Suhl in Thüringen

Geiselnahme in JVA endet unblutig

Suhl.  Angst und Bangen um eine junge Gefängnis-Angestellte: Mehr als zehn Stunden ist die Thüringerin in der Gewalt eines Häftlings. Dann überwältigten Spezialkräfte den Mann. Das Geiseldrama endet unblutig.
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In der JVA hat sich am Karfreitag eine Geiselnahme ereignet.Foto: Michael Reichel
											Foto: DPA

In der JVA hat sich am Karfreitag eine Geiselnahme ereignet.Foto: Michael Reichel Foto: DPA

Die Szene ist gespenstisch. Jede Menge Polizeiautos, Krankenwagen und Spezialkräfte der Polizei vor der hohen Betonmauer des Gefängnisses im südthüringischen Suhl-Goldlauter. Wo sich sonst Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, ist es mit der Ruhe vorbei: Es herrscht pure Anspannung.

Seit Stunden ist eine junge Gefängnis-Angestellte in der Gewalt eines Häftlings. Der mit einem Messer bewaffnete 52-Jährige hat die 26-Jährige am Nachmittag des Karfreitags unter bisher ungeklärten Umständen in einem Zellentrakt in seine Gewalt gebracht. Er sitzt wegen Gewaltdelikten in der Justizvollzugsanstalt ein.

Stundenlang verhandeln Spezialisten mit dem Mann, der in ein anderes Gefängnis verlegt werden will und einen Rechtsbeistand fordert. Warum, bleibt zunächst unklar. Die Stunden verrinnen. Suhls Polizeisprecher Fred Jäger kann nur immer wieder erklären: Keine Neuigkeiten, es werde weiter verhandelt. Die Lage sei stabil. Thüringens Justizminister Holger Poppenhäger (SPD) eilt zweimal in der Nacht an den Ort des Geiseldramas, um sich über die Lage zu informieren. Das zweite Mal um 0.30 Uhr am Samstag früh.

Die Hoffnung, dass es jetzt schnell gehen und der Täter aufgeben wird, trügt. Es sollen noch zwei Stunden vergehen, bis Polizeisprecher Jäger bei Minustemperaturen und leichtem Schneegriesel zum Zugang der Justizvollzugsanstalt kommt und sichtlich erleichtert verkünden kann: "Heute Morgen um 2.23 Uhr haben Spezialeinsatzkräfte der Polizei den 52-Jährigen überwältigt. Die Geisel ist unverletzt."

Sie werde nach der zehnstündigen Geiselhaft betreut. Auch der Täter sei unverletzt. Es gebe noch keine Erkenntnisse, wie der Mann in Besitz des Messers gekommen sei. Der Mann werde weiter vernommen. Justizminister Poppenhäger wirkt von einer Zentnerlast befreit: "Die Forderungen des Geiselnehmers erschienen uns sehr wirr. Wir sind alle sehr erleichtert und froh, dass es beendet ist - und keine Schusswaffen eingesetzt werden mussten, die Geisel nicht verletzt wurde."

Ihre Eltern seien bei ihr. Weitere Details, etwa wie der Häftling die Gefängnis-Angestellte in seine Gewalt bekam und, ob es einen Hintergrund für den Gewaltausbruch des Mannes gibt, lässt er offen und verweist auf eine Pressekonferenz am frühen Samstagnachmittag in Suhl.

Wenig später wird es ruhig rund um das Männergefängnis mit 332 Haftplätzen und 167 Bediensteten. Die Sondereinsatzkräfte verlassen nach und nach das Gelände. Derzeit gibt es in Thüringen sieben Justizvollzugseinrichtungen mit insgesamt rund 2000 Haftplätzen.

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