3D-Technik für den Zahnersatz

16.04.2011 Dank revolutionärer Software und Arbeitshilfen für Zahnärzte ist das Wachstum der Bad Godesberger Caesar-Ausgründung Sicat nicht zu stoppen.

Bonn. Die Idee ist simpel: Der Zahnarzt kann das Loch für ein Implantat schneller und sicherer bohren, wenn der Patient eine Schiene im Mund trägt, die an der vorher berechneten Bohrstelle ein Loch hat.

Die Technik dahinter ist kompliziert: Das Bad Godesberger Unternehmen Sicat hat eine Software entwickelt, die dreidimensionale Röntgenaufnahmen abbildet und damit am Computer Zahnärzten die Diagnose und Behandlungsplanung erleichtert. Aufgrund dieser Messungen bauen Zahntechniker in Bad Godesberg für jeden Patienten eine individuelle Schiene - rund 500 dieser Bohrschablonen sind es im Monat.

Caesar Caesar mit Sitz am Rande der Bonner Rheinaue ist heute eine gemeinnützige Stiftung, die neurowissenschaftliche Forschung betreibt. Dabei arbeitet Caesar mit der Max-Planck-Gesellschaft zusammen. Ursprünglich wurde Caesar mit Bundes- und Landesmitteln im Rahmen des Bonn-Berlin-Ausgleichs gegründet. Bonn sollte als Wissenschaftsstandort gestärkt werden. Unter anderem wegen zu weniger Ausgründungen geriet das Zentrum in seiner damaligen Ausrichtung in die Kritik und wurde 2006 umgewidmet.

"Acht Jahre haben wir von der ersten Idee bis zur Produkteinführung gebraucht", beschreibt Joachim Hey den Weg in die Selbstständigkeit. Vor allem in die langwierigen Zulassungsverfahren in der Medizintechnik legten Gründern oft Steine in den Weg. Hey führt das Unternehmen gemeinsam mit Jochen Kusch.

Vor der Unternehmensgründung 2004 erhielten der Physiker Hey und Elektroingenieur Kusch Unterstützung durch das Bonner Forschungszentrum Caesar (siehe Kasten). "Bei den Banken hätten wir wohl keine Chance gehabt", sagt Kusch. Das ist heute anders. Nach eher schleppendem Verkaufsstart erwirtschaftet das Unternehmen seit 2008 Gewinne, die Gründungskredite in Höhe von 2,4 Millionen Euro sind zurückgezahlt.

Der Umsatz soll von fünf Millionen Euro im vergangenen Jahr bis 2014 auf rund zwölf Millionen Euro steigen. "Der Markt wächst enorm", sagt Kusch. Davon profitiert auch die ehemalige Siemens-Tochterfirma Sirona, die 57 Prozent der Sicat-Anteile hält. Die weiteren Firmenanteile gehören den Geschäftsführern und den Mitarbeitern.

Der Platz in der ehemaligen Botschaft von Katar an der Godesberger Brunnenallee wird den Unternehmern zu eng. Das Labor der 48 Mitarbeiter starken Firma bezieht gerade neue Räume in der benachbarten Fronhofer Galeria. Bis Jahresende will Sicat rund zwölf weitere Arbeitsplätze schaffen.

Langfristig planen die Godesberger, ihre Software auf neue Geschäftsfelder anzuwenden. Im kommenden Jahr will das Unternehmen ein System für Kieferorthopäden auf den Markt bringen, das am Computer Schienen zur Kieferkorrektur entwirft.

Auch Anwendungen für Orthopäden sind geplant. Kusch: "Über die dreidimensionalen Röntgenbilder könnte man etwa Knorpelschäden am Knie oder Fußfehlstellungen frühzeitig erkennen und behandeln." Auch die Therapie würde direkt am Bildschirm mit der Software aus Bad Godesberg vorbereitet. (Von Delphine Sachsenröder)