Weltmarktführer bei Kaffeekapseln

Der Folienspezialist

Geschäftsführer Peter Kuhne vor einer Extrudermaschine. 32 Meter hoch ist die Halle in Sankt Augustin, wo die Anlagen getestet werden, bevor sie in Containern verpackt den Weg zum Kunden nehmen.

Geschäftsführer Peter Kuhne vor einer Extrudermaschine. 32 Meter hoch ist die Halle in Sankt Augustin, wo die Anlagen getestet werden, bevor sie in Containern verpackt den Weg zum Kunden nehmen.

Sankt Augustin. Die Produkte des Anlagenbauers Kuhne aus Sankt Augustin gehen in die ganze Welt. "Billiger kann jeder", sagt Peter Kuhne. Deshalb hat er sich spezialisiert.

Hat er sich einst ins gemachte Nest gesetzt? Peter Kuhne will gar nicht erst diese Vorstellung aufkommen lassen. „Ich bin im fünften Stock eines Hochhauses groß geworden“, erzählt fast ein wenig trotzig der 64-Jährige, der einst Maschinenbau in Aachen studierte und heute Geschäftsführer der Firma Kuhne ist, die in Sankt Augustin Maschinen zur Herstellung von Kunststofffolien baut und entwickelt.

Dabei gab tatsächlich Vater Walter Kuhne den Anstoß, dass Sohn Peter nicht Tierarzt wurde, was der passionierte Reiter eigentlich vorhatte. Aber als Walter Kuhne, Direktor beim Anlagenbauer Battenfeld in Siegburg, für geringes Geld das Unternehmen in Eigenregie fortsetzen konnte, dachte er sofort an die Nachfolge: „Er fragte mich: Hast du Lust, da mitzumachen und später einzusteigen?“. Weil die Ehefrau, Kuhnes Mutter, damals schon nicht mehr lebte, sei es ihm leicht gefallen, das unternehmerische Risiko einzugehen, erzählt Kuhne. „Wie Männer halt so sind.“

5000 D-Mark konnte der Vater investieren

5000 D-Mark konnte der Vater investieren – es war alles, was er hatte. Von Siegburg zog Kuhne 1975 mit seinem Unternehmen nach Sankt Augustin, in dem neu ausgewiesenen Gewerbegebiet hatten sie ein 30.000-Quadratmeter-Grundstück erworben. „Wir waren die ersten in Menden. Das war alles sehr vorausschauend. Über die Jahre haben wir in die Höhe und in die Breite gebaut.“

Der Grund ist, dass die Maschinen von Kuhne Platz benötigen, sehr viel Platz: Vom Konferenzraum, wo das Gespräch stattfindet, gelangt man über den Flur in eine 32 Meter hohe Halle, die von einer Extruderanlage in der Höhe komplett ausgefüllt wird. Extruder sind Maschinen, die eine härtbare Masse unter Druck und gegebenenfalls unter Wärmeeinfluss durch eine Öffnung pressen. Die Form des Produkts, das in jeder beliebigen Länge hergestellt werden kann, hat im Querschnitt die Form der Maschinenöffnung. So entstehen etwa Folien und Profile für die Möbelindustrie.

Bei Kuhne hat man sich auf Bluttransfusionsbeutel, Wurst- und Fleischverpackungen sowie Kaffee- und Teekapseln aus Kunststoff spezialisiert. „Wir haben unser Produktportfolio über Jahre reduziert, denn es gibt immer einen, der es billiger kann“, erklärt Kuhne. Stattdessen wird in die Entwicklung neuer Produkte investiert, pro Jahr wendet der Anlagenbauer dafür 1,5 Millionen Euro auf. Nestlé etwa lässt seine Dolce-Gusto-Kapseln auf Kuhne-Extrudern produzieren, was die Sankt Augustiner in diesem Bereich zum Weltmarktführer macht. Sie stellen auch eine Schrumpffolie her, die in Metzgereien Frischfleisch konserviert. Das Material, das sich in warmem Wasser oder unter einer Hitzelampe um das Fleisch festzieht, hält darin das Blut, so dass sich nicht so schnell Bakterien außen ansammeln. So hält sich das Fleisch länger.

Kuhne lässt sich alle Produkte patentieren

Das Unternehmen lässt sich die Produkte patentieren. Selbst wenn ein Wettbewerber eine Kuhne-Maschine nachbaut, könnte er auf ihr nicht dieselben Erzeugnisse produzieren – es sei denn, er zahlt die Patentgebühren. Heute erzielen die drei Unternehmen der Kuhne-Gruppe einen Jahresumsatz von bis zu 75 Millionen Euro und beschäftigen 240 Mitarbeiter. Die großen Anlagen gehen in die ganze Welt, in 30 Ländern unterhält Kuhne Vertretungen. Die Wartung erfolgt aus Deutschland – Computersteuerung und Internet machen es möglich.

Die Maschine, die derzeit in der großen Halle steht, läuft sechs Monate für Entwicklungszwecke im Testbetrieb. Danach wird sie zerlegt, in Container verpackt und zum Kunden verschifft. Die Nachfolgefrage ist auch schon geregelt. Von den drei Kindern Peter Kuhnes, bei denen der Vater darauf drang, dass sie erst einen Ausbildungsberuf lernen, steht der Jüngste gerade an der Maschine in der Halle. Der Betriebselektriker bereitet sich auf seinen Bachelor in Betriebswirtschaft vor.

Für ein Einwanderungsgesetz

Ehrenamtlich engagiert sich Kuhne als Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer, weil er findet, dass die Industrie dort zu schwach vertreten sei. Er macht sich in dieser Funktion für ein Einwanderungsgesetz stark. „Mit Biodeutschen allein würde diese Firma nicht funktionieren.“ So beschäftigt er Menschen aus Vietnam, Kambodscha, Guinea und dem Tschad. In Wallung gerät Kuhne, der sonst eher ruhig und leise spricht, wenn es um deutsche Bürokratie geht. Ein junger Mann aus Guinea etwa, der inzwischen bei ihm in die Lehre geht, hatte alle Sprach- und Integrationskurse erfolgreich durchlaufen, sollte aber abgeschoben werden. Kuhne setzte sich dafür ein, dass er bleiben konnte: „Ich sehe nicht ein, dass die Migranten bei uns jahrelang gefördert werden, ohne dass wir hinterher etwas von ihnen haben.“