GA-Serie "Bonn macht erfinderisch" - Folge 3

Über Hürdenläufer und Geldverkäufer

Rohan Asmat, Christoph Walpert, Lars Becker, Ainuddin Faizan und Sina Mahmoodi (von links nach rechts) gehen verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten durch.

Rohan Asmat, Christoph Walpert, Lars Becker, Ainuddin Faizan und Sina Mahmoodi (von links nach rechts) gehen verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten durch.

Bonn. Die Suche nach einer Finanzierung gestaltet sich für Start-ups häufig schwierig. Es gibt es zwar eine große Anzahl an Möglichkeiten, doch nicht jede Variante passt automatisch.

Christoph Walpert und sein Team brauchen nicht viel. In einem spärlich eingerichteten Raum mit weißen, von Kabeln übersäten Tischen, auf denen ihre privaten Laptops stehen, tüfteln die fünf jungen Männer in der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg seit Monaten an einer Online-Plattform. Darauf sollen sich später einmal Studenten und Dozenten austauschen. Doch um die Entwicklung ihres Projektes Scholario und ihr Ziel vom erfolgreichen Start-up weiterverfolgen zu können, sind sie auf eins zweifellos angewiesen – eine Finanzierung. Und genau darin liegt das Problem.

„Wir sind alle unter 25 Jahre alt. Ich kann ja sogar verstehen, dass viele Investoren da zögern. Trotzdem brauchen wir das Geld“, sagt Walpert. Neben ihm gehören sein Projektpartner Lars Becker sowie Ainuddin Faizan, Rohan Asmat und Sina Mahmoodi zum Team. Die drei Letzteren studieren allesamt Informatik in Sankt Augustin und sind bei Walpert und Becker als studentische Hilfskräfte auf 400-Euro-Basis eingestellt – und das, obwohl die beiden derzeit kein Geld mit Scholario verdienen. „Im Moment werden wir von unseren Eltern finanziert. Das wollen wir so schnell wie möglich ändern“, so Walpert.

Es ist jedoch keinesfalls ungewöhnlich, dass Start-ups in der Anfangszeit auf die Hilfe von Investoren aus dem privatem oder beruflichen Umfeld angewiesen sind. So war es auch bei WeGrow, einem Spin-Off der Uni Bonn. Dessen Gründer Peter Diessenbacher war nach seinem Studium der Agrarwissenschaften in Bonn als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Eines Tages erzählte ihm ein Gärtner des Botanischen Gartens von einem Baum aus Asien, der ungewöhnlich schnell wuchs. „Ich bestellte sofort einige Samen und zog die Bäume auf meiner Fensterbank groß“, erinnert sich der heute 38-Jährige. Doch nicht nur seine Pflanzen wuchsen zu dieser Zeit, sondern auch sein Wunsch, den Kiribaum gewerblich als Holzquelle zu nutzen. Eine Geschäftsidee war geboren.

 

Die zwingend notwendige erste Finanzierung ließ nicht lange auf sich warten. Der damalige Chef von Diessenbachers alter Schulfreundin und heutiger Geschäftspartnerin Allin Gasparian fand die Idee so gut, dass er in das Start-up investierte. „Er vertraute uns, und nach nur fünf Jahren hatte er sein ganzes Geld wieder zurück“, berichtet Diessenbacher. Die Beteiligung eines fremden Unternehmens sei für die beiden hingegen niemals infrage gekommen. „Wir wollten unsere Anteile behalten. Anfangs ist es so natürlich schwieriger, dafür bleibt man sein eigener Herr.“ Heute besitzt WeGrow insgesamt 35 Plantagen in Deutschland und Spanien. Das Unternehmen hat drei Fonds auf den Markt gebracht und erhält Anfragen aus der ganzen Welt, unter anderem aus Kolumbien, Ägypten und den USA.

Das junge Team von Scholario will hingegen auf eine andere Art der Finanzierung setzen. Nach einem aufwendigen Recherche-Marathon sei Walpert auf Exist gestoßen, ein Programm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, das sich an Gründer aus der Wissenschaft richtet. Die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg habe sich bereit erklärt, einen entsprechenden Antrag auf den Weg zu bringen.

