Verregneter Sommer: Landwirte: "Im Moment ist kein Erntewetter" | GA-Bonn

Verregneter Sommer

Landwirte: "Im Moment ist kein Erntewetter"

BONN.  Der Sommer ist bislang trüb. Das macht manchen Branchen wirtschaftlich richtig zu schaffen. Geschäftsleute aus der Region spüren die Auswirkungen.

Trockenheit nötig: Landwirt Hans Boes begutachtet seine Gerste. Foto: Gausmann

Was halten die Bauern vom Wetter?

  • Die Landwirte, die Wintergerste auf den Feldern haben, warten sehnsüchtig auf trockene Tage. "Im Moment ist kein Erntewetter", sagt Bernhard Rüb, Sprecher der nordrhein-westfälischen Landwirtschaftskammer mit Sitz in Bonn.
    Einige Bauern hätten am vorletzten Wochenende mit der Ernte begonnen und warteten darauf, weitermachen zu können. Besser gehe es den Landwirten mit Gemüse: "Was grün ist, wächst gut", so Rüb. Und brauche nicht künstlich beregnet zu werden.

Wie geht es den Gastronomen?

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  • Am besten sind noch die Gastronomen dran, die auch drinnen genügend Platz haben, sagt Thorsten Hellwig, Pressesprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Nordrhein.
    Die Biergärten bleiben leer. Die Anschaffung eines Heizpilzes lohnt wegen hoher Gaspreise oft gar nicht. Angesichts der Tatsache, dass in Bonn die Gebühren der Stadt für Außengastronomie unter den 29 größten Städten in NRW am höchsten seien, treffe es hier die Wirte besonders, wenn keine Gäste kommen.
  • Köln liegt bei der Untersuchung des Bundes der Steuerzahler NRW auf Platz 6. "Wenn das Wetter so schlecht ist, dass die Gäste gar nicht mehr mehr vor die Tür gehen, sondern es sich mit Chips vor dem Fernseher gemütlich machen, sind natürlich alle Gastronomen betroffen", sagt Hellwig.

Schmeckt den Bonnern das Eis noch ?

  • Nicht mehr so richtig. Robertino Larrazin, Inhaber des Eiscafés am Bonner Marktplatz, berichtet, dass in diesem Sommer bislang der Umsatz um zehn bis 15 Prozent unter dem des Vorjahres liegt. Die Eiscafés seien extrem von gutem Wetter abhängig: "Wenn es regnet, kommen einfach weniger Menschen in die Innenstadt." Außerdem sei auch die Euro-Krise spürbar.
    Den Menschen sitze das Geld nicht mehr so locker in der Tasche. Wer früher eine große Portion bestellt habe, nehme heute nur ein oder zwei Kugeln. "Die goldenen Zeiten sind vorbei." Er hofft, dass ein sommerlicher Herbst wie im vergangenen Jahr seine Bilanz noch aufbessert.

Was machen die Einzelhändler?

  • Lange vor Beginn des Sommerschlussverkaufs am 23. Juli sind die Preise ins Rutschen gekommen. Die Einzelhändler in der Region haben noch das Lager mit der Sommerware voll, aber die Herbstkollektion wird schon angeliefert.
    "Der Impuls zum Kauf von Sommersachen fehlt bei schlechtem Wetter", sagt Uwe Stephan, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands Bonn Rhein-Sieg Euskirchen. Wenn das Wetter keinen Freibadbesuch erlaube, schaue auch niemand seine Badehose oder Bikini an und entdecke Erneuerungsbedarf.
     
  • Bei manchen Rabatten frage er sich, so Stephan, wie da noch Luft nach unten sein soll, um beim Sommerschlussverkauf nachbessern zu können. Mittlerweile gebe es Schlussverkaufsrabatte aber nicht nur bei Modeartikeln. Baumärkte und Elektronikhändler hätten die Aktionen für sich entdeckt.
    In Köln hat Karl-Heinz Will, Geschäftsführer des Einzelhandels- und Dienstleistungsverbandes Aachen-Düren-Köln, in den vergangenen Tagen schon Preisschilder entdeckt, die bereits zwei Mal durchgestrichen wurden.

Machen die Reisebüros gute Geschäfte mit Reisenden, die in die Sonne flüchten?

  • Viele Menschen buchen kurzfristig einen Flug in die Sonne. Katharina Schickler-Vorbau, Büroleiterin des Tui-Reisecenters in Bonn, hat alle Hände voll zu tun. Alle Ziele, wo die Sonne scheint, würden gut gebucht.
    Nachgefragt seien Tunesien, die Türkei und Ägypten. Allerdings sei es bei derart kurzfristigen Buchungen natürlich schwierig, günstige Angebote zu finden. Die Anbieter steigern die Kapazitäten: So hat Alltours ab Düsseldorf fünf Chartermaschinen zusätzlich ins Programm genommen.
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