Telekom in Bonn

Telekom-Chef Obermann verlässt überraschend den Konzern

Bonn.  Überraschender Wechsel an der Spitze der Deutschen Telekom: Der Vorstandsvorsitzende René Obermann wird Ende 2013 nach sieben Jahren vorzeitig seinen Posten räumen und dem Konzern den Rücken kehren. "Ich werde die Telekom Ende 2013 verlassen", sagte er am Donnerstag in einer Telefonkonferenz.
Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, Rene Obermann, gibt Ende des kommenden Jahres sein Amt auf. Foto: Jochen Lübke/Archiv Foto: DPA

Der Aufsichtsrat stimmte seinen Wünschen zu, seinen Vertrag zu diesem Zeitpunkt aufzuheben. Nachfolger wird der bisherige Finanzvorstand Timotheus Höttges, der seit dem Jahr 2000 bei der Telekom arbeitet.

Es sei ein guter Zeitpunkt für die Vorbereitung der Staffelübergabe, sagte Obermann weiter. Sein Nachfolger kenne den Konzern sehr gut und habe maßgeblich zur stabilen und erfolgreichen Entwicklung des Unternehmens beigetragen. Nach sieben Jahren an der Telekom-Spitze wolle er wieder näher an das operative Geschäft rücken.

"Ich will wieder mehr Zeit für Kunden, Produktentwicklung und Technik haben", sagte der Manager. Wo genau das geschehen soll, verriet Obermann nicht. Der Top-Manager wird im kommenden Jahr 50 Jahre alt.

Der Aufsichtsratschef Ulrich Lehner bedauerte die Entscheidung Obermanns. Es sei dem Gremium wichtig gewesen, die Nachfolge und den Übergang frühzeitig zu regeln und so Kontinuität sicherzustellen, erklärte er laut Pressemitteilung. Mit Höttges sei ein Nachfolger gefunden worden, der die besten Voraussetzungen mitbringe, die Arbeit fortzusetzen.

Auch Obermann fand nur lobende Worte für seinen Nachfolger, mit dem er seit Jahren in dem Unternehmen eng zusammen arbeitet. "Ich kann mir keinen Besseren vorstellen als ihn", meinte der Noch-Telekom-Chef, der seit 16 Jahren in dem Unternehmen arbeitet. "Höttges hat den absoluten Zug zum Tor".

Als Deutschland-Chef sei es ihm gelungen, die Marktanteilsverluste im Festnetzgeschäft zu stoppen. Und als Finanzvorstand habe er wesentlich zur Lösung des angeschlagenen US-Mobilfunkgeschäfts beigetragen.

Höttges nannte die Telekom ein kerngesundes Unternehmen mit soliden Bilanzrelationen. Er freue sich auf die neue Aufgabe. Das Unternehmen werde seine Strategie fort- und umsetzen. Ziel sei es, bis 2014 die Umsatzrückgänge zu stoppen und wieder zu wachsen, vor allem in Deutschland.

Noch vor zwei Wochen hatte Obermann auf einer Investorenveranstaltung Milliardeninvestitionen in zukunftsträchtige Geschäftsfelder angekündigt. Die hierfür nötigen 30 Milliarden Euro, mit denen in den nächsten drei Jahren die Netze im In- und Ausland auf Vordermann gebracht werden sollen, will er sich unter anderem mit einem Sparprogramm und einer niedrigeren Dividende besorgen - ein Bruch mit der bisherigen Kultur.

Der Telekom-Chef, der 2006 selbst überraschend Vorstandsvorsitzender geworden war, gilt als zupackender Manager. Er holte sich neue Leute in den Vorstand und richtete den Konzern auf ertragsstarke Geschäftsfelder aus. Im Zentrum steht dabei bis heute vor allem das mobile Internet. Im kommenden Jahr wolle er gemeinsam mit Höttges für einen geordneten Übergang der Nachfolge sorgen.

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