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Siemens-Chef Löscher sieht sich nicht als Sündenbock für die Bahn
dpa
München. Siemens-Chef Peter Löscher sieht sich nach dem geplatzten Liefertermin für acht neue ICE-Züge nicht als Sündenbock für mögliche Probleme im Winterfahrplan der Bahn. "Wir lassen niemanden im Stich. Unseren Kunden Deutsche Bahn nicht und nicht deren Fahrgäste".
Siemens-Chef Peter Löscher will nach dem geplatzten Liefertermin für acht neue ICE-Züge nicht als Sündenbock für mögliche Probleme im Winterfahrplan der Bahn herhalten. Foto: Peter Kneffel Foto: DPA
Das sagte Löscher der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Siemens habe der Bahn ein umfangreiches Winterpaket angeboten. "100-Service-Techniker stehen jederzeit bereit, um Probleme der ICE-Flotte jederzeit beheben zu können."
Siemens hatte Ende November erklärt, dass acht neue ICE 3 des Typs Velaro wegen Software-Problemen nicht wie geplant eingesetzt werden können und dafür scharfe Kritik von der Bahn geerntet. Fernverkehrschef Berthold Huber warf Siemens vor, die Bahnkunden im Stich zu lassen. Auch Bahnchef Rüdiger Grube beschwerte sich öffentlich über die Lieferqualität von Siemens.
Löscher äußerte zwar Verständnis für den Ärger der Bahn. Das Sachthema, das Bahn und Hersteller gleichermaßen beschäftige, sei aber ein ganz anderes. "Bahn-Chef Grube spricht ja selbst von den komplizierten Zulassungsverfahren für Züge in Deutschland." Für Autos und Flugzeuge gebe es viel einfachere Verfahren. "Hier liegt eine entscheidende Ursache für Unsicherheiten und Verzögerungen."
Der Streit mit der Bahn ist für Löscher nur eine von mehreren Baustellen. Derzeit arbeitet er unter Hochdruck an einem Sparprogramm, mit dem er die Kosten des Konzerns in den nächsten zwei Jahren um mindestens sechs Milliarden Euro drücken will. Für Aufsehen hatte auch die geplante Trennung von der Vorstandsfrau Barbara Kux gesorgt sowie der überraschende Ausstieg aus dem Solargeschäft, das einst als Hoffnungsträger galt. Löscher sieht dieses Kapitel aber nicht als seinen Fehler an. "Was heißt Fehler? Es ist immer eine unternehmerische Entscheidung, ob Sie in eine neue Technologie gehen oder nicht", sagte er. "In dem Fall haben sich die Rahmenbedingungen komplett geändert. "Darauf mussten wir reagieren."
Seinen Job an der Spitze des Siemens-Konzerns ist der 55-Jährige trotz der Probleme nicht leid. Die Rolle als Anführer der deutschen Industrie behage ihm. Der Satz, dass er eines Tages als Siemens-Chef in den Ruhestand gehen wolle, gelte noch immer. "Das gilt mehr denn je: Ich bin so fit wie lange nicht. Und Freude macht's wie am ersten Tag." Die Aktionäre des Konzerns können sich bald davon überzeugen: Ende Januar muss sich Löscher den Fragen der Anteilseigner bei der Hauptversammlung in München stellen.
Artikel vom 30.12.2012
Wirtschaft
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