Mitten in der Urlaubszeit

32 Flüge in Köln/Bonn wegen Pilotenstreik bei Ryanair gestrichen

In Deutschland sind am Flughafen Köln/Bonn für heute und Donnerstag je acht Starts und Landungen gestrichen.

Am Flughafen Köln/Bonn werden insgesamt 32 Flüge gestrichen,

10.08.2018 Frankfurt/Main. Bei Ryanair stehen an diesem Freitag viele Maschinen still. Am Flughafen Köln/Bonn sind daher insgesamt 32 Flüge von Ryanair und Laudamotion gestrichen.

Der Streik bei Ryanair hat am Freitag auch Flugreisende in NRW betroffen. Dutzende Flüge fielen an den größeren Flughäfen im Bundesland aus, allein in Köln/Bonn rund die Hälfte der für diesen Tag angesetzten Ryanair-Flüge.

Insgesamt wurden 32 Flüge gestrichen – darunter auch 4 Flüge von der Fluglinie Laudamotion, die wegen einer Kooperation mit Ryanair ebenfalls von dem Pilotenstreik betroffen ist.

Die Passagiere hatten sich allerdings gut darauf eingestellt. „Ein Großteil von ihnen war bereits zuvor von der Fluggesellschaft informiert worden und sind gar nicht erst zum Flughafen gekommen“, sagte ein Sprecher. Nur vereinzelt habe es Nachfragen gegeben.

Es ist der bislang härteste Pilotenstreik in der Geschichte des Unternehmens. Tausende Kunden des irischen Billigfliegers Ryanair erreichen nicht ihr gewünschtes Ziel. Mitten in der Urlaubszeit haben die Piloten in mehreren europäischen Ländern ihre Streikaktionen abgestimmt.

Das Unternehmen hat daraufhin von 2400 geplanten Flügen rund 400 gestrichen. Schwerpunkt ist Deutschland, wo wegen des auf 24 Stunden beschränkten Streiks der Vereinigung Cockpit (VC) 250 Flüge abgesagt wurden.

Vor allem am frühen Morgen hat kaum ein Ryanair-Flieger von einem deutschen Flughafen abgehoben. Im Laufe des Tages sollen dann einige Flüge erfolgen mit Maschinen, die aus anderen, nicht bestreikten Ländern landen und auch wieder starten.

Deutschland ist hauptsächlich betroffen

Europaweit sind rund 55.000 Passagiere betroffen, davon gut 42.000 in Deutschland. Sie konnten umbuchen oder sich ihre Tickets erstatten lassen. Weitere Entschädigungen lehnt Ryanair ab. Streiken wollten die Piloten in Deutschland, Schweden, Irland, Belgien und den Niederlanden.

Der Ausstand in Deutschland begann um 03.01 Uhr und am Samstag um 02.59 Uhr enden. Die Piloten streiken für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Gehälter. Weitere Streiks in der Urlaubszeit hat die VC nicht ausgeschlossen, will sie aber mit einer Frist von 24 Stunden vorher ankündigen.

Ryanair habe offenbar mit massiven Ausfällen gerechnet und daher lieber gleich das gesamte Programm der deutschen Crews abgesagt, hatte ein Sprecher der Gewerkschaft "Vereinigung Cockpit" zuvor in Frankfurt erklärt. Das sei für das Unternehmen offenbar einfacher zu behandeln. Auch die Informationsweitergabe der Ryanair an die Fluggäste scheint überwiegend gut gelaufen zu sein. In Weeze, dem Hauptflughafen der Ryanair, und auch in Köln/Bonn war die Lage am Freitagmorgen daher entspannt. Am Samstagmorgen soll der Betrieb dann wieder wie gewohnt laufen, hat Ryanair angekündigt.

Bislang größter Pilotenstreik bei Ryanair

Die abgestimmte Aktion ist der bislang größte Pilotenstreik in der Geschichte der größten Billig-Airline Europas, die erst seit Ende 2017 Gewerkschaften anerkennt. Vor zwei Wochen hatten zudem Flugbegleiter in Portugal, Spanien und Belgien über zwei Tage zusammen rund 600 Flüge mit knapp 100.000 betroffenen Passagieren ausfallen lassen. Unter den europäischen Piloten haben bisher einzig die Iren an vier einzelnen Tagen die Arbeit niedergelegt. Ryanair hatte daraufhin den Abzug von sechs Jets samt 300 Arbeitsplätzen nach Polen angekündigt.

Gewerkschaften und Ryanair beschuldigen sich gegenseitig, die seit rund sechs Monaten laufenden Verhandlungen zu blockieren. Die VC will bei der irischen Gesellschaft erstmals ein System aus Vergütungs- und Manteltarifvertrag etablieren und zieht dafür andere Fluggesellschaften als Muster heran. In den Vorschlägen sind zahlreiche Details etwa zu Dienstzeiten, Versetzungen oder Fixanteilen des Gehalts enthalten. Ryanair verweist auf vergleichsweise hohe Endgehälter ihrer Kapitäne und Copiloten. Das Unternehmen will keine Vereinbarungen treffen, die sein Niedrigkostenkonzept in Frage stellen würden. (dpa)