„Das Verfahren ist zwar sehr aufwendig und dauert lange, aber es bringt einen auch dazu, sich mit dem Markt auseinanderzusetzen“, sagt Walpert. Der Exist-Antrag müsse insgesamt 25 Seiten umfassen, in denen begründet werden muss, weshalb Scholario eine Förderung verdiene. „Da steckt in etwa so viel Arbeit drin wie in einer Bachelorthesis“, so der 22-Jährige. Auch beim High-Tech Gründerfonds habe er bereits eine Bewerbung eingereicht. Allerdings rechne er sich dort wenig Chancen aus, weil es immer riskant sei, eine halbe Million Euro in ein junges Team zu investieren, das noch am Anfang steht.

 

Diese Hürde haben die Brüder Johannes und Tobias Weigl bereits genommen. Mit ihrem Bonner Start-up Bomedus vertreiben sie schmerzlindernde Bandagensysteme. Tobias Weigl leitete vorher eine Forschungsgruppe in der Uni Bonn und fand heraus, dass kleine Stromimpulse durch Elektroden die Schmerzen bei Patienten reduzieren können. „Und weil wir immer etwas gemeinsam machen wollten, haben wir uns entschieden, ein Start-up zu gründen“, erinnert sich Johannes Weigl, der an der Uni Bonn Betriebswirtschaftslehre studierte. Der 32-Jährige und sein fünf Jahre älterer Bruder nahmen an Businessplan-Wettbewerben teil und gewannen diverse Preise, wodurch der High-Tech Gründerfonds auf sie aufmerksam wurde. „Sie haben uns eingeladen und uns gebeten, ihnen unsere Idee vorzustellen. Anschließend gab es mehrere Treffen, und in einer letzten Runde sollten wir vor einem zehn- bis zwölfköpfigen Plenum aus Experten und Geldgebern vorsprechen.“ Dann sei es zur Finanzierung gekommen. Eine halbe Millionen Euro erhielten die Brüder insgesamt.

„Am Anfang hört sich das nach einer Menge Geld an, aber um sich auf dem Markt etablieren zu können, braucht man viel mehr Kapital. Allein unsere Studien haben in etwa eine halbe Million Euro gekostet“, erinnert sich Johannes Weigl. Nach etwa drei bis vier Monaten hätten sie einen weiteren Investor benötigt und fanden ihn im Life Science Inkubator am Bonner Forschungszentrum Caesar. Hier hätten sie weitere 1,8 Millionen Euro aus staatlichen Geldern erhalten.

Dass sie für die anfänglichen Finanzspritzen bereits einen großen Teil ihrer Anteile abgeben mussten, bereuen sie nicht. „Ein Start-up, das sich nur mit privaten Investoren finanzieren möchte, hat es viel schwerer. Meistens gibt es dann nämlich keine halbe Million wie bei einem institutionellen Investor“, so Weigl. Und ihre Strategie habe sich bezahlt gemacht: „Unsere Produkte werden derzeit deutschlandweit sowie in der Schweiz, Österreich und Skandinavien vertrieben. Das wollen wir aber noch ausbauen.“

Davon sind Walpert und sein Team von Scholario noch weit entfernt, was nicht zuletzt daran liegt, dass sich ihr Produkt noch in der Entwicklung befindet. Um schnelle Fortschritte machen zu können, hofft Walpert, dass sich in Bonn und der Region in Zukunft ein besseres Netzwerk für Start-ups bildet, denn bislang habe er sich mit seinen Problemen relativ allein gefühlt. „Es muss ja nicht immer die große Beratung sein, häufig reicht schon ein kleiner Wink, um seine Idee zu verbessern.“

Gerade für IT-Start-ups sei es in Bonn und der Region schwierig, etwas Geeignetes zu finden. So habe er einmal an einem Businessplan-Seminar der Sparkasse KölnBonn teilgenommen, wo sonst nur Leute gesessen hätten, die einen Metzgereibetrieb oder eine Autowerkstatt eröffnen wollten. „Da fühlt man sich irgendwie fehl am Platz“, so Walpert. Ansonsten müsse man eben nach Köln ausweichen.

Jetzt bleibe nur zu hoffen, dass er und sein Team die dringend benötigte Finanzierung erhalten, um mit der Plattform durchstarten zu können. Dass der Weg dorthin bislang so steinig war, schreckt Walpert nicht ab: „Das Wichtigste ist, Ausdauer zu haben, denn man trifft immer wieder auf Hürden.“ Wer diese Erfahrung nicht gemacht hat, der habe es auch niemals wirklich versucht, findet er.