Energieversorgung bei der Sonnenfinsternis

Höchste Anspannung bei Stromnetzbetreibern

Keine Sonne, kein Solarstrom. Die Bedrohung für Freitag. FOTO: DPA

Keine Sonne, kein Solarstrom. Die Bedrohung für Freitag.

BONN. Stromnetzbetreiber fürchten eine Überlastung der Netze, wenn Sonne und Mond ihr Wechselspiel treiben.

Gegen 9.30 Uhr wird in den Lagezentren der großen Stromanbieter die Luft angehalten. Um zwölf Uhr dürfte die Stimmung äußerst angespannt sein. Sobald sich die Sonne am Morgen verdunkelt, könnten rund 12 000 Megawatt aus Solarzellen generierter Strom plötzlich wegfallen. Am Mittag, wenn die Sonne wieder ihre Strahlkraft zurückgewonnen hat, könnten auf einen Schlag 19 000 Megawatt zurück ins Netz fließen - das entspricht der Leistung von 14 Atomkraftwerken. Zu diesen beiden Zeitpunkten droht eine Unterversorgung des Stromnetzes.

"Das ist eine große Herausforderung, die wir konzentriert beobachten", sagt Werner Schui, Sprecher der Stadtwerke Bonn. Die Leitstelle wird personell verstärkt. Beeinflussen können die örtlichen Stromanbieter die Netzstabilität aber nicht. Sie verteilen den Strom lediglich vor Ort. Dass er ankommt, dafür sind die vier großen Betreiber der bundesweiten Höchstspannungstrassen verantwortlich: Amprion, "TenneT", "50Hertz Transmission" und die "EnBW Transportnetze AG". Die haben sich nach eigenen Angaben "intensiv" auf das Szenario vorbereitet. Dennoch sagt ein 50Hertz-Sprecher: "Wir sind angespannt."

Wenn am Freitag rund 80 Prozent der Sonne verschwinden, stehen zusätzliche Mengen Regelenergie bereit, um Netzschwankungen zu kompensieren. Statt normalerweise 3500 Megawatt können die verpflichteten Kraftwerke dann 4500 Megawatt liefern, falls Solarzellen großflächig ausfallen. Bestimmte Kraftwerke könnten in Notsituationen richtig viel Geld verdienen. "Es können Kosten im einstelligen Millionen-Bereich entstehen, aber die genaue Rechnung kennen wir erst Freitagabend", sagte gestern der Leiter Systemführung beim westdeutschen Netzbetreiber Amprion, Joachim Vanzetta.

Ob es überhaupt zu einer Blackout-Bedrohung kommt, das hängt stark vom Wetter ab. Der Bundesverband Solarwirtschaft erklärt: "Nur bei wolkenlosem Himmel über Deutschland werden die Netzbetreiber an diesem Tag einen spürbar höheren Regelungsaufwand haben." Ansonsten ist die Produktionsmenge der Solaranlagen zu gering, um bei plötzlichem Wegfall wirklich Schwankungen zu verursachen. Mehr Mitarbeiter als üblich werden die Netzstabilität überwachen. Sie hoffen, dass sich die ersten guten Prognosen bewahrheiten. "Der Wetterbericht sieht für uns gut aus", sagte Vanzetta. Es werde wohl kein sehr sonniger Tag. "Wir rechnen für Deutschland derzeit mit einer maximalen Solarleistung von 17 000 bis 20 000 Megawatt." Szenarien gingen bisher von maximal 24 000 Megawatt Solarleistung aus.

Bei der Stadt Bonn gibt man sich ob solcher Prognosen gelassen, die Feuerwehr sei "standardmäßig auf Probleme bei großflächigen Stromausfällen geschult".