Das GA-Torfieber grassiert wieder
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An jenem 6. Februar 1952 waren Glück und Tragik für die 25-Jährige eins: Fernab der Zivilisation blickte sie über die Baumwipfel Kenias. Minuten später überbrachte Gatte Philip ihr die Nachricht vom Tod ihres Vaters - die junge Frau, die als Prinzessin auf einen alten Jagdsitz in Afrika geklettert war, stieg als Königin herab. Und das in tiefer Trauer.
Mittlerweile trägt sie Ruhm, aber auch Last dieser Aufgabe auf schmalen Schultern. "Es war eine Frage der Reifung", sagte sie in einem der wenigen Interviews, die sie je erteilt hat, "eine Frage, ob Du akzeptieren kannst, was von nun an Deine Zukunft sein wird."
Und die 60 Jahre im Buckingham Palast waren vor allem ein enges Korsett aus Protokoll, Präsenz und Planung. Hunderte Termine absolviert sie jeden Monat, auch jetzt noch, in ihrem hohen Alter. Viel Einfluss oder Mitsprache hat sie dennoch nicht. Der Verlockung, Tagespolitik zu kommentieren, hat sie anders als Sohn Charles nie nachgegeben. Ihre Selbstdisziplin und ein tadelloser Lebenslauf haben sie bei der Mehrheit zum Symbol britischer Kontinuität gemacht, zum Fels in der Brandung.
Schon jetzt blickt sie nach Queen Victoria auf die zweitlängste Amtszeit einer britischen Königin zurück. "Mich würde es nicht wundern, wenn wir in ein paar Jahren von einem zweiten elisabethanischen Zeitalter sprechen", schätzt angesichts ihrer Lebensleistung Prof. Klaus Stierstorfer von der Universität Münster.
Die wenigen Menschen, die privilegierten Zugang zu ihr genießen, betonen unisono ihre menschlichen Qualitäten: Tolerant sei sie, ziemlich witzig, sehr vernünftig, sparsam und bodenständig. Ob sie denn nie in Rente gehen will, fragen nur die, die nicht ahnen, wie ernst die Queen es mit ihrem Thron-Job hält. Mit 21 Jahren hat sie geschworen, dem Land ihr Leben lang zu dienen, "egal, ob es kurz oder lang sein würde." Heißt: Nur der liebe Gott von ihren Aufgaben freistellen. Prinz Charles muss also weiter warten, denn die 85-Jährige erfreut sich zurzeit bester Gesundheit.
Damit die Untertanen bei der Londoner Jubiläumsparty mitfeiern können, schenkt die Oberchefin der Nation ihnen sogar einen Extra-Feiertag. Ein nette Geste, die Kritiker ein wenig besänftigt. Denn für das Spektakel schafft sie es, mehr als zehn Millionen Euro bei Sponsoren einzuwerben.
Gänzlich unangefochten war Elizabeth ohnehin nie. Ihre kühle Reaktion auf den Tod von Diana hat viele verstör. Dass sie sich bei der Hochzeit ihres Enkels Prinz William vergangenes Jahr kaum ein Lächeln abringen konnte, war für viele der Beweis, dass hier eine einst lebensfrohe Frau durch ihre Rolle verformt worden ist. Umso mehr mag man ihr die spektakuläre Feier gönnen, die sie sich ausgedacht hat.
Geplant ist eine Bootsparade über die Themse. Mehr als tausend Schiffe, vom historischen Kahn bis zur schnöden ÖPNV-Fähre, reihen sich am 3. Juni auf und ziehen von Putney bis zur Tower Bridge. Für die Parade lässt die Queen auch die royale Jacht "Britannia" restaurieren.
Pferde, ihr größtes Hobby, dürfen natürlich nicht fehlen. Am Jahrestag ihrer Krönung, dem 2. Juni, gönnt sie sich also den Besuch des Epsom Derby. Und im Schloss Windsor wacht sie im Mai über eine festliche Parade von über 500 schmucken Huftieren. Nicht auszuschließen ist, dass sie sich auch selber noch einmal in den Sattel schwingt.
Artikel vom 04.02.2012