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Callgirl-Affäre
Strauss-Kahn bleibt im Visier der Justiz
Von Birgit Holzer
PARIS. Keine Erleichterung für Dominique Strauss-Kahn: Ein Berufungsgericht im nordfranzösischen Douai hat entschieden, das Anklageverfahren gegen ihn wegen "bandenmäßiger Zuhälterei" in einer Callgirl-Affäre aufrechtzuerhalten mit der Begründung, es beruhe auf "schweren und übereinstimmenden Indizien".
Dominique Strauss-Kahn steht weiter unter Anklage. Foto: dpa
Strauss-Kahns Anwälte hatten gefordert, es für null und nichtig erklären zu lassen. Der ehemalige Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), der im Mai 2011 seinen Posten aufgrund von Vergewaltigungsvorwürfen der New Yorker Hotelangestellten Nafissatou Diallo aufgeben musste, hatte zwar zugegeben, regelmäßig an von Freunden organisierten Sex-Partys teilgenommen zu haben.
Er habe jedoch nicht gewusst, dass die beteiligten Frauen Prostituierte waren. Für ihn habe es sich um freizügige, aber völlig legale Abende unter freien Erwachsenen gehandelt. Die Anwälte des 63-Jährigen haben angekündigt, einen Revisionsantrag zu stellen. Sie seien überzeugt, dass "unser Klient letztlich von den absurden Anschuldigungen reingewaschen" werde. Aus dem Nichts heraus sei die Definition von Zuhälterei geschaffen worden, die nicht mit der gesetzlichen übereinstimme, auch sei nicht präzisiert worden, was ihrem Klienten konkret vorgeworfen werde.
Strauss-Kahn spielt eigentlich nur eine Nebenrolle in der sogenannten "Carlton-Affäre", die vor einem guten Jahr aufkam. Insgesamt neun Personen, darunter der Besitzer und der Direktor des Carlton-Hotels im nordfranzösischen Lille, sowie ein ranghoher Polizeikommissar, Unternehmenschefs und Lokalprominente werden der Zuhälterei verdächtigt.
Die mit Strauss-Kahn befreundete Männergruppe soll 2010 und 2011 mehrmals Reisen in Begleitung von Prostituierten nach Paris, New York und Washington organisiert haben, wo sie in luxuriösen Etablissements ausschweifende Abende verbrachten. Die Männer stützen Strauss-Kahns Versicherung, er habe nicht gewusst, dass die Frauen für ihre Dienste bezahlt wurden: Sie hätten ihrem Freund, der zu diesem Zeitpunkt noch beste Aussichten auf eine politische Karriere in Frankreich hatte, eine "Freude" machen wollen.
Die meisten der Callgirls sagten aus, sie hätten die Anweisung gehabt, ihr Metier vor Strauss-Kahn geheim zu halten. Zwei von ihnen hingegen versicherten, er könne unmöglich nichts gewusst haben.
Ihn belasten außerdem von ihm selbst geschriebene SMS, in denen er sich bei einem seiner Freunde nach Frauen erkundigt hatte, die er abwertend als "Material" bezeichnete. Eine Prostituierte hatte Strauss-Kahn zeitweise der Vergewaltigung beschuldigt, dann aber auf eine Anklage verzichtet.
Französischen Medienberichten zufolge, die auf juristische Kreise verweisen, werden die Ermittlungen bis zum Frühsommer 2013 weiterlaufen. Sollte es zu einem Prozess kommen, dann wohl nicht vor Anfang 2014. Im Fall einer Verurteilung riskieren Strauss-Kahn und die anderen Verdächtigen theoretisch bis zu sieben Jahre Haft und Geldstrafen von bis zu 150 000 Euro. Vergangene Woche hatten Strauss-Kahn und Nafissatou Diallo im noch laufenden Zivilverfahren in den USA eine außergerichtliche Einigung erzielt, in der er ihr eine hohe Summe gezahlt haben soll.
Artikel vom 19.12.2012
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