändert

Home-Office wird von Arbeitnehmern vermehrt nachgefragt und eingefordert.

Home-Office wird von Arbeitnehmern vermehrt nachgefragt und eingefordert.

Königswinter. Bei einer Tagung auf dem Petersberg in Königswinter blickt der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater auf die Wünsche der Kandidaten. Diesen wird besonders eine ausgeglichene Work-Life-Balance immer wichtiger.

Immer mehr Kandidaten legen bei der Berufswahl Wert auf Teilzeitmodelle, Sabbaticals und eine ausgeglichene Work-Life-Balance – das ergab eine Marktstudie des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU). Auf dem Deutschen Personalberatertag in Königswinter präsentierten BDU-Vizepräsident Wolfram Tröger und der Vorsitzende des BDU-Fachverbands Karl-Josef Mondorf die Trends der Branche.

Unter dem Titel „Recruiting: Mensch und/oder Maschine?“ gingen die Experten auf die Folgen der Digitalisierung ein. Bereits in den vergangenen Jahren war die Nachfrage nach Bewerbern mit speziellen digitalen Kenntnissen kontinuierlich gewachsen. 99 Prozent der Befragten gaben in der Studie allerdings an, dass der persönliche Kontakt zu den Kandidaten weiterhin essenziell sei. Auch die persönliche Beratung bliebe weiterhin zentrales Element der Dienstleistung. „Wir beobachten die Entwicklungen, aber wissen kann man nie, ob und wann wirklich komplett andere Geschäftsmodelle kommen“, so Wolfram Tröger.

Zum neunten Mal in Folge ein Umsatzplus

Der Branche geht es trotz struktureller Änderungen gut. Zum neunten Mal in Folge wurde laut Tröger ein Umsatzplus erzielt. Der Branchenumsatz stieg somit von 2,19 auf 2,36 Milliarden Euro. Insgesamt 72.000 Positionen haben die Personalberater 2018 vermittelt – das entspricht einem Plus von sechs Prozent. Die Anzahl der Researcher ist ebenfalls gestiegen: „Das zeigt, dass ihre Arbeit nicht von Software ersetzt wurde, sondern es mehr denn je von ihnen gibt“, betonte Tröger. Researcher recherchieren nach berufswilligen und geeigneten Kandidaten.

51 Prozent der Researcher sind weiblich, bei den Beratern sind es 36,5 Prozent. Allgemein werden laut BDU-Studie mehr Frauen, über 50-Jährige und digitale Kandidaten vermittelt. Karl-Josef Mondorf sagte mit Blick auf den Umsatzwachstum dieses Jahres: „Nach wie vor ist die Prognose mit einem Plus von 6,7 Prozent positiv. Aber sie fällt etwas verhaltener aus.“

Im vergangenen Jahr hatte man mit einem Plus von neun Prozent gerechnet, am Ende wurden es 7,5. „Der Markt ist in Bewegung. Dennoch gibt es weiterhin einen Bedarf an qualifizierten Fach- und Führungskräften und gerade die Personalberatung lebt von Wechsel und Veränderung“, so Mondorf. Die Umfrage unter den BDU-Mitgliedern ergab, dass immer mehr Kandidaten aufgrund der Vielzahl von Ansprachen genervt seien und nur noch auf Top-Angebote reagierten. „Der persönliche Kontakt scheint eventuell besser zu sein, trotz neuer digitaler Möglichkeiten“, schlussfolgerte der BDU-Vizepräsident.

Die Umzungsbereitschaft sinkt

Deutlich sei jedoch der Trend, dass immer mehr Kandidaten alters- und positionsunabhängig größeren Wert auf eine gute Work-Life-Balance legten. Auch die Umzugsbereitschaft von Führungskräften sei gesunken, die Nachfrage nach Flexibilität in Form von Home-Office jedoch gestiegen.

Jobs, die mit vielen längeren Auslandsaufenthalten verbunden sind, wären mittlerweile extrem schwer vermittelbar. Arbeitnehmer haben laut Vorsitzendem des BDU-Fachverbands heutzutage ein anderes Selbstverständnis. „Mittlerweile sind auch die Hobbys der Bewerber in Gesprächen klarer Bestandteil und haben einen Stellenwert“, sagt Mondorf.