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Internationaler Linkshändertag
Zum Rechtshänder erzogen - Doch alles Kreative läuft mit links
dpa
Bielefeld/Münster. Linkshänder hatten es noch nie leicht. Früher wurden sie umerzogen. Auch heute sind viele Gebrauchsgegenstände nicht für sie gemacht. Der Internationale Linkshändertag am 13. August macht darauf aufmerksam.
Wenn Volkmar Arnecke schreibt, hält
er den Stift in der rechten Hand. Dabei ist der 56-Jährige geborener
Linkshänder. "Als ich zur Schule gegangen bin, durften Kinder noch
nicht mit links schreiben", erinnert sich der Bielefelder Polizist.
Ihm sei gar nicht bewusst gewesen, dass es auch anders geht. Es
fehlte ihm an linkshändigen Vorbildern. "Ich habe mich immer als
Ausnahme gefühlt." Arneckes jüngster Sohn hat die Händigkeit geerbt.
"Und niemand hat versucht, ihn umzuerziehen". Es hat sich schon viel
getan. Dazu hat auch der Linkshändertag am 13. August beigetragen.
Doch Probleme sehen Experten noch immer. Auch wenn die Richtlinien
in Schulen schon lange Jahre geändert sind, haben einzelne Lehrer bis
in die 1990er linkshändige Kinder umgeschult. In der Früherziehung
wird Linkshändigkeit auch heute noch häufig unterdrückt. «Die Kinder
wachsen in einer Welt für Rechtshänder auf», sagt der Sozialpädagoge
und Linkshand-Berater Matthias Wüstefeld aus Münster. Spielzeug,
Alltagsgeräte, Computer, Instrumente - alles häufig nicht für linke
Hände ausgelegt. Kenner der Materie glauben daher den Statistiken
nicht. Die tatsächliche Zahl der Linkshänder sei wesentlich höher als
die angenommenen 10 bis 15 Prozent, ist sich Wüstefeld sicher.
Wie Arnecke ist der Münsteraner umgeschulter Linkshänder. Doch vor
zwölf Jahren ließ er sich der heute 55-Jährige rückschulen, schreibt
seitdem mit seiner dominanten Hand und hat sich die Linkshändigkeit
zum Beruf gemacht. Als Linkshand-Coach begleitet und berät er Leute
mit derselben Veranlagung. Denn die Folgen der Umschulung können
fatal sein. "Wer seine Händigkeit nicht lebt, leidet häufiger unter
Rechtschreibschwäche, Sprachstörungen, Diskalkulie und daher auch an
Minderwertigkeitskomplexen." Ein Patient habe mit der Rückschulung
aufgehört zu stottern. Kinder würden in der Schule danach häufig
bessere Leistungen bringen, erzählt Wüstefeld von seinen Erfahrungen.
Volkmar Arnecke will seine Schreibhand nicht mehr wechseln. "Das
ist schon zu spät." Komplett austreiben konnte ihm sein Lehrer die
Linkshändigkeit aber nicht: "Alles Kreative mache ich mit links."
Wenn er malt, nimmt er den Stift in die linke Hand, die Computer-Maus
bedient er mit links und vor allem, wenn er musiziert, bleibt er
seiner Veranlagung treu. Der 56-jährige Arnecke spielt seit seiner
Jugend E-Bass. Zwar werden beim Musizieren beide Hände genutzt, bei
vielen Instrumenten aber nicht in gleicher Weise. "Die Hand, die für
Rhythmus und Dynamik zuständig ist, muss die dominante sein", erklärt
Wüstefeld. Die Instrumente müssen dafür angepasst werden.
"Es war ein großer Glücksfall, als damals in einem kleinen
Musikladen ein Fender für Linkshänder angeboten wurde", freut sich
Arnecke noch heute über seinen Bass. Denn wie so oft im Alltag ist
die Auswahl für Linkshänder bei Instrumenten beschränkt. Er hat eine
nicht-kommerzielle Verkaufsplattform aufgebaut (www.leftybass.com)
und bekommt E-Mails aus Pakistan, Gambia, Australien oder Brasilien.
Das Interesse ist nur logisch. Viele erfolgreiche Musiker sind
Linkshänder, berichtet Neurowissenschaftler Stefan Gutwinski. Da
wären zum Beispiel zum Beispiel mit Paul McCartney, Kuddel von den
Toten Hosen und Jimi Hendrix zu nennen. «Linkshänder wählen häufiger
musische Berufe.» Beethoven hat seine Neunte und Goethe seinen Faust
mit links geschrieben. Das Lächeln der Mona Lisa ist mit Leonardo da
Vinci einem Linkshänder zu verdanken - ebenso wie die Sixtinische
Kapelle von Michelangelo. Ein Zusammenhang zwischen Kreativität und
Linkshändigkeit sei aber wissenschaftlich nicht abschließend belegt.
Artikel vom 11.08.2012
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