Laschet fehlt wichtige Unterstützung

Ein Mann steht unter Strom

Er taktiert, geht kaum Risiko ein, bleibt Leichtgewicht: So sehen Kritiker Armin Laschet, der Spitzenkandidat in NRW werden könnte.

Er taktiert, geht kaum Risiko ein, bleibt Leichtgewicht: So sehen Kritiker Armin Laschet, der Spitzenkandidat in NRW werden könnte.

Düsseldorf. Der Mann ist immer in Eile. Ständig im Flieger, Dauergast in Talkshows, fleißig auf Ochsentour in den Ortsverbänden. Armin Laschet ahnt, er hat nur den einen Versuch 2017, um Ministerpräsidentin Hannelore Kraft abzulösen.

Dann dreht sich in der NRW-CDU wieder das Personalkarussell. "Opposition ist Mist", hatte der ehemalige SPD-Chef Franz Müntefering einst trocken analysiert. Das sehen die meisten Christdemokraten an Rhein und Ruhr genauso. Siegen wird Pflicht.

Das massige Modell von Karl dem Großen im Düsseldorfer Büro des CDU-Landes- und Fraktionschefs hat Symbolkraft. Der bekennende Aachener Laschet ist ganz Europäer und wirbt für Offenheit in der Partei. In der Flüchtlingsfrage steht der Ex-Integrationsminister im Kabinett Rüttgers ganz eng an der Seite der "Willkommens-Kanzlerin" Merkel. Auch sonst bemüht sich der kirchennahe Politiker um die Annäherung der Kulturen. Damit hat sich der Landeschef bei parteiinternen Skeptikern den spöttischen Beinamen "Türken-Armin" eingehandelt.

Immer unter Strom und auf Twitter pendelt Laschet zwischen Düsseldorf und Berlin. Zwischendurch eine hastige Studienreise ins "Morgen-Land" Silicon Valley, danach ein kurzer Trip ins Flüchtlingslager im Libanon. Der Christdemokrat sammelt Ideen für einen "Masterplan NRW". Laschet ist kein alles umarmender Boulevard-Liebling wie Hannelore Kraft, die in den Sympathiewerten meilenweit vorn liegt. Die Strategie des CDU-Politikers zielt nicht erfolglos darauf, Schwachstellen im Regierungssystem Kraft aufzudecken. Der Zentralvorwurf: NRW fällt unter Rot-Grün weiter zurück bei Wirtschaft, Bildung und Finanzen.

Dass der 54-jährige Laschet 2017 Spitzenkandidat wird, gilt als sicher. Öffentliche Spekulationen über die mögliche Alternative Jens Spahn, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, werden von Vorständlern als "Ego-Spielchen" abgetan. Wahr ist aber auch: Laschet hat kaum nibelungentreue Mitstreiter. Viele erinnern sich, dass der gelernte Jurist in den letzten Führungsduellen Norbert Röttgen und Karl-Josef Laumann unterlegen war.

Seit der "Noten-Affäre" um verschwundene Klausuren des Dozenten Laschet an der RWTH Aachen versucht die SPD, dem Kontrahenten das Image eines "Bruder Leichtfuß" anzuheften. Der CDU-Politiker hat den Skandal überstanden und sein Profil als Kraft-Entzauberer geschärft. Laschet ist thematisch im Stoff, Reden sind konzentrierter und längst nicht mehr so fahrig. Dass ihm der quirlige FDP-Chef Christian Lindner nicht selten die Pole Position als Oppositionsführer entreißt, muss er hinnehmen. Hinter verschlossenen Türen vermissen Abgeordnete wie der Olper CDU-Kreischef Theo Kruse eine offensive Angriffs-Strategie gegen Rot-Grün. Andere bedrängen Laschet, an seinem "Image zu arbeiten".

Laschet steckt in einem Dilemma: In der Fraktion fehlen die großen Namen, bei der inneren Sicherheit ringen die Abgeordneten Kruse, Golland und Lohn um die Führungsrolle. Andere Fachbereiche sind oft aus Proporzgründen schwach besetzt - ein Schattenkabinett ohne Blutzufuhr von außen ist nicht vorstellbar. Die Basis rätselt aber, zu welchem Partner es Laschet bei einem CDU-Wahlerfolg 2017 in einem denkbaren Sechs-Parteien-Parlament in NRW ziehen würde. Große Koalition mit der SPD? Pizza-Connection mit den Grünen? Oder mit der FDP? In Umfragen liegen SPD und CDU mit 35 Prozent derzeit Kopf an Kopf.

Auf Bundesebene hat sich Laschet einen festen Platz im CDU-Präsidium erkämpft. Anders als Hannelore Kraft liebt der Landespolitiker den Auftritt auf dem Berliner Parkett. Laschet sucht die Kameras, um zu weltpolitischen Fragen Stellung zu beziehen. Dabei bleibt er meist vorsichtig auf "Muttis Linie", wie ein Parteifreund schmunzelt. Laschet taktiert, geht kaum Risiko ein. Die Folge: In Merkels Reich ist der größte CDU-Landesverband kein Schwergewicht.

Laschets Verhältnis zu den Medien in Düsseldorf gilt als angespannt. Misstrauisch registriert der CDU-Politiker jedes kritische Wort in der Presse, nicht selten fühlt er sich unverstanden. Dem Frontmann fehlt ein erfahrener Beraterstab in Partei und Fraktion für die "richtige" Strategie gegen Kraft. Vorständler vermissen die Mitsprache in "Laschets Kosmos".

2016 wird für den CDU-Spitzenkandidaten das Jahr der Wahrheit. Laschet muss sein Gegenkonzept zu Rot-Grün auf den Tisch legen und auch letzte Zweifler in den eigenen Reihen überzeugen, dass er es kann. Im Wettbewerb um die höchsten Sympathiewerte wird Armin Laschet die volksnahe Amtsinhaberin Hannelore Kraft kaum schlagen können. Der ehrgeizige Herausforderer hat andere Ziele: NRW soll wieder Nr.1 werden.