Schauspielerin und Fitness-Ikone

Hollywoodstar Jane Fonda wird am Freitag 75

Sie hat sich für eine Portion Zuneigung ihrer Männer verstellt, bis sie sich selbst nicht mehr erkannte. Sie hat so lange mit den Augen anderer auf sich geblickt, bis die eigenen vor Nichtstun beinahe blind geworden wären. Ein Glück. Sie hat nach 60 Jahren entschieden, dass Fremdbestimmung, Minderwertigkeitskomplexe und Gefallsucht in ihrem Leben keinen Platz mehr beanspruchen dürfen.
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Das Alter ist ihr nicht anzusehen. Zumindest nicht, wenn sie geschminkt und mit perfekt sitzender Strähnchenfrisur in die Fernsehkameras lächelt. Foto: dpa

Das Alter ist ihr nicht anzusehen. Zumindest nicht, wenn sie geschminkt und mit perfekt sitzender Strähnchenfrisur in die Fernsehkameras lächelt. Foto: dpa

Seither sieht sie sehr genau hin und blendender aus denn je. Jane Fonda, das ausdauerndste Chamäleon Hollywoods, wird am Freitag 75. Sieh mal einer an.

Als der Sex in den sechziger Jahren filmisch neu konzipiert wurde, war sie "Barbarella". Als der Vietnam-Krieg den Zorn der Weltjugend weckte, gab sie ihm in Hanoi auf einem Flakgeschütz der Vietcong sitzend fotogen Feuer. Als der Körper als Hülle Gewicht bekam, ging sie mit bunten Frottee-Bändern um die Stirn und frivol engen Strumpfhosen an den Schenkeln der Fitness-Industrie als Pionierin voran und verdiente mit Vorturn-Videos Millionen.

Als der Fernseh-Mogul Ted Turner schließlich eine Trophäe als Frau suchte, ließ sie sich die Brüste vergrößern und stellte sich bereitwillig und ziemlich schick auf seinen Kaminsims. Lange schön war es da nicht.

Als sie 68 wurde, beschloss Jane Fonda sich neu zu erfinden, schrieb sich die vielen mühsam zusammengehaltenen Fassaden ihres Gesichts mit Sätzen wie diesen von der Seele: "Ich habe meine Männer alle geliebt. Aber ich weiß wirklich nicht, warum ich mit ihnen so lange zusammen war." Männer. Fondas Mega-Thema, seit sie 12 ist. Damals stirbt ihre Mutter. Erst ist von Herzinfarkt die Rede. In einem Hochglanz-Magazin erfährt das Mädchen, die manisch-depressive Frau hat sich mit einem Rasiermesser die Kehle durchgeschnitten.

Die Wahrheit wirft sie aus der Bahn. Die Landung an der Seite ihres Vaters gerät noch härter. Henry Fonda, der große Mime, der die ganze Katastrophe namens Leben in einer einzigen Gesichtsfurche abzubilden verstand, ist kalt wie ein Fisch. Und herrisch wie ein Despot. Was immer die ehrgeizige, junge Frau versuchte, Malerei, Klavierstudium, Journalismus, Ende der 50er Jahre dann die Schauspielerei, dem Alten war sie nie gut genug.

Trotz aller Widrigkeiten stellt sich schon früh der Erfolg ein. 1960 wird Jane Fonda am Broadway zur besten Nachwuchsschauspielerin gekürt. Roger Vadim, mit dem sie erst vor die Kamera und dann vor den Standesbeamten tritt, macht sie mit dem erotischsten Science-Fiction-Streifen der Wirtschaftswunderjahre berühmt: "Barbarella".

Die 70er Jahre bringen berufliche Rekordernte. Ihre Rollen als Prostituierte in "Klute" (1971) und in dem Anti-Vietnam-Drama "Coming Home" (1978) werden mit dem Oscar belohnt. Drei Jahre später spielt sie in "Am goldenen See" zum ersten und letzten Mal ihren Vater an die Wand. In der Liebe läuft sie dagegen. Vadim steht auf Dreier und andere Libertinage. Scheidung (mit Tochter Vanessa). Tom Hayden, der Polit-Aktivist, ist dumm und pockennarbig. Scheidung (mit Sohn Troy). Und Ted Turner sucht immer nur eine Frau, die er wie seinen Sender CNN nach Belieben ein und ausschalten kann. 2001 Scheidung auch von ihm. Seither ist die Fonda ihre eigene Fernbedienung. Volles Programm.

Selbsterfahrungskurse in Religiösität bringen sie der Wer-bin-ich-Frage nahe. Sanierungsmaßnahmen am eigenen Leib (Kniegelenke, Hüfte, Fett weg, Haut glattziehen, Plastik-Brüste wieder raus) erquicken das selbstironische Ego. Zitat: "Auch bei einem Klasse-Auto müssen mal Radkappen und Getriebe ausgewechselt werden. Die Knie sind besonders wichtig - sie müssen doch in einer frischen Liebesbeziehung einsatzfähig sein." Sagt eine damals weit über 60-Jährige.

Über altersadäquate Rollen kann sich Jane Fonda nicht beklagen. Zuletzt machte sie mit Geraldine Chaplin und Pierre Richard in "Und wenn wir alle zusammenziehen?" eine muntere Alters-WG auf. In "The Newsroom" glänzt sie mit (Turner, aufgepasst!) ironischer Noblesse und Bauchgefühl als Besitzerin eines Fernsehsenders, für den Politik erst das Wahre ist. Und dann Ware. In "The Butler" wird die Yoga-Anhängerin bald in den ätherischen Charakter von Präsidentengattin Nancy Reagan steigen und Ronald die Sporen geben.

Auch so eine kleine Frau, die lange über sich selbst hinweggesehen hat.

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