Nein der Politik zu Homo-Ehen-Gesetz: Hella von Sinnen ärgert sich vor dem Kölner CSD | GA-Bonn

Nein der Politik zu Homo-Ehen-Gesetz

Hella von Sinnen ärgert sich vor dem Kölner CSD

KÖLN.  Am Wochenende werden in Köln Hunderttausende das Christopher-Street-Day-Wochenende (CSD) feiern - mit Konzerten, Partys und der großen Parade am Sonntag, die unter dem Motto "Ja, ich will" steht. Aber braucht man 2012 noch einen CSD? Entertainerin Hella von Sinnen meint: Ja!

Hella von Sinnen kämpft für die Homo-Ehe. Foto: dpa

"Gerade im Moment schiebe ich wieder ein Hälschen, weil letzte Woche Donnerstag der Bundestag namentlich darüber hat abstimmen lassen, ob das Gesetz verabschiedet wird, dass wir komplett gleichberechtigt werden." Die Forderung, die sogenannte "Homo-Ehe" soll der Ehe gleichgestellt werden - so dürfen homosexuelle Paare zur Zeit nicht gemeinsam Kinder adoptieren und sind steuerlich schlechter gestellt - wurde gekippt.

Hella von Sinnen hatte den Kölner Lesben- und Schwulentag (KLUST, der unter anderem den CSD organisiert) bei einer Kampagne unterstützt, bei der alle Bundestagsabgeordneten angeschrieben und gefragt wurden, ob sie für oder gegen eine solche Gesetzesänderung sind. "Und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat dem KLUST gegenüber mit ,Ja, ich will' geantwortet und es dann letzte Woche im Bundestag mit ,Nein' abgelehnt", ist Hella von Sinnen empört. "Die FDP hat sich die Gleichberechtigung der Homosexuellen auf die Fahnen geschrieben, und wenn es dann hart auf hart kommt im Parlament, dann fügen sie sich ihrer CDU."

Und ohne die komplette Gleichstellung kommt für Hella von Sinnen Heiraten nicht infrage: "Solange ich von der Standesbeamtin gefragt werde, ,Möchten Sie Ihre registrierte Partnerin küssen?', nicht." Von Sinnen und Cornelia Scheel sind seit mehr als 20 Jahren ein Paar und haben von Anfang an für die Ehe von Lesben und Schwule gekämpft. "Wir sind damals vors Bundesverfassungsgericht gegangen, weil wir im Bus mit vorne sitzen wollen. Gerade für so ein fortschrittliches Land wie Deutschland muss es doch eine Selbstverständlichkeit sein."

Natürlich ist die gesellschaftliche Anerkennung, die in Deutschland 1969 mit der Reformation des Paragrafen 175 begann, weit vorangeschritten, "was ich mir so schnell nie hätte träumen lassen." Aber das ist für Hella von Sinnen nicht genug. "Es geht ja um Liebe, nicht nur um Rechte. Es ist menschenfeindlich von der Kirche oder anderen zu sagen, die Ehe ist eine Institution nur für Mann und Frau." Aber das ist nicht der einzige Grund, warum Hella von Sinnen den CSD immer noch gut und wichtig findet: "Man muss nicht nach Aserbaidschan oder sonst wohin fliegen, um Schwulenfeindlichkeit zu erleben.

Wahrscheinlich werden die jungen Schwulen und Lesben schon in den Dörfern 40 Kilometer vor Köln Probleme haben, sich zu outen. Und so ein CSD, wenn hier Hunderttausende von Gleichgesinnten feiern und im wahrsten Sinne des Wortes Flagge zeigen, gibt jungen Menschen aus anderen Städten und Orten sehr viel Kraft und Selbstvertrauen für ihren Alltag." Genau dasselbe hat Hella von Sinnen vor 30 Jahren selber erlebt - in den USA.

"Ich war 1980 zum ersten Mal in San Francisco. Da lebte ich zwar schon drei Jahre in Köln, aber da war das hier ja auch noch nicht alles so wild mit der Offenheit", erzählt die gebürtige Gummersbacherin. "Und dann komme ich dahin und dort hängen die Regenbogenfahnen und die Jungs und die Mädchen gingen Hand in Hand. Das war für mich eine Initialzündung."

Und wie wird sie den CSD verbringen? "Ich bin zwar am Samstag erst bei meiner Tante Helga, die im Oberbergischen ihren 80. feiert. Aber danach bin ich natürlich in der Stadt unterwegs. Das ist der höchste Feiertag, da muss ich mich ja in den Straßen sehen lassen. Mein alter Freund Hazy Hartlieb hat mir einen neuen Gay-Pride-Overall in Regenbogenfarben genäht", erzählt sie. "Und am Sonntag will ich mir auf jeden Fall unsere geliebten Kessler-Zwillinge auf der Bühne auf dem Heumarkt anschauen!"

Abo-Bestellung

Anzeigen

Anzeige

Leserfavoriten

Folgen Sie uns auf Google+

Umfrage

Das deutsch-deutsche Traumfinale ist perfekt. Bleibt nur die Frage: München oder Dortmund?

Bayern München
Borussia Dortmund