Das GA-Torfieber grassiert wieder
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Gut eineinhalb Jahre nach der Loveparade-
Katastrophe muss sich der Duisburger Oberbürgermeister Adolf
Sauerland (CDU) an diesem Sonntag (12.2.) einem Abwahlverfahren
stellen. Das Bündnis aus einer Bürgerinitiative, Parteien und
Gewerkschaften fordert die Ablösung des 56-jährigen. Für die Gegner
Sauerlands trägt der Oberbürgermeister die politische Verantwortung
für die Genehmigung der Techno-Party, bei der 21 Menschen in einem
Massengedränge starben und Hunderte verletzt wurden. Sie werfen
Sauerland außerdem «völliges Versagen» beim Umgang mit den Opfern
vor.
Erwartet wird ein knapper Ausgang der Wahl. Die Gegner Sauerlands
müssen bei der Abstimmung die Mehrheit der Stimmen und ein Quorum von
mindestens 91 250 Stimmen erreichen. Dann müsste der
Oberbürgermeister laut Gemeindeordnung am kommenden Mittwoch sein Amt
räumen. Neuwahlen würden innerhalb von sechs Monaten folgen.
Sauerland weist die Vorwürfe gegen ihn zurück und lehnt einen
Rücktritt ab. Er verweist auf ein von der Stadt in Auftrag gegebenes
Gutachten, nach dem der Stadt bei der Genehmigung und Überwachung der
Techno-Party keine Versäumnisse vorzuwerfen seien.
Die Duisburger CDU kritisiert das Abwahlverfahren als «Farce» und
Inszenierung der parteipolitischen Gegner Sauerlands. Die Duisburger
SPD unterstütze das Bürgerbegehren personell und finanziell mit
20 000 Euro, um Sauerland weg zu bekommen und einen SPD-Mann zu
installieren, sagte CDU-Fraktionssprecher Christian Kleerbaum. Neben
der SPD unterstützen auch Grüne und Linke den Abwahl-Antrag.
Die Kritiker Sauerlands weisen die Vorwürfe der CDU zurück. Fast
80 000 Menschen hätten gegen Sauerland unterschrieben und damit die
Abstimmung erzwungen. Diese Menschen können man nicht komplett in die
linke Ecke stellen, sagte einer der Sprecher der Abwahlinitiative,
Theo Steegmann. Die Initiative argumentiert, die Spaltung Duisburgs
im Streit um Sauerland lähme die ganze Stadt. Der OB wirke
angeschlagen, heißt es in ihrem Wahlaufruf. Sauerlands Amtszeit läuft
bis zum Spätsommer 2015, im Rat hat seine CDU-Fraktion keine
Mehrheit.
Die Hürde von gut 91 000 Stimmen gilt als hoch aber nicht
unüberwindbar. «Es wird eine ganz knappe Sache», hieß es sowohl bei
der Duisburger CDU als auch bei der Abwahlinitiative. SPD, Linke und
Grüne hatten bei der vergangenen Ratswahl zusammen etwa 92 000
Stimmen erreicht, das Lager der Nicht-CDU-Wähler lag addiert bei rund
110 000. «Das Ergebnis wird sich zwischen 80 000 und 100 000 bewegen,
in diesem Feld», vermutet Kleerbaum.
Gut 30 000 Duisburger haben nach Informationen aus den Wahllokalen
bereits ihre Briefwahlunterlagen abgeholt. Auch Sauerland selbst habe
bereits vor einigen Tagen per Briefwahl abgestimmt, sagte sein
Sprecher Josip Sosic. Ob der OB am Sonntag zur Auszählung ins
Wahlzentrum im Rathaus kommen wird, war zunächst offen.
Artikel vom 10.02.2012