Ein Sanierer soll den Kurs bestimmen

Adel Al-Saleh wird neuer T-Systems-Chef

Bonn. Der Amerikaner Adel Al-Saleh soll bei der schwächelnden Telekom-Tochter das Ruder herumreißen.

Die schwächelnde Geschäftskundensparte der Deutschen Telekom bekommt zum 1. Januar einen neuen Chef, der das Ruder herumreißen soll. Der Amerikaner Adel Al-Saleh wird T-Systems-Chef und neues Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom AG. Al-Saleh folgt auf Reinhard Clemens, der, wie das Unternehmen im September bekannt gab, die Telekom verlässt.

Der Auftrag des 53-Jährigen ist klar definiert: „Adel hat bewiesen, dass er Unternehmen auf Kurs bringen kann“, sagte Telekom-Chef Timotheus Höttges am Montag. Er mache sich bereits mit T-Systems vertraut und werde die Zeit bis Jahresende nutzen, um danach sofort voll einzusteigen. Vorschusslorbeeren verteilte Höttges auch: „Ob Einstellung, Haltung oder Know-how, er bringt alles für die Aufgabe mit.“ Al-Saleh, der verheiratet ist und Kinder hat, war bereits in der Bonner Zentrale und besucht gemeinsam mit seinem Vorgänger große Kunden.

Bis jetzt war Al-Saleh Chef der Northgate Information Solutions Gruppe, einem britischen Anbieter von Software- und Outsourcing-Dienstleistungen für Personal und Lohn- und Gehaltsabrechnung. Seit er 2011 dort anfing, hat Al-Saleh bei Northgate zwei wesentliche Geschäftsteile verkauft. „Er verschlankte das Portfolio, gab der Gruppe eine neue Strategie und machte die Geschäftseinheiten effizienter und wettbewerbsfähiger“, beschrieb die Telekom seine Aufgaben bei Northgate mit Worten, die auch auf den neuen Job gemünzt sein könnten.

Al-Saleh verfüge über große Branchenkenntnis und internationale Erfahrung, erläuterte Telekom-Aufsichtsratschef Ulrich Lehner: „Damit ist er genau der Richtige für die Position in einem so herausfordernden Marktumfeld.“

2016 gab Al-Saleh der Northgate eine neue Schuldenstruktur, woraufhin Goldman Sachs der größte Anteilseigner des Unternehmens wurde. Bevor er zu Northgate kam, bekleidete Al-Saleh verschiedene Management-Positionen bei IMS Health. Das US-Unternehmen berät Apotheken, Ärzte und Krankenhäuser in Informatikfragen.

Seine ersten 19 Berufsjahre arbeitete er für IBM in unterschiedlichen Führungspositionen. Zuletzt war er dort verantwortlich für den Vertrieb in allen Branchen und für alle Produkte. Al-Saleh studierte in Boston Elektrotechnik und an der Florida Atlantic University Betriebswirtschaft.

Margenschwaches Geschäftsfeld

T-Systems ist seit Jahren eine margenschwache Baustelle mit Verlusten. Im Frühjahr musste Clemens die Umsatzziele für das laufende Jahr reduzieren, nachdem auch schon im vergangenen Jahr die Erlöse unter den Erwartungen blieben. Im vierten Quartal 2016 musste T-Systems Wertberichtigungen auf zwei schlecht laufende Altverträge machen. Die Telekom-Verantwortlichen haben bereits vor einiger Zeit entschieden, das Geschäft verstärkt von der klassischen IT hin zum Cloud-Geschäft und Netzwerk-basierten Services zu entwickeln. Hier sehen Experten größere Wachstumsmöglichkeiten. Dabei geht es um um das Internet der Dinge oder das Cloud-Geschäft, also die Verlagerung von Speicherkapazitäten ins Netz. Doch das klassische IT-Geschäft schrumpft schneller, als Cloud-Geschäfte dies ausgleichen. Das Geschäft mit outgesourcter IT steht unter Preisdruck „Wir haben echte Probleme, neues Geschäft zu generieren“, sagte Clemens im Frühjahr im konzerneigenen Intranet. Das liege vor allem daran, dass T-Systems nur auf Ausschreibungen reagiere, statt aktiv auf Unternehmen zuzugehen.

Al-Saleh gibt sich vor Dienstantritt optimistisch: „Ich bin schon sehr gespannt auf das Team der Deutschen Telekom und freue mich auf die Zusammenarbeit mit den Kollegen von T-Systems. Mit ihnen zusammen will ich unseren Erfolg im Markt vorantreiben.“