Flughafen Köln/Bonn

Airport-Chef Michael Garvens plant Hotel mit Spielbank

Blick über die Parkflächen: Die Flughafengesellschaft will ein zweites Hotel hochziehen.

05.02.2014 KÖLN/BONN. "Wir waren der erste Flughafen mit Billigfliegern in Deutschland. Das Konzept haben inzwischen viele andere Airports kopiert. Aber ein Hotel mit Eventcenter und Spielbank wird uns erneut unverwechselbar machen." Michael Garvens will die Kugel am ehrwürdigen Konrad-Adenauer-Flughafen rollen lassen.

Noch sind die Pläne im Anfangsstadium, gerade eine Woche ist das Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf alt, das der Flughafengesellschaft erlaubt, überhaupt ein zweites Hotel am Airport hochzuziehen.

Doch das Konzept dafür treibt Garvens schon länger um. Als seinerzeit Terminal 2 gebaut wurde, gab es schon Pläne für ein Hotel. Das ansässige Holiday Inn und jetzt Leonardo konnten aber auf eine Vertragsklausel pochen, die ihnen für unbestimmte Zeit das Exklusivrecht zugestand, am Flughafen ein Hotel zu betreiben. "Wir haben versucht, uns außergerichtlich zu einigen, doch die Vorstellungen lagen zu weit auseinander", sagt Garvens. Blieb also nur der Gang vors Gericht.

Nach der letztinstanzlichen Entscheidung zugunsten des Airports sollen Garvens zufolge in einer Machbarkeitsstudie zunächst der Umfang des Projekts bestimmt, Zimmerzahl und Ähnliches festgelegt werden. Zu Kosten und Zeitplan könne er noch nichts sagen, sagte Garvens. Die Realisierung könne einem Investor übertragen werden. Zwei mögliche Standorte hat der Flughafenchef ausgemacht: Eine Brachfläche hinter Parkhaus 1 am Bahnhof fast direkt am Terminal sowie einen Standort am Ende des Flugfeldes schräg gegenüber Parkhaus 3.

"Von dort hätte man vor allem bei Nacht eine herrliche Sicht auf die landenden Flugzeuge", schwärmt Garvens. Das Hotelprojekt sei für die künftige Entwicklung von Köln/Bonn von großer Bedeutung: "Autohersteller etwa, die neue Modelle vorstellen und dafür ihre Verkäufer von überall einfliegen, fänden hier einen idealen Veranstaltungsort." Für solche und andere internationale Produktpräsentationen gebe es bisher kaum passende Örtlichkeiten: "Das könnte ein neues Alleinstellungsmerkmal werden."

Die landeseigene Westspiel-Gruppe, die in Köln die neue, fünfte Spielbank in Nordrhein-Westfalen eröffnen will und seit Monaten auf der Suche nach einer geeigneten Immobilie ist, wurde nach Informationen unserer Redaktion bereits vom Flughafen kontaktiert. Zu dem konkreten Vorhaben mochte sich Westspiel nicht äußern.

Einem Standort vor den Toren der Stadt werden von Kennern der Branche allerdings kaum Chancen eingeräumt - Westspiel hatte in der Vergangenheit stets betont, eine zentrale Lage zu favorisieren. Die Frage des künftigen Kölner Domizils sei nach wie vor offen, erklärte das Unternehmen.

Jochen Ott (SPD), stellvertretender Vorsitzender des Flughafen-Aufsichtsrats, begrüßt die Perspektiven, die das Gerichtsurteil dem Flughafen eröffnet. "Die Ansiedlung eines zweiten, guten Hotels ist sicherlich sinnvoll. Bekanntlich belebt Konkurrenz das Geschäft", sagt Ott. Der Aufsichtsrat werde sich in einer seiner nächsten Sitzung mit den Plänen beschäftigten.

(Constantin Blaß, Julian Stech und Christian Deppe)