Kommentar zur Post

Abrupte Wende

Wegen größerer Probleme in der Brief- und Paketsparte muss Post-Vorstand Jürgen Gerdes laut einem Bericht das Unternehmen verlassen.

Wegen größerer Probleme in der Brief- und Paketsparte muss Post-Vorstand Jürgen Gerdes laut einem Bericht das Unternehmen verlassen.

Bonn. Die Personalie Jürgen Gerdes und das Hin und Her der vergangenen Wochen bei der Deutschen Post fallen auch auf Vorstandschef Frank Appel zurück. Ein Kommentar von Claudia Mahnke.

Im Vorstand eines großen Konzerns arbeiten die Führungskräfte normalerweise nicht völlig autonom nebeneinander her. Regelmäßig bekommt der Vorstandschef Zahlen der Geschäftsbereiche präsentiert. Nur dann kann er ja rechtzeitig eingreifen und gegensteuern. Dieser Routinemechanismus ist auch bei der Deutschen Post installiert. Im Fall der verschlechterten Zahlen der Post- und Briefsparte ist allerdings etwas gewaltig schief gegangen.

Jürgen Gerdes wechselte bereits im April sein Aufgabengebiet – ein deutlicher Hinweis darauf, dass bereits zu diesem Zeitpunkt im Unternehmen klar war, dass es sich nicht nur um eine vorübergehende Schwäche der Sparte handelte.

Das Hin und Her der vergangenen Wochen fällt so auch auf Vorstandschef Frank Appel zurück. Dass er noch im April Jürgen Gerdes über den grünen Klee lobte und man sich jetzt aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die strategische Schwerpunktsetzung abrupt trennt, ist eine unerklärliche Wende. Auf der Hauptversammlung vor einigen Wochen war aber allen Aussagen nach die Welt noch heil.

Gerdes ist ein Manager, der sehr selbstbewusst auftritt. Jetzt war er offenbar zu selbstbewusst. Daraus lässt sich ablesen: Die Kernsparte des Brief- und Pakettransports ist kein Selbstläufer. Und auch in einem Konzernvorstand kommt man mit Teamgeist weiter als mit weitreichenden Ideen, für die es keine Rückendeckung gibt.