"Costa Concordia" bleibt noch länger eine Gefahr

Giglio/Rom.  Wind und Wellen verzögern die Bergung. Das gefährliche Schweröl ist weiter an Bord der "Costa Concordia". Vier Wochen nach der Havarie gibt es noch 15 Vermisste. Die Sorge auf Giglio wächst.

Die 'Costa Concordia' vor Giglio. Foto: dpa

Dramatische Bilder gehen um die Welt: Der 290 Meter lange Kreuzfahrtriese "Costa Concordia" liegt gekentert vor der Küste der toskanischen Insel Giglio. Mehr als 4200 Passagiere und Crewmitglieder drängen Hals über Kopf von Bord. Augenzeugen berichten von chaotischen Szenen bei der Evakuierung des Schiffes.

Das war vor vier Wochen - am Freitag, den 13. Januar. Kapitän Francesco Schettino hatte sein Kreuzfahrtschiff zu nahe an die Felsen vor der Insel gesteuert. Gegen Schettino werden schwere Vorwürfe erhoben, doch die Beweisaufnahme hat gerade erst begonnen. Noch längst sind nicht alle Opfer geborgen, und weiterhin schwappen 2300 Tonnen Treibstoff - überwiegend gefährliches Schweröl - in den Tanks.

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Das Desaster von Giglio wird noch Folgen haben. 17 Opfer der Havarie sind geborgen, 15 werden auch vier Wochen danach vermisst. Der 52-jährige Kapitän aus kampanischer Familie ist kein freier Mann, bleibt von der Untersuchungshaft aber verschont. Schettino, der sich gern braun gebrannt auf der Kommandobrücke ablichten ließ, bleibt unter Hausarrest. Vielfache fahrlässige Tötung, Havarie und Verlassen seines Schiffes während der Evakuierung werden dem Kapitän vorgeworfen.

Wegen der Vorwürfe wollten ihn die Staatsanwälte wieder hinter Gitter sehen wie zunächst nach dem Schiffbruch. Denn es drohe Fluchtgefahr. Doch die Richter entschieden anders. Schettino darf also daheim bleiben, in Meta di Sorrento südlich von Neapel. Da könnte er unangenehme Tage mit seiner Frau verbringen, unkten italienische Medien.

Denn Schlagzeilen machte in den vergangenen Wochen immer wieder die blonde Moldawierin Domnica Cemortan, die in der dramatischen Havarie-Nacht auf der Brücke der "Costa Concordia" aufgetaucht war. Mal soll sie gesagt haben, sie liebe Schettino, er sei ein Held, dann wieder habe die 25-Jährige in Interviews bestritten, die Geliebte des Kapitäns zu sein und ihn "abgelenkt" zu haben.

Jedenfalls fanden Taucher in der Kapitänskabine eine Tasche mit ihren Kleidern und dem Schminkkoffer. Während Schettino die Verantwortung für seinen Kurs zu nah an der Insel an die Reederei zurückgibt, waren die Helden ganz andere: Taucher von Zivilschutz und Küstenwache, die unermüdlich in überfluteten Teilen der einstigen "Schwimmenden Stadt" erst nach Überlebenden und dann nach Opfern suchten, Gefahren und Verschmutzung trotzend.

Weil das 290-Meter-Schiff sich immer wieder bewegte, wie hochsensible Messgeräte zeigten, mussten sie die Suche oft unterbrechen. "Um 60 Zentimeter hat sich das Schiff in 26 Tagen bewegt", erklärte Krisenstabsleiter Franco Gabrielli, der auch Chef des italienischen Zivilschutzes ist. "Es gleitet aber nicht ab", beruhigte er diejenigen, die ein völliges Versinken befürchten. Denn dann hätten es die niederländischen Bergungsexperten von der Firma Smit noch schwerer, die größte Sorge Gabriellis auszuräumen: Das Schweröl aus den Tanks bedroht Fauna und Flora der Insel oder gar des gesamten toskanischen Archipels.

Die Bergungsexperten brauchen jedoch ein einigermaßen ruhiges Wetter, um die Tanks zu leeren. Raue See und stärkerer Wind zwangen sie immer wieder, ihre Vorbereitungen zu unterbrechen. In dieser Kältewoche mit Eis und Schnee in Italien kamen sie also kaum voran. Erst wenn die "Costa Concordia" leergepumpt ist, was etwa einen Monat dauern soll, kann man daran gehen, das Schiff aufzurichten und abzutransportieren.

Für die Insulaner kommt nach der Horrornacht der Havarie die Sorge um ihre sommerliche Touristensaison auf. Das Bild dieses gekenterten Schiffes bleibt ihnen lange erhalten. Der Krisenstabsleiter rechnet mit etwa einem Jahr, bis die "Costa Concordia" aus dem Blickfeld sein könnte. Noch ist nicht genau klar, wie das geschehen soll. Lässt die Reederei das Schiff zerteilen, soll es in einem Stück weggeschafft werden?

Gesucht wird ein Unternehmen mit einem Masterplan dafür. Noch weit länger dürfte es dauern, bis die spektakuläre Havarie strafrechtlich voll aufgearbeitet sein wird. Die Mühlen der Justiz arbeiten in Italien erfahrungsgemäß langsam, und die Zeugenbefragung allein wird viele Aktenordner füllen. Eine juristische Frage könnte sein, ob neben Schettino und dem ersten Offizier Ciro Ambrosio noch jemand in den Fokus der Ermittler gerät. Schettino soll in der Nacht der Havarie viel mit einem Manager der Reederei telefoniert haben .

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