Nach Deutsche-Bank-Razzia: Mitarbeiter aus U-Haft entlassen

Frankfurt/Main.  Gut eine Woche nach der Steuerrazzia bei der Deutschen Bank kommen alle beschuldigten Mitarbeiter des Konzerns aus der Untersuchungshaft frei.
Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main: Die Justiz lässt das größte Geldinstitut Deutschlands nicht zur Ruhe kommen. Foto: Frank Rumpenhorst
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Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main: Die Justiz lässt das größte Geldinstitut Deutschlands nicht zur Ruhe kommen. Foto: Frank Rumpenhorst Foto: DPA

"Die drei noch inhaftierten Beschuldigten werden heute noch entlassen", sagte der Sprecher der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft, Günter Wittig, am Donnerstag. Der Haftgrund der Verdunklungsgefahr sei entfallen. Das könnte bedeuten, dass die Ermittler alle Beweise gesichert haben und es nichts mehr zu vertuschen gibt. Denkbar ist auch eine umfassende Aussage des Beschuldigten.

Die Ermittler haben insgesamt 25 Mitarbeiter des Dax-Konzerns im Visier. Die Vorwürfe lauten auf Steuerhinterziehung, Geldwäsche und versuchte Strafvereitelung im Zusammenhang mit dem millionenschweren Handel mit Luftverschmutzungsrechten (CO2-Zertifikate).

Gegen fünf Mitarbeiter waren Haftbefehle ergangen. Einer von ihnen hatte per ärztlichem Attest seine Haftunfähigkeit nachgewiesen, ein weiterer war am Dienstag entlassen worden. Auch dies war damit begründet worden, dass der Haftgrund der Verdunklungsgefahr nicht mehr gegeben sei. Zudem wird gegen Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause ermittelt, weil sie die fragliche - und später korrigierte - Umsatzsteuererklärung der Bank für das Jahr 2009 unterschrieben hatten.

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstag) soll die Deutsche Bank der Generalstaatsanwaltschaft Akten vorenthalten und die Razzia damit praktisch selbst herausgefordert haben. Bereits im Juni 2012 habe die Behörde den Anwalt der Deutschen Bank gewarnt, sie werde "alle prozessualen Möglichkeiten" in Betracht ziehen, um Zugriff auf die Unterlagen zu erhalten. Wenn das Geldhaus nicht kooperiere und die angeforderte Dokumente herausgebe, bleibe nur eine Durchsuchung übrig, zitierte das Blatt aus Ermittlerkreisen. Die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft wollte den Bericht nicht kommentieren.

Unterdessen ist die Deutsche Bank erneut auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft durchsucht worden. Am Mittwoch durchforsteten Ermittler die Frankfurter Zentrale wegen eines möglichen Betrugsversuchs im Kirch-Prozess. Dabei seien Unterlagen sichergestellt worden, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch am Donnerstag in München.

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