Terroralarm in Essen

Kein konkreter Anschlag vorbereitet

12.03.2017 Berlin. Laut NRW-Innenminister Ralf Jäger stand in Essen kein unmittelbarer Anschlag bevor. Nach dem Terroralarm in Essen ist einer der beiden Festgenommenen inzwischen wieder frei. Das Einkaufszentrum kann am Montag wieder öffnen.

Nach dem Terroralarm wegen eines möglichen Anschlags am Samstag in Essen haben die Sicherheitsbehörden keine Anzeichen dafür, "dass mit Umsetzung oder Vorbereitungen konkret begonnen wurde". Das versicherte Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Sonntag unter Hinweis auf die bisher vorliegenden Erkenntnisse der Ermittler. „Die Sicherheitsbehörden haben die Hinweise ernst genommen und sehr umsichtig, konsequent und frühzeitig reagiert“, betonte Jäger. "Essen zeigt, dass sie sehr gut zusammenarbeiten und ihre Informationen untereinander eng austauschen."

Nach dem Terroralarm von Samstag in Essen ist einer der beiden Festgenommenen wieder auf freiem Fuß. Der Mann habe noch am Samstagabend das Präsidium verlassen können, sagte ein Sprecher der Polizei. Der zweite Festgenommene wurde noch weiter verhört, Gegenstände aus seiner Wohnung wurden untersucht.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur von einem auf Samstag terminierten möglichen Anschlag im Einkaufszentrum "Limbecker Platz" erfahren, vermutlich verübt von einer ganzen Tätergruppe. Der Verfassungsschutz informiert die Polizei. Die ordnete am frühen Samstagmorgen an, das mehrgeschossige Shoppingcenter in der Innenstadt den ganzen Tag geschlossen zu lassen. Mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten riegelten den Gebäudekomplex ab.

Mutmaßlicher Drahtzieher soll nach dpa-Informationen aus Sicherheitskreisen ein deutscher Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sein. Er soll von Syrien aus per Internet-Messenger mehrere Personen direkt kontaktiert und versucht haben, sie für einen Angriff auf das Einkaufszentrum zu motivieren. Ein Teil der mutmaßlichen Tätergruppe soll sich in Deutschland befunden haben, ein anderer Teil sollte aus dem Ausland anreisen.

Grund für die in Oberhausen erfolgte Festnahme der beiden Männer sei der Verdacht gewesen, sie stünden in einem Zusammenhang mit den zuvor aufgeflogenen Anschlagsplänen. Welcher Art dieser Zusammenhang war, wollte die Polizei nicht erläutern. Es habe sehr konkrete Hinweise gegeben, sagte der Sprecher. Nach dpa-Informationen handelt es sich bei ihnen nicht um direkt Tatverdächtige, sondern um Kontaktpersonen des mutmaßlichen Drahtziehers. Er soll Mitglied der salafistischen Szene in Oberhausen und bereits länger im Visier der Behörden gewesen sein.

Die Polizei hatte für den Großeinsatz auch Kräfte aus anderen Teilen Nordrhein-Westfalens zusammengezogen. Der Einsatz wurde inzwischen beendet, doch die Ermittlungen zu den aufgeflogenen Anschlagsplänen gehen weiter. Die Polizei bleibe wachsam, betonte ein Sprecher.

 

Das Einkaufszentrum, eines der größten in deutschen Innenstädten, kann am Montag wieder öffnen wie gewohnt. Es gebe keine Hinweise mehr auf eine Gefahrensituation, sagte ein Polizeisprecher. Falls sich das ändere, werde man jederzeit entsprechend reagieren.

Im benachbarten Oberhausen wurde am Samstag auch das Einkaufszentrum Centro von der Polizei besonders gesichert, blieb aber offen. Es war bereits im Dezember, kurz nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin, besonders bewacht worden. Zwei im Kosovo geborene Brüder wurden damals festgenommen, später aber wieder freigelassen.

In den vergangenen Monaten waren in Deutschland mehrfach öffentliche Gebäude nach Terrorhinweisen gesperrt worden. So wurde im November 2015 das Fußball-Länderspiel Deutschland-Niederlande in Hannover kurz vor Anpfiff abgesagt. An Silvester 2015 wurde der Münchner Hauptbahnhof nach einer Terrorwarnung geräumt. Vor zwei Jahren fiel der Karnevalsumzug in Braunschweig wegen akuter Terrorgefahr aus. (dpa)