Kölner Millionär fordert Reichensteuer

„Trump ist ein abschreckendes Beispiel“

Der Kölner Millionär Michael Horbach fordert höhere Steuern für Reiche.

Der Kölner Millionär Michael Horbach fordert höhere Steuern für Reiche.

Köln. Michael Horbach ist mit einem eigenen Finanzberatungsunternehmen reich geworden. Heute macht sich der gebürtige Aachener, der mittlerweile in Köln eine Kunstgalerie und eine Stiftung betreibt, für eine Vermögensabgabe für Millionäre stark.

Sind Sie ein Gutmensch?

Michael Horbach: Das hoffe ich doch. Der Begriff wird ja heute leider oft negativ verwendet. Aber, was will man denn sonst sein – ein Schlechtmensch?

Anders gefragt: Sie wollen das Reiche, also auch Sie selbst stärker besteuert werden. Sehen Sie sich als Samariter?

Horbach: Nein. Es kommt schon vor, dass man mir unterstellt, ich hätte ein schlechtes Gewissen und möchte deswegen etwas zurückgeben. Aber das trifft nicht zu. Ich will einfach, dass auch reiche Menschen einen angemessenen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Mein Grundantrieb ist ein Bedürfnis nach Gerechtigkeit.

Wie könnte das Ihrer Meinung nach aussehen?

Horbach: Gemeinsam mit rund 50 Vermögenden unterstütze ich den „Appell für eine Vermögensabgabe“. Wir erklären darin, dass wir bereit sind, mehr Steuern zu bezahlen.

Was heißt das genau?

Horbach: In dem Appell fordern wir eine auf zwei Jahren befristete Vermögensabgabe von fünf Prozent und dann die Einführung einer Vermögenssteuer. Die Einnahmen sollen zweckgebunden in nachhaltige Investitionen für Bildung, Gesundheit und Soziales investiert werden. Ich bin außerdem dafür, dass der Spitzensatz der Einkommenssteuer angehoben werden sollte. Topverdiener zahlen heute maximal 42 Prozent. Noch vor 20 Jahren waren es 53 Prozent. Oder nehmen Sie die Abgeltungssteuer. Jemand, der reich ist und im Jahr Millionenerträge durch Zinsen erzielt, zahlt darauf nur 25 Prozent Steuern. Das ist ungerecht. Außerdem bin ich für die Einführung nicht nur einer Mindestgrenze für Einkommen, sondern auch einer Höchstgrenze. Das würde dem Gemeinwohl guttun.

Wie viel ist denn Ihrer Ansicht nach genug?

Horbach: Ich sehe nicht ein, warum ein Mensch mehr als eine Million Euro im Jahr verdienen muss. Von konservativer Seite wird dann erwidert „dann habe er keine Lust mehr zu arbeiten“. Da frage ich mich doch, was ist das für ein Menschenbild?

Das klingt nach klassisch linken Forderungen.

Horbach: Den Spitzensteuersatz von 53 Prozent hatten wir unter Bundeskanzler Helmut Kohl. Schauen Sie ins Ahlener Programm, das die CDU 1947 beschlossen hatte. Darin heißt es „das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden“. Oder halten wir uns ans Grundgesetz, Artikel 14. Darin heißt es „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen“. Berücksichtigt wird dieser Artikel aber praktisch nie. Und die Vermögenssteuer steht übrigens bis heute im Gesetz, seit 1997 ist sie allerdings ausgesetzt.

Die obere Hälfte der Einkommenssteuer trägt jetzt schon 95 Prozent des Aufkommens. Ist es nicht ungerecht, von denen, die bereits den Großteil leisten, noch mehr zu verlangen?

Horbach: Eine andere Zahl halte ich für viel bedenklicher: Die reichsten 65 Personen besitzen so viel wie 50 Prozent der Menschheit, also wie 3,5 Milliarden Menschen! Starke Schultern sollten auch mehr tragen können. Und ein „Großteil“ ist relativ. Tatsächlich ist Deutschland im internationalen Vergleich ein Steuerparadies.

Ist Deutschland ein Steuerparadies?

Horbach: Entscheidend ist doch der Vergleich. Ein Beispiel: Wenn jemand höhere Löhne in Deutschland fordert, richtet sich der Vergleich meist nach Osteuropa. Wird über die Höhe von Managergehältern in Deutschland diskutiert, richtet sich der Vergleich nach Amerika, wo die gezahlten Summen noch deutlich höher sind als bei uns.

Einigen Reichen sind die Steuern bereits jetzt zu hoch. Die Folge: Sie bringen ihr Geld ins Ausland, in Steueroasen.

Horbach: Leider ja. Und das betrifft nicht nur Privatleute, sondern auch die Unternehmen. Allein die Entwicklungsländer werden dadurch von internationalen Konzernen um mehr als 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr geschädigt. Man bräuchte noch nicht einmal höhere Steuern – obwohl das wünschenswert wäre – wenn nur alle ihre Steuern auch zahlen würden.

Ist es schwer, andere Millionäre von Ihren Ideen zu überzeugen?

Horbach: Bei vielen herrscht die Meinung vor, man sei zunächst einmal seinem Vermögen verpflichtet. Die Pflicht besteht darin, es zu mehren. Ich habe allerdings den Eindruck gewonnen, dass die Einstellung oftmals davon abhängt, wie die Menschen zu ihrem Vermögen gekommen sind.

Sie meinen, ob das Geld etwa aus Erbschaft stammt oder selbst erarbeitet wurde?

Horbach: Genau. Mein Vater war Pflasterer. Ich habe früh gelernt, dass man anderen, denen es nicht so gut geht, hilft. Das heißt nicht, dass ich mein Leben nicht genießen kann. Ich will weiterhin reisen, gut essen und ich will, dass meine Familie abgesichert ist. Das eine zu tun, schließt das andere nicht aus. Aber wenn ich reise, dann reicht mir auch die zweite Klasse. Da sind sowieso meist die netteren Menschen.

Wie überzeugen Sie andere von Ihren Vorschlägen?

Horbach: Meine Botschaft ist: Gebe und du wirst mehr bekommen, zumindest Glücksgefühle und soziale Anerkennung. Ich nenne das „soziale Rendite“. Und ich will, dass Reiche auch kapieren, dass es nicht in ihrem Eigeninteresse liegen kann, wenn die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinander geht. Aus reinem Egoismus müssten sie eigentlich bereit sein, mehr abzugeben. Steuern wir nicht dagegen, ist letztlich die Demokratie gefährdet. Und in einem goldenen Käfig will doch keiner leben. Ich möchte auch weiter frei und unbesorgt mit meinem Fahrrad durch die Kölner Südstadt radeln können.

Warum finden Forderungen wie Ihre so wenig Eingang in die heutige Politik?

Horbach: Das ist auf die gute Lobbyarbeit der Reichen, der Finanzindustrie und der Wirtschaftsunternehmen zurückzuführen. Und auch die Medien tragen daran eine Mitschuld. Milliardäre kaufen sich leider nicht nur Fußballclubs, sondern auch ganze Medien. Medienmacht bedeutet letztlich politische Macht. Wenn etwas nur nach Umverteilung riecht, wird sofort mit dem Schlagwort „Sozialismus“ daraufgeschlagen. Die neoliberale Wirtschaftsideologie hat sich in den Köpfe der Menschen festgesetzt. Ich sage ja nicht, wir müssen jetzt das ganze Wirtschaftssystem abschaffen, sondern im Gegenteil, wenn wir das System erhalten wollen, müssen wir etwas ändern, die Auswüchse bekämpfen. Es kann nicht sein, dass eine Krankenschwester, die gesellschaftlich wertvollste Arbeit leistet, von ihrem Gehalt aber kaum leben kann.

Hat die neoliberale Wirtschaftspolitik versagt?

Horbach: Selbst Ökonomen des IWF (des Internationalen Währungsfonds, Anm. der Red,) haben kürzlich erklärt, dass die Reduzierung der Staatsausgaben unddie lange Zeit beschworene Deregulierung der Kapitalmärkte nicht zu mehr Wachstum, sondern lediglich zu mehr Ungleichheit geführt haben.

In den USA haben sich einige Milliardäre auf Initiative von Microsoft-Gründer Bill Gates freiwillig verpflichtet, einen großen Teil ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden. Ein Modell auch für Deutschland?

Horbach: Meine Idee ist: Ich werde ein Großteil meines Vermögens spenden an meine Stiftung und an andere soziale Projekte. Natürlich wäre das, was Milliardäre in den USA tun, auch für deutsche Millionäre möglich. Mir tut es in der Seele weh, wenn ich sehe, dass ein Superreicher, vielleicht schon 60 oder 70 Jahre alt, immer noch denkt, durch mehr materielle Güter glücklich werden zu können. Donald Trump ist ein abschreckendes Beispiel. In der Forbes-Rangliste wurde er mit vier Milliarden bedacht. Darauf sagte er: „Ich bin nicht vier sondern zehn Milliarden schwer“. Offenbar steht das dem möglichen US-Präsidenten besser zu Gesicht. Da frage ich mich: Wollen wir diesen vulgären Kapitalismus wirklich auch hier in Deutschland?