CCC macht digitale Kriegführung zum Schwerpunktthema 2013

Hamburg.  Der Chaos Computer Club (CCC) hat Software-Entwickler und Ingenieure dazu aufgerufen, sich einer militärischen Nutzung ihrer Fähigkeiten zu widersetzen. Die Verwendung digitaler Technik für kriegerische Zwecke werde im kommenden Jahr ein zentrales Thema der Hacker sein.
Teilnehmer des 29. Jahreskongresses des Chaos Computer Clubs im Congress Center in Hamburg an seinem Laptop. Foto: Malte Christians
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Teilnehmer des 29. Jahreskongresses des Chaos Computer Clubs im Congress Center in Hamburg an seinem Laptop. Foto: Malte Christians Foto: DPA

Das kündigte CCC-Sprecher Frank Rieger am Samstag auf dem Kongress des Vereins in Hamburg an. Besonders besorgniserregend sei der Trend zu autonomen militärischen Systemen - hier sei 2013 eine lebhafte Diskussion über eine Drohnen-Bewaffnung der Bundeswehr zu erwarten.

Zu dem bis Sonntag dauernden Chaos Communication Congress kamen nach Angaben der Veranstalter rund 6000 Teilnehmer. Das Motto "Not my department" (Nicht mein Fachgebiet) kritisierte die Neigung von Technikern, sich nicht um Verantwortung und Konsequenzen ihres Handelns zu kümmern.

Auch der Raketeningenieur Wernher von Braun sei ein großes Talent gewesen, habe seine Fähigkeiten aber in den Dienst militärischer Interessen gestellt, sagte Rieger. "Wir sagen: Arbeitet nicht für diese Leute, überlegt Euch, für wen Ihr Eure Fähigkeiten einsetzt", fügte Rieger im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa hinzu.

Wegen der fehlenden Markierung von Drohnen entstehe künftig eine Situation, dass gar nicht mehr der Urheber eines Angriffs erkennbar sei, erklärte Rieger. Hier müsse es dringend ein internationales Abkommen geben. Der CCC beschäftigt sich ebenfalls mit Drohnentechnik: Auf dem Kongress zeigten Freiburger Mitglieder selbst entwickelte Quadcopter, die Umweltradioaktivität messen können. "Wir sehen uns selbst an, wie diese Drohnen funktionieren und welches Überwachungspotenzial da drin steckt", sagte Rieger.

In einem Rückblick auf das Jahr bekräftigte der CCC die Ablehnung von staatlicher Überwachungssoftware unter dem Schlagwort "Staatstrojaner", Vorratsdatenspeicherung und Abmahnungen bei Verstößen gegen das Urheberrecht. "Wir sind eine unabhängige Instanz", sagte Rieger zum Selbstverständnis des Vereins. "Wir sind dafür da, eine unabhängige Expertise zu bringen, die von niemandes Interesse geleitet ist."

Die lebhafte Diskussion über Netzpolitik schlägt sich auch in der Mitglieder-Entwicklung des Vereins nieder. Die Zahl der Neuaufnahmen habe sich in diesem Jahr auf 823 verdoppelt, sagte CCC-Sprecherin Constanze Kurz. Unter den Neumitgliedern seien sowohl passive Unterstützer als auch aktive Teilnehmer an Hackerprojekten in örtlichen Arbeitskreisen. Auf dem Kongress stieg die Zahl der Mitglieder nach Angaben Riegers auf mehr als 4000. Kürzlich wurde auch in der Schweiz ein CCC gegründet. Im Unterschied zu den USA, wo der Begriff des Hackers in der öffentlichen Wahrnehmung eng mit dem kriminellen Untergrund verbunden ist, wird das Hacken in Europa eher als kreativer Umgang mit Technik betrachtet, deren Möglichkeiten bis über ihre Grenzen hinaus ausgelotet werden.

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