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In der Nürburgring-Affäre verdichten sich die Hinweise auf eine Anklage gegen den rheinland-pfälzischen Ex-Finanzminister Ingolf Deubel (SPD). Zwar sagte der
stellvertretende Leiter der Staatsanwaltschaft Koblenz, Hans-Peter
Gandner, am Freitag der Nachrichtenagentur dpa: «Wann und ob Anklage
erhoben wird, steht nicht fest.» Er dementierte auch einen
Zeitungsbericht, wonach eine Klageschrift wegen Untreue spätestens am
Freitag beim Landgericht Koblenz eingehen sollte: «Ich habe keine
Klageschrift.»
Allerdings hieß es in Justizkreisen, eine Klageschrift im
Zusammenhang mit der Nürburgring-Affäre könne durchaus sehr bald dem
Landgericht zugestellt werden. Auch in der Landespolitik in Mainz war
davon die Rede. Nach einem Bericht des «Trierischen Volksfreunds»
(Samstag) hatte die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz kürzlich das
Justizministerium informiert, dass alle offenen Fragen geklärt seien.
Das Ministerium machte dazu auf dpa-Anfrage keine Angaben. Auch
Oberstaatsanwalt Gandner äußerte sich nicht zu der Frage, wie lange
die Ermittlungen noch dauern könnten.
Nach dem Eingang einer Klageschrift beim Landgericht Koblenz würde
dieses prüfen, ob und in welchem Umfang es die Anklage zur
Hauptverhandlung zuließe. Deubel sagte der dpa, er sehe dem weiteren
Verfahren gelassen entgegen. «Mir bleibt nichts anderes übrig.»
Aufgrund der Vorwürfe fühle er sich öffentlich diskreditiert. Er
hatte sie schon früher zurückgewiesen.
Die Staatsanwaltschaft Koblenz hatte im Sommer 2010 Ermittlungen
gegen Deubel, den Ex-Nürburgring-Chef Walter Kafitz, den Ring-Pächter
Kai Richter und andere Manager eingeleitet. Deubel war 2009
zurückgetreten, nachdem die dubios wirkende Privatfinanzierung des
Freizeitparks an der Rennstrecke spektakulär gescheitert war. Die
damalige SPD-Alleinregierung wollte mehr Besucher in die
strukturschwache Eifel locken.
Unterdessen bestätigte der Mainzer Landtag, dass die Sondersitzung
des Innenausschusses zur aktuellen Krise des Nürburgrings für
kommenden Montag terminiert sei. Alle drei Fraktionen hatten sie
beantragt. Die rot-grüne Landesregierung hatte wegen ausstehender
Pachtzahlungen die Verträge mit den Privatbetreibern gekündigt. Diese
wollen dagegen mit den «besten Wirtschaftsanwälten Deutschlands»
juristisch vorgehen. Der Rechnungshof befürchtet ein Defizit von 210
Millionen Euro bis 2030, falls auch künftig zu wenig Pacht fließt.
Artikel vom 10.02.2012