Das GA-Torfieber grassiert wieder
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Rund 3500 Kilometer und gut drei Monate liegen jetzt noch zwischen dem 21-jährigen Roman Lob aus Neustadt/Wied) (Rheinland-Pfalz) und Baku. Beim Finale des Vorentscheids am Donnerstagabend in Köln hat er die Fernsehzuschauer überzeugt, seine Fahrkarte zum Eurovision Song Contest 2012 in der Hauptstadt Aserbaidschans gelöst und wird Deutschland dort am 26. Mai vertreten.
Womit nunmehr auch die Frage beantwortet ist, wie man 135 Minuten ohne Werbepause mit nur zwei Kandidaten füllt. Wer mit dem Format über acht Shows in den vergangenen Wochen nicht so recht warm werden wollte oder von Castingshows inzwischen so oder so genug hat - und den von Woche zu Woche sinkenden Quoten des Vorentscheids nach zu urteilen, waren das Einige - wird sich auch an diesem Abend bestätigt gefühlt haben.
Es ähnelt dem Kaugummikauen. Nach den ersten Geschmacksmomenten setzt schließlich doch das Gleichmaß ein - und damit die Ungeduld, ob man das denn wirklich alles so auswalzen muss. Ebenso gut kann man den Hut vor einem Gesangswettbewerb ziehen, bei dem anstelle markiger Sprüche ein ausgeklügeltes Votingsystem steht, das die Fernsehzuschauer bis zum Schluss fordert, um sie möglichst außerhalb der Reichweite ihrer Fernbedienung zu halten.
Und egal ob einen die Sendung nun gut unterhalten oder in all der Harmonie mitunter doch eher ermüdet hat, sollte man tatsächlich Respekt vor Juroren haben, die tatsächlich ein Herz für ihre Kandidaten zeigen. Wenn die Moderatorin da nun aber auf der guten alten "Blitztabelle" hin und her switchen, möchte man sie in den Arm nehmen und trösten, weil jeder mal unfreiwillig komisch sein kann.
Gelegentlich allerdings musste man sich auch als wohlwollend-neugieriger Zuschauer ernsthaft Sorgen machen, ob der Jury um den Präsident Thomas D nicht zu (guter) Letzt noch die allseits lobenden Worte ausgehen würden oder wer Alina Süggeler - Frontfrau der deutschsprachigen Pop-Band "Frida Gold" - nach dem Ende der Show aus dem hautengen roten Dress heraushelfen sollte.
Während Stefan Raab - formally known as Mr. Eurovision Song Contest - mehr oder weniger bewusst das Problem dieses Abends umschrieb; keiner der Songs hatte das Potenzial, sich auf Anhieb im Gedächtnis festzusetzen, wie das dieser Tage einer Lana Del Rey (Videogames) oder Christina Perri (Jar Of Hearts) gelingt.
Bis sich Nummer drei namens "Standing still" beim Saalpublikum als Favorit heraus kristallisiert. Und irgendwo aus der Tiefe der Erinnerung die zaghafte Frage auftaucht, was daran noch typisch für das Land ist, das da in Baku antreten wird - außer vielleicht der Nationalität im Pass des Gewinners. Austauschbarkeit, nicht nur in den deutschen Beiträgen, sondern auf internationalem Parkett, hat den europäischen Musikwettbewerb in den vergangenen Jahren ein gutes Stück entzaubert.
Dschinghis Khan, Katja Ebstein oder Nicole mögen den einen oder anderen Lektionen im Fremdschämen gelehrt haben; dafür sind sie aber auch schwer zu vergessen, ebenso wie das beim dritten oder vierten Hören ins leicht Nervtötende überwechselnde "Satellite" von Lena Meyer-Landrut. Der Wiedererkennungswert hat eben seinen Preis. Fragt sich, ob Roman Lob den zu bezahlen bereit ist und tatsächlich imstande, aus der Masse herauszutreten. Beim "Kasperletheater auf ganz großem Niveau" wie Stefan Raab es auszudrücken beliebte.
Man würde es ihm wünschen, noch ein paar Ecken und Kanten und wir hätten tatsächlich jemanden, der auch nach seiner Rückkehr aus Baku von sich hören lassen wird. Das ist schon einigen Grand-Prix-Siegern (so hieß das früher mal) vor ihm gelungen.
Artikel vom 17.02.2012