G9-Entscheid in NRW

In Bonn fehlen wegen Abi-Reform 63 Schulräume

Nach dem Schulabschluss gelingt Jugendlichen nicht immer der Übergang in eine Ausbildung. Die Datenbank www.ueberaus.de zeigt Alternativen auf.

In Köln wird damit gerechnet, dass 150 Klassenzimmer plus 50 Fachräume mehr gebraucht werden. (Symbolbild)

Düsseldorf/Bonn. Der Bedarf an Räumen bei einer Rückkehr zu G9 ist erheblich. Allein in Köln wird damit gerechnet, dass 150 Klassenzimmer plus 50 Fachräume mehr gebraucht werden, die Kosten dafür betragen rund 200 Millionen Euro.

Nur wenige Tage ist es her, da bekamen die Städte und Gemeinden in NRW eine Nachricht vom Schulministerium. Einen Fragebogen sollten sie ausfüllen, der es in sich hat. Die Landesregierung wollte unter anderem wissen, wie groß der zusätzliche Bedarf an Räumen in den Schulen durch die Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren Gymnasialzeit (G9) voraussichtlich sein wird. Und mit welchen Mehrkosten die Kommunen rechnen. Was die Beamten in den Rathäusern Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) antworteten, ist vertraulich. Klar aber ist, dass vor allem in den größeren Städten der Mehrbedarf an Räumen, teils sogar an neuen Schulen, erheblich ist.

Spitzenreiter ist Köln. Die Millionenstadt rechnet vor, dass wegen des zusätzlichen Jahrgangs rund 150 Klassenzimmer plus 50 Fachräume gebraucht werden. Die Schuldezernentin geht davon aus, dass fünf bis acht neue weiterführende Schulen gebaut werden müssen. Weil der Bau einer Schule Fachleuten zufolge rund 40 Millionen Euro kostet zuzüglich Grundstückskosten, wäre allein für Köln mit mindestens 200 Millionen Euro zu rechnen. Düsseldorf kalkuliert ebenfalls mit einer hohen Summe, „im unteren dreistelligen Millionenbereich“, also mehr als 100 Millionen Euro. Essen veranschlagt mindestens 45 Millionen Euro. Auch in Bielefeld könnte es einem Sprecher der Stadt zufolge notwendig sein, ganz neue Gymnasien zu eröffnen.

Mehr Klassenräume benötigt

In Bonn werden zwar nach Berechnungen der Stadt keinen neuen Schulen gebraucht. Aber für die zehn städtischen Gymnasien müssten durch den Mehrunterricht 63 zusätzliche neue Klassenräume her (6450 Quadratmeter Fläche), hinzu kommen die Privatschulen, deren Bedarfe die Verwaltung nicht beziffern kann. Neben dem wachsenden Raumbedarf sind zusätzliche Lehrerinnen und Lehrer nötig. „Ich erwarte, dass das Land die Zusage zum Ausgleich der zusätzlichen Kosten einhält“, sagte dazu die Bonner Schuldezernentin Carolin Krause dem GA.

Oft können die Städte nicht mehr auf die Räume zurückgreifen, die durch die Verkürzung der Gymnasialzeit freigeworden waren. „Die Räume werden mittlerweile genutzt für die neuen schulischen Aufgaben Inklusion, Integration, Ganztag oder für Differenzierung und Förderung“, betonte ein Sprecher der Stadt Herne. Dort schätzen sie, dass 19 neue Räume gebraucht werden könnten. Viele kleinere Städte und Gemeinden hingegen geben an, sie hätten wegen rückläufiger Schülerzahlen genug Räume zur Verfügung.

Kommunen sind ratlos

Die Einschätzung der Kommunen deckt sich in etwa mit der Prognose Gebauers. Auf entsprechende Fragen hatte sie in der vergangenen Woche geantwortet: „Bayern liegt bei 350 Millionen bis 500 Millionen Euro.“ Anhand dieser Zahl lasse sich in etwa hochrechnen, wie teuer die Umstellung in NRW werden könnte, so die Ministerin.

Allerdings herrscht in vielen Kommunen noch große Ratlosigkeit, was die Kosten angeht. Helmut Dedy, Geschäftsführer des NRW-Städtetags, argumentiert ähnlich wie die Bonner Schuldezernentin. „Die Städte erwarten, dass das Land die Mehrkosten für den Umstieg auf G9 vollständig erstattet“, sagte Dedy.