Wikipedia-Gründer will Publikum stärker in Journalismus einbinden

Hongkong/Peking.  Wikipedia-Gründer Jimmy Wales fordert einen neuen, offeneren Journalismus. Künftig solle Berichterstattung mehr auf einer Zusammenarbeit mit Lesern und Zuschauern beruhen, sagte er beim Jahrestreffen der Wikipedia-Autoren "Wikimania" am Freitag in Hongkong.
Jimmy Wales spricht auf dem Jahrestreffen der Wikipedia-Autoren 'Wikimania' in Hongkong. Foto: Alex Hofford
							Foto: DPA
Jimmy Wales spricht auf dem Jahrestreffen der Wikipedia-Autoren 'Wikimania' in Hongkong. Foto: Alex Hofford Foto: DPA

"Heutzutage haben Journalisten eine beispiellose Chance, die Fehler von Regierungen und Organisationen aufzudecken." Dank modernster Computertechnologien ließen sich Vergehen besser nachweisen.

Der Ex-Geheimdienstler Edward Snowden habe mit seinen Enthüllungen über die Internetspionage der USA viel geleistet. "Er ist großartig. Er hat etwas Bemerkenswertes und sehr Wichtiges getan", lobte Wales. Aber anstatt über Computersicherheit und Verschlüsselungstechniken zu berichten, konzentrierten sich klassische Medien zu stark auf die Schicksale von einzelnen Personen. Berichte stellten ausführlich Snowdens einsame Freundin auf Hawaii dar. Aber sie konzentrierten sich zu wenig auf die entscheidenden Themen.

Wikipedia habe in der Hinsicht eine viel bessere Arbeit gemacht als viele klassische Medien. "Wenn das eine Gruppe von Freiwilligen schafft, dann muss es auch einen Weg für die Presse geben", sagte Wales. Er deutete ein neues Modell von Journalismus an, in dem die "Gemeinschaft dem Journalisten gleichgestellt ist". Für eine konkrete Ankündigung sei es aber noch zu früh. Er wolle neue Ansätze von Journalismus in den kommenden Wochen und Monaten offen diskutieren.

Wikipedia werde seine Anstrengungen verstärken, die Sicherheit der Internetseite zu verbessern. Ihm selbst sei durch Snowdens Enthüllungen noch klarer geworden, wie wichtig Verschlüsselung im Internet ist. "Die NSA hat Fähigkeiten entwickelt, die viel weiter gehen, als ich jemals gedacht hätte", sagte Wales. Der US-Geheimdienst habe ein Budget von acht Milliarden Dollar im Jahr. "Damit kann man eine Menge Server kaufen."

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