Konsequenz aus Starkregen-Ereignissen Groschek will "regensichere" Städte

DÜSSELDORF · Entsiegelung von Parkflächen, keine Neubauten in Hochwasserzonen: Es gibt viele Ideen, Starkregen-Fluten zu lenken.

Nach den schweren Unwetterschäden in NRW will Städtebauminister Michael Groschek (SPD) die Städte "unwettersicherer" machen. Als Konsequenz aus den letzten Starkregen-Ereignissen im Münsterland, Ruhrgebiet, Rheinland und Sauerland regte Groschek den Ausbau der Kanalisation, die Erweiterung von Sickerflächen und den Verzicht auf Tiefgaragen in hochwassergefährdeten Gebieten an. "Ich werde ein Programm zum Schutz vor extremen Unwettern entwickeln", sagte Groschek.

Städtebauminister Groschek regte den Einbau "wasserdichter" Kellerfenster an, um bei Starkregen-Ereignissen keine Flutschleusen zu haben. Außerdem müsse darüber geredet werden, wie man das Wasser lenken könne, damit der Strom im Ernstfall nicht ausfällt und die Fluten "nicht etwa in ein Krankenhaus laufen".

Der Hauptgeschäftsführer des NRW-Städte- und Gemeindebundes, Bernd Jürgen Schneider, begrüßte Gespräche über Konsequenzen. "Das Zupflastern der Städte ist längst gestoppt", sagte Schneider. Sinnvoll sei es, in Überschwemmungsgebieten keine neuen Tiefgaragen mehr zu genehmigen. Den Ausbau der Kanalisation auf ein Jahrhundertereignis auszurichten, sei aber "technisch, räumlich und finanziell" nicht möglich. Ausbauten seien auch kurzfristig kaum realisierbar.

In Risiko- und Gefahrenkarten hat das NRW-Umweltministerium an 448 Gewässern auf rund 6000 Kilometern Länge ein signifikantes Hochwasserrisiko festgestellt. In den Regionen sollen aus Sicht von Umweltminister Johannes Remmel "keine neuen Siedlungs- und Gewerbegebiete ausgewiesen werden".

Allerdings verschärften lokale Sturzregen die Situation in Kommunen. Durch mehr Raum für kanalisierte Flüsse und Ausweichflächen vor der Stadt könnten Unwetterschäden gemildert werden. "Gegen Starkregen-Ereignisse haben wir aber eigentlich keine Chance", räumte Umweltexperte Wilhelm Deitermann ein.

Das Umweltbundesamt empfahl den Städten, Parkplätze wieder zu "entsiegeln", damit mehr Wasser im Boden versickern kann. Gleichzeitig rieten die Experten zum Bau von Regenauffangbecken, in die überschüssiges Wasser geleitet werden könne.

Die Einschränkung: Bei Regenmassen wie in den vergangenen Wochen hätten auch die Becken nicht ausgereicht. Dagegen könnte durch den Einbau von Rückstausicherungen das Eindringen des Wassers vom Kanalnetz ins Gebäude verhindert werden, sagte Bert Bosseler vom Institut für Unterirdische Infrastruktur (IKT).

In NRW werden jeden Tag durchschnittlich elf Hektar Land mit Straßen oder Häusern bebaut - das entspricht einer Fläche von zehn Fußballfeldern. Dadurch kann Regenwasser kaum noch im Boden versickern.

Umweltminister Remmel wirbt dafür, die zusätzliche Bebauung in Überschwemmungsgebieten zu untersagen. Der Minister arbeitet an einem Klimaschutz-Aktionsplan, um die Folgen des globalen Klimawandels in NRW abzumildern.

Groschek hofft weiter darauf, Fördertöpfe des Bundes für Flutopfer anzapfen zu können. Von den Milliarden Euro aus der Flutopfer-Hilfe für Ostdeutschland sind nur wenige Hundert Millionen abgeflossen. NRW zahlt in den nächsten 20 Jahren jeweils 44 Millionen Euro ein. Da könne es nicht sein, dass die Flutopfer in NRW nichts davon bekämen, klagte der Städtebauminister.

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