Rockerszene in der Region

Bonner Hells Angels nach Verbot wieder aktiv

Das Bonner Chapter der Hells Angels wurde im November 2016 von Bundesinnenminister Thomas de Maizière verboten.

Das Bonner Chapter der Hells Angels wurde im November 2016 von Bundesinnenminister Thomas de Maizière verboten.

Bonn/Region. Rockergruppen sorgen auch in Bonn und der Region regelmäßig für Aufsehen. Bekanntester Fall ist der Schusswechsel vor dem „Take Two“ in der Innenstadt. Eine Übersicht über Vorfälle der vergangenen Jahre.

Auch in Bonn und der Region ist es in den letzten Jahren immer wieder zu Vorfällen mit Rockern und rockerähnlichen Gruppierungen gekommen. Neben den Hells Angels und Bandidos standen dabei auch die Gruppen Fist Fighter und United Tribuns im Mittelpunkt.

17. März 2010: Ein Mitglied der Hells Angels erschießt durch die geschlossene Haustür seines Wohnhauses in Anhausen (Kreis Neuwied) einen Polizisten. Dieser ist Teil eines Spezialeinsatzkommandos (SEK), das im Zuge von Ermittlungen im Rotlichtmilieu das Haus des Mannes durchsuchen will. Rund ein Jahr nach der Tat wird der 44-Jährige wegen Totschlags sowie Nötigung und versuchter räuberischer Erpressung vom Landgericht Koblenz zu neun Jahren Haft verurteilt.

29. Oktober 2010: Etwa zehn Männer attackieren drei Türsteher der Diskothek „Rheinsubstanz“ in Bad Honnef. Der Initiator der Aktion, ein 40-jähriger Kölner, der Mitglied einer Untergruppierung der Hells Angels sein soll, wird vom Bonner Landgericht im Februar 2012 wegen gefährlicher Körperverletzung, Nötigung, Erpressung und Menschenhandels zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt.

3. Mai 2012: Nach einer Großrazzia mit rund 800 Polizisten verbietet der damalige NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) die Regionalgruppe „Hells Angels MC Cologne“. Bei den Durchsuchungen unter anderem in Köln, Bornheim, Siegburg, Troisdorf und Ahrweiler beschlagnahmen die Beamten Pistolen, Schlagstöcke, Macheten und Messer.

Das Jahr 2015

15. März 2015: Ein ehemaliger Anwärter der Bandidos schießt auf der Deutschherrenstraße in Bonn-Lannesdorf auf das Auto eines 30-jährigen Kölners, den er fälschlicherweise für ein Mitglied der Fist Fighter hält. Das Bonner Landgericht verurteilte den Mann am vergangenen Montag wegen illegalen Waffenbesitzes, Körperverletzung, Sachbeschädigung und versuchter Nötigung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten.

27. März 2015: Vor der Bar „Take Two“ in der Bonner Innenstadt kommt es zu einer Schlägerei und Schießerei, an der Mitglieder der United Tribuns sowie der Fist Fighter beteiligt sind. Beide Gruppierungen werden von der Polizei als rockerähnlich eingestuft, zudem pflegen die Fist Fighter wohl Beziehungen zu den Hells Angels. Bei der Auseinandersetzung wird der Vorsitzende der Fist Fighter, Costa S., durch einen Schuss am Bein verletzt. Die Ermittlungen gestalten sich lange schwierig, da Costa S. nicht zu einer Aussage bei der Polizei bereit ist. Im August erhob die Bonner Staatsanwaltschaft Anklage gegen zwei Mitglieder der United Tribuns wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung.

Dieses und vergangenes Jahr

23. November 2016: Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) verbietet die Regionalgruppe „Hells Angels MC Bonn“ als kriminelle Vereinigung. Das Clubheim im rheinland-pfälzischen Neustadt/Wied wird beschlagnahmt und versiegelt. Zuvor hatten 14 Mitglieder der Hells Angels vor dem Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz erfolgreich gegen ein vom rheinland-pfälzischen Innenminister Roger Lewentz (SPD) ausgesprochenes Verbot geklagt. Begründung: Die Gruppierung sei auch in NRW tätig und könne daher nur vom Bundesinnenminister verboten werden.

21. März 2017: Am Kölner Landgericht beginnt ein Prozess gegen acht Mitglieder oder Unterstützer der örtlichen Hells-Angels-Gruppierung, die sich nach dem Verbot im Mai 2012 neugegründet haben soll. Ihnen werden unterschiedliche Taten vorgeworfen, darunter die Gründung einer kriminellen Vereinigung, Drogengeschäfte und Erpressung. Das Gerichtsgebäude gleicht beim Prozessauftakt angesichts der Vielzahl an Polizisten einer Festung. Nur eine Woche später beginnt am Landgericht ein zweiter Rocker-Prozess, bei dem ebenfalls acht mutmaßliche Hells-Angels-Mitglieder unter anderem wegen versuchten Mordes und schwerer Körperverletzung angeklagt sind. In beiden Verfahren steht das Urteil noch aus